Siedlung Lütkenbeck: Bewertung der Verkehrssituation sehr unterschiedlich
Mehr Auto oder mehr Fahrrad?

Münster -

Rund 200 Interessierte, zumeist Anwohner der Siedlung Lütkenbeck, besuchten eine Bürgeranhörung zur Verkehrssituation im Quartier. Kontroversen blieben dabei nicht aus.

Dienstag, 17.09.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 17.09.2019, 19:04 Uhr
Die Fahrradstraße Lütkenbecker Weg
Die Fahrradstraße Lütkenbecker Weg Foto: Oliver Werner

Gleich zu Beginn der Veranstaltung stellte Gerhard Rüller vom Amt für Mobilität und Tiefbau die ganz allgemeine Frage: „Was wünschen Sie sich denn?“ Eine Frau rief in dem Raum: „Fahrrad fahren.“ Ein Mann rief in den Raum: „Auto fahren.“

Zwischen diesen beiden Polen pendelte am Montagabend für geschlagene zwei Stunden eine Bürgeranhörung, an der rund 200 Anwohner aus der Siedlung Lütkenbeck am Gasometer teilnahmen. Der Unmut im Quartier ist groß, aber im Spannungsfeld zwischen Verkehrsberuhigung und Erreichbarkeit war keine klare Tendenz erkennbar.

350 Unterschriften gesammelt

Das wurde zum Beispiel deutlich, als eine Frau darauf hinwies, man habe bereits 350 Unterschriften gegen eine – mögliche – Sperrung der Achse Lütkenbecker Weg/Lindberghweg gesammelt. Prompt meldete sich eine andere Frau und beklagte, dass die Unterschriften teilweise mit falschen Angaben eingeworben seien. Ein Lütkenbecker brachte es so auf den Punkt: „Ja, wir haben eine Lagerbildung in unserem Quartier.“

Die Radfahrerachse Lütkenbecker Weg/Lindberghweg ist zugleich die wichtigste Erschließungsachse für die Siedlung Lütkenbeck. Wie man mit der Situation umgehen soll, wird bei Anwohnern kontrovers diskutiert.

Die Radfahrerachse Lütkenbecker Weg/Lindberghweg ist zugleich die wichtigste Erschließungsachse für die Siedlung Lütkenbeck. Wie man mit der Situation umgehen soll, wird bei Anwohnern kontrovers diskutiert. Foto: Christ/Werner

Die Bürgerversammlung in den Räumen der Feuerwehrschule an der Wolbecker Straße wurde ins Leben gerufen, weil es auf der Achse eine gravierende Veränderung gegeben hat: Die Straße ist jetzt eine Fahrradstraße und soll dereinst auch in das Konzept der Velorouten eingebunden werden, um die Innenstadt mit dem Stadtrand zu verbinden.

Als Schleichweg beliebter

Mit der Umstellung verschwanden einige Bodenschwellen, was aber die negative Begleiterscheinung zeitige, dass die Achse als Schleichweg an Beliebtheit gewonnen habe. Mehr Autofahrer mit mehr Tempo sind unterwegs, im Durchschnitt mit 48 Stundenkilometern, wie die Stadtverwaltung ermittelt hat. Nur 30 sind erlaubt. Einige Anwohner forderten, die Fahrradstraßenregelung wieder abzuschaffen, was vom Bezirksbürgermeister für Münster-Südost, Rolf Schönlau, kategorisch abgelehnt wurde. Das Velorouten-Konzept basiere auf einem Ratsbeschluss. Unter Verzicht auf eine Fahrradstraße im Bereich Lütkenbeck funktioniere das Konzept nicht. Dies um so mehr, als die Stadt Münster, so Verkehrsplaner Philipp Oeinck, noch viel mehr Radverkehr auf die Achse Lütkenbecker Weg/Lindberghweg schicken wolle.

Streitthema Schwellen

Gleichwohl wurde kontrovers über das Thema Schwellen auf der Fahrbahn diskutiert. Die Stadtverwaltung hält sie für unvereinbar mit der Ausweisung einer Fahrradstraße, viele Anwohner indes forderten sie vehement.

Die Anwohnerversammlung war bewusst als eine ergebnisoffene Veranstaltung angelegt. Die vielen Anregungen aus der Anwohnerschaft sollen jetzt näher analysiert werden.

Kommentar: Es gibt nicht nur eine Sicht der Dinge

Kein Zweifel, die Interessen eines alten Ehepaares, bei dem zwei Mal am Tag der Pflegedienst mit dem Auto vorfährt, sind andere als die des benachbarten Ehepaares, deren Kinder auf der Straße direkt vor der Haustür das Fahrradfahren mühsam einüben. Und der Berufspendler, der mit dem Auto ganz schnell zur Umgehungsstraße möchte, denkt anders als der Radfahrer, der möglichst ungestört vom Autoverkehr in die City fahren will. Die Bürgerversammlung der Anwohner in der Siedlung Lütkenbeck am Montagabend hat genau diese Spannung zwischen automobiler Erreichbarkeit auf der einen Seite und dem Bedürfnis nach einer möglichst geringen Beeinträchtigung durch Verkehr auf der anderen Seite dokumentiert. Die Antwort auf die unbestreitbar bestehenden Probleme ist ebenso klar wie unbefriedigend: Es gibt keine für alle Seiten befriedigende Lösung. Markierungen, Poller, Schwellen, Verkehrsschilder oder auch eine polizeiliche Dauerpräsenz können kein Quartier befriedigen, wenn die Verkehrsteilnehmer – ob nun Autofahrer oder Radler – nicht bereit sind, diesen Frieden zu wahren. Denn die meisten Menschen sind beides: Anwohner und Verkehrsteilnehmer. (Klaus Baumeister)

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