Auslieferung beginnt im Oktober
Umstellung ab Januar: Wertstofftonne löst Gelben Sack ab

Münster -

Gelbe Säcke werden in Münster zum Auslaufmodell. Pünktlich zu Beginn des kommenden Jahres wird in Münster die Wertstofftonne eingeführt. Zum Nulltarif kommt sie allerdings nicht.

Freitag, 13.09.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 13.09.2019, 14:28 Uhr
Auslieferung beginnt im Oktober: Umstellung ab Januar: Wertstofftonne löst Gelben Sack ab
Foto: Oliver Werner

Für Krähen und Katzen brechen ab 1. Januar 2020 schlechte Zeiten an. So zumindest orakelt der Chef der städtischen Abfallwirtschaftsbetriebe (AWM) augenzwinkernd. Im Übrigen blickt Patrick Hasenkamp der lange vorbereiteten Einführung der neuen Wertstofftone in Münster zuversichtlich entgegen. Sie löst zum Jahreswechsel den Gelben Sack ab, der in der Vergangenheit häufig Quell von Unerfreulichem war.

Insgesamt 50.000 neue Tonnen werden ab Oktober nach und nach im Stadtgebiet verteilt. Sie bilden künftig mit Restmüll-, Bio- und Papiertonne ein Quartett. Ob die neuen Gefäße nun einen melonengelben Deckel haben, wie die AWM meinen, oder doch eher einen orangefarbenen, mag kaum eine Rolle spielen: Entscheidend ist, dass künftig mehr Wertstoffe wiederverwendet werden, heißt es von den AWM- Verantwortlichen.

Schließlich soll in den neuen Tonnen nicht nur Verpackungsmaterial, das bis Ende 2019 noch im Geleben Sack entsorgt wird, landen. Zusätzlich können Abfälle aus Metall, Kunststoff und sogenannte Verbundstoffe darin entsorgt werden.

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Sehen der Einführung der Wertstofftonne zuversichtlich entgegen (v.l.): Stefan Schäfer und Michael Schneider (beide Remondis), Christian Wedding (AWM), Nachhaltigkeitsdezernent Matthias Peck, Ludger Steinmann (Vorsitzender AWM-Betriebsausschuss) sowie Patrick Hasenkamp (AWM). Foto: Oliver Werner

Pilotprojekt mit positivem Ergebnis

Der Einführung der Wertstofftonne ist 2012 ein Pilotprojekt in Hiltrup sowie in Teilen von Kinderhaus und Gievenbeck vorausgegangen – mit positiven Ergebnissen, wie AWM-Chef Hasenkamp unter Verweis auf eine repräsentative Umfrage untermauerte. Dabei hatten sich fast 74 Prozent der Befragten für die Einführung der Wertstofftonne anstelle des unbeliebten Gelben Sacks ausgesprochen. „Was lange währt, wird endlich gut“, kommentierte Nachhaltigkeitsdezernent Matthias Peck die Vorlaufzeit.

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Was darf nicht in die neue Tonne? Glas, Papier, Porzellan, Keramik, Textilien, Holz, Elektro-Geräte, schadstoffhaltige Abfälle, Windeln

Ändern sich die Abfuhrtermine? Ja, für einige Bezirke innerhalb des zweiten Tangentenrings. Für die meisten Haushalte bleibt es beim bekannten Rhythmus. Wo Remondis abholt, ändert sich nichts.

Wie bekomme ich weitere Informationen? Die AWM schreiben alle Hauseigentümer an, später auch alle Haushalte.

Was passiert, wenn vor Ort der Platz für die Tonne fehlt? Es gibt eine Einzelfallprüfung: Notfalls werden Wertstoffsäcke verteilt.

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Nach langwierigen Verhandlungen mit den Dualen Systemen, die für die Entsorgung der Verkaufsverpackungen zuständig sind, hat man das Stadtgebiet gemäß dem anteiligen Aufkommen der verschiedenen Müllarten aufgeteilt: Die Abfallwirtschaftsbetriebe fahren demnach die Wertstofftonnen im Bereich innerhalb der Ringe sowie in der Aaseestadt ab, das übrige Stadtgebiet übernimmt das Entsorgungsunternehmen Remondis.

Fünf Probleme beim Recyclen von Plastik

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  • Aber auch das deutsche Recyclingsystem hat Schwächen. An manchen wird gearbeitet, manches ändert sich schon nächstes Jahr - anderes nicht. Eine Auswahl:

    Foto: Matthias Ahlke
  • 1. Nicht jedes Plastik ist recycelbar - oder wird recycelt.

    Es gibt viele unterschiedliche Plastiksorten, nicht aus allen wird wieder ein Nutzgegenstand. Benjamin Bongardt vom Nabu nennt das Beispiel PET: Flaschen aus Polyethylenterephthalat können wieder Flaschen werden, PET-Schalen als Verpackung für Obst werden dagegen nicht recycelt. Auch Folien seien schwierig, vor allem kleinere: Dafür gebe es bisher wenige Anlagen, erklärt Bongardt. Und: Verbrennen sei billiger als wiederverwerten, sagt Stephan Eing. Er recycelt daher so viel, wie derzeit vorgeschrieben: 36 Prozent. Vom gesamten Plastikmüll werden laut Ministerium rund 45 Prozent „stofflich wiederverwertet“, also nicht verbrannt. Das neue Verpackungsgesetz erhöht ab 2019 die Quoten, 2022 sind 63 Prozent vorgesehen.

    Foto: colourbox.de
  • 2. Manchmal geht Design vor Umwelt.

    Eine Waschmittelflasche wird schwarz gefärbt, eine Shampoo-Flasche ist komplett von einer dünnen bedruckten Folie umschlossen. Das mag gut aussehen - erschwert oder verhindert aber oft das Recycling, weil die Maschinen das Material nicht erkennen und sortieren können. Ab 2019 müssen deswegen die Dualen Systeme von den Herstellern für schlecht recycelbare Verpackungen mehr Lizenzgebühren verlangen als für andere. Manche Hersteller wollen auch keine Recyclate, also wiederverwertetes Plastik, einsetzen, weil es zum Beispiel grau ist statt strahlend weiß.

    Foto: colourbox.de
  • 3. Nicht das ganze Plastik landet im Recycling-System.

    Viele wissen gar nicht, dass sie in die gelbe Tonne oder den gelben Sack nur Verpackungen werfen dürfen. Also zum Beispiel keine Strohhalme, aber die Folie um die Halme schon. Immerhin ist der Anteil hoch: „40 Prozent aller Kunststoffe gehen in die Verpackung“, sagt Bongardt, „und Verpackungen werden sofort zu Müll.“ Darum steht Verpackungsmüll oft so im Fokus. Der Rest allerdings landet im Restmüll, der nur vereinzelt noch mal sortiert wird, die Regel ist Verbrennung. Eine orangene Wertstofftonne, in die jedes Plastik (und Metall) hinein darf, erhöht den Anteil. Es gibt sie aber nur, wo sich Kommunen und Duale Systeme darauf verständigen. Ein neuer Anlauf, eine solche Wertstofftonne flächendeckend einzuführen, ist nicht geplant.

    Foto: Patrick Pleul
  • 4. Irgendwann ist Schluss mit Recycling.

    Bei manchen Kunststoffarten, insbesondere bei PET-Flaschen, ist ein geschlossener Kreislauf möglich, aber die Regel ist das nicht. Recycling ist oft „Downcycling“: Aus PET-Einwegflaschen wird dann zum Beispiel doch keine neue Flasche, sondern Fasern für die Textilindustrie, die nicht erneut wiederverwertet werden können. Die Plastiksorten PE und PP, also die mehrheitlich eingesetzten Polyolefine, verlieren bei jeder Behandlung an Qualität, erklärt Rolf Buschmann von der Umwelt-Organisation BUND.

    Foto: Jens Kalaene
  • 5. Das System hat Schwächen.

    Die verschiedenen Verpackungsmüll-Entsorger - die Dualen Systeme - stehen in Konkurrenz zueinander. Immer wieder gibt es Klagen über „schwarze Schafe“, die rechtliche Schlupflöcher nutzen und Billig-Angebote auf Kosten der anderen machen, sowie Unstimmigkeiten bei den gemeldeten Abfall-Zahlen. Für Streit sorgt unter anderem Verpackungsmüll etwa aus dem Online-Versandhandel, für den niemand Lizenzgebühren gezahlt hat. Hier soll die Zentrale Stelle, eine neue Behörde, ab 2019 für mehr Transparenz sorgen.

    Foto: Patrick Pleul

Zum Nulltarif kommt die Wertstofftonne nicht: Pro Einwohner und Jahr rechnen die AWM mit einer Gebührenerhöhung zwischen 2,50 und drei Euro. Eine vierköpfige Familie würde also mit bis zu zwölf Euro zusätzlich belastet. Von einer „überschaubaren Gebührenanpassung“ spricht in diesem Zusammenhang SPD-Ratsherr Ludger Steinmann, der dem AWM-Betriebsausschuss leitet. Er sieht in der Tonne ein Erfolgsmodell.

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