Über 20.000 Teilnehmer beim Klimastreik
Münsters Klimabewegung stößt in neue Dimensionen vor

Münster -

Hut ab: Über 20.000 haben in Münster am Freitag für eine gerechtere Klimapolitik demonstriert. Damit gingen doppelt so viele Menschen auf die Straße erwartet. Und diesmal hatten nicht nur die jungen, sondern auch die älteren Klima-Aktivisten schlagfertige Forderungen parat. [Mit Videos]

Freitag, 20.09.2019, 20:30 Uhr aktualisiert: 20.09.2019, 20:44 Uhr
Als Antwort auf die anhaltende Kritik, die Schüler gehörten freitags nicht auf die Straße zum Demonstrieren, sondern auf die Schulbank, und als Aufruf an die Politik hat ein junger Demonstrant seine Rechtfertigung für den Klimastreik auf ein Schild geschrieben.
Als Antwort auf die anhaltende Kritik, die Schüler gehörten freitags nicht auf die Straße zum Demonstrieren, sondern auf die Schulbank, und als Aufruf an die Politik hat ein junger Demonstrant seine Rechtfertigung für den Klimastreik auf ein Schild geschrieben. Foto: Oliver Werner

Es bleibt noch über eine Stunde Zeit, bis sich die Demonstranten um 10 Uhr zum Klimastreik auf dem Prinzipalmarkt treffen, und doch merkt man anhand der vielen Menschen, die sich mit Plakaten aus ihren Vierteln auf den Weg Richtung Innenstadt machen, dass sich an diesem Tag etwas Großes in Münster zusammenbraut.

Wenig später steht fest: Es ist nicht groß, es ist riesig. Über 20 000 Menschen drängen auf den Prinzipalmarkt. Doch dort ist nicht genug Platz für alle. Die Massen reichen bis auf die Rothenburg und Ludgeristraße, in der anderen Richtung bis auf die Salzstraße. „Uns geht es um unsere Zukunft – um nichts weniger“, eröffnet Nando Spicker , Sprecher von „ Fridays for Future “, die halbstündige Kundgebung, dann setzt sich der etwa zwei Kilometer lange Demonstrationszug in Bewegung.

„Kohle ist so 1850“

Auf dem Weg vom Prinzipalmarkt über die Salzstraße, die Wolbecker Straße, den Hansaring zurück in die gute Stube der Stadt wird eines ganz deutlich: An Kreativität mangelt es den Teilnehmern nicht. „Opa, was ist ein Eisbär“ steht auf einem Schild, „Kurzstreckenflüge nur für Insekten“ auf einem anderen. Unter den Kostümierten stechen zwei Gruppen heraus: Mitarbeiter des Stadttheaters sind in weiße Anzüge gehüllt, die von Rankpflanzen umschlungen werden. Eine vierköpfige Gruppe um Marina Weisband, ehemaliges Bundesvorstandsmitglied der Piratenpartei, kommt in historischen Gewändern. Dazu ein Plakat mit der Aufschrift: „Kohle ist so 1850“.

„Fridays for Future“: Eindrücke von der Groß-Demo für das Klima

Musikalische Unterstützung bekommt die „Singing for Future“-Gruppe, als die Demonstration am Hansaring auf die „Parking Day“-Aktion trifft , die den Zug mit zahlreichen Darbietungen begleitet.

Erhebliche Verkehrsbeeinträchtigungen in der Innenstadt

Doch nicht überall herrscht gute Laune. Während des Aufzuges kommt es in der Innenstadt zu erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen. In manchen Gesichtern von Fahrgästen, die am Hauptbahnhof darauf warten, dass die Busse wieder fahren, spiegelt sich Frust wider. Einige Autofahrer warten über 30 Minuten im Stau. So auch Getränkelieferant Jasper Biesel, der auf der Bahnhofstraße feststeckt. „Fürs Klima warte ich gerne – und bezahlt werde ich auch“, sagt er, während der Pulk an ihm vorbeizieht.

Große Klimademo am 20. September 2019

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  • Am Freitagmorgen sind tausende Demonstranten auf dem Prinzipalmarkt in Münster zusammenkommen.

    Foto: Oliver Werner
  • Sie protestieren gegen die aktuelle Klimapolitik und fordern...

    Foto: Oliver Werner
  • ...mehr Einsatz für den Klimaschutz.

    Foto: Oliver Werner
  • Der Klimastreik am Prinzipalmarkt mal aus einer anderen Perspektive.

    Foto: (c) H&G Luftaufnahmen
  • Nach der Auftaktkundgebung zogen die Demonstranten etwa zwei Stunden lang durch Münster.

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  • Polizei und Organisatoren zählten mehr als 20.000 Teilnehmer.

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  • Mit teils sehr kreativen Plakaten machten die Demonstranten auf ihr Anliegen aufmerksam.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Auch die noch relativ neue Gruppe "Christians For Future" war mit dabei.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Das Spektrum der Demonstranten war breit.

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  • Gegen 10.30 Uhr setzte sich der Demonstrationszug in Gang.

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  • Dieses fünf Meter breite Nadelöhr an der Salzstraße zwischen der Dominikanerkirche und der Außengastronomie vor dem Karstadt mussten Tausende Demonstranten passieren. Da zur Zeit Bauarbeiten an der Kirche stattfinden, wurde es noch enger als ohnehin schon.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Im Bereich um den Bahnhof kam der Verkehr zum Erliegen. 

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  • Auch Busse konnten den Hauptbahnhof nicht mehr erreichen.

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  • Kreativer Protest: Eine vierköpfige Gruppe demonstriert in historischen Kostümen mit einem Schild auf dem steht: „Kohle ist so 1850“. Mit dabei: Marina Weisband (2.v.r.), ehemaliges Bundesvorstandsmitglied und politische Geschäftsführerin der Piratenpartei.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Über etwa zwei Kilometer zog sich der Demonstrationszug durch die Stadt.

    Foto: Chiara Pas
  • Diese Gruppe hat Quallen aus Plastikmüll gebastelt.

    Foto: Chiara Pas
  • Die Demonstrierenden auf dem Weg durch den Kreisverkehr.

    Foto: (c) H&G Luftaufnahmen
  • Am Hansaring, wo parallel der "Parking Day" stattfand, bekamen die Demonstranten musikalische Unterstützung vom Straßenrand.

    Foto: Chiara Pas
  • Vor der Bahnunterführung an der Hafenstraße knubbelt es sich.

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  • Etwa eine halbe Stunde lang wurde am Mittag auch der Ludgerikreisel für die Demo gesperrt.

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  • Gegen 13 Uhr erreichte der Demonstrationszug wieder den Prinzipalmarkt.

    Foto: Chiara Pas
  • Dort fand noch die Abschlusskundgebung mit musikalischer Begleitung u.a. von der Band "von Welt" statt.

    Foto: Chiara Pas
  • Foto: Pjer Biederstädt
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  • Sehen Sie im Folgenden weitere Bilder der Klimademo in Münster.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Oliver Werner
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  • Foto: (c) H&G Luftaufnahmen
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  • Foto: (c) H&G Luftaufnahmen
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Der ist in puncto Alter deutlich durchmischter als bei den Klimademos zuvor. Diesmal sind mehr Erwachsene dem Aufruf gefolgt. Zu den Älteren gehört Helmut Winkelmann. „Die Daten zeigen, dass die Erde in einem schlechten Zustand ist“, sagt der 78-Jährige. Er findet es vollkommen in Ordnung, dass die Schüler demonstrieren, statt zur Schule zu gehen.

„Als ich 1968 in Berlin gegen den Muff unter den Talaren demonstriert habe, da hab ich auch nicht auf der Schulbank gesessen.“ Lehrerin Ilka Pelke sieht das ähnlich. Sie ist mit der fünften Klasse der Primusschule dabei. Im Unterricht behandelt die Klasse gerade die Themen Nachhaltigkeit und Klimawandel, „ein Thema, das alle angeht“, so die 45-Jährige.

 

Klimastreik in Münster - Luftaufnahmen

 

Kommentar

Klimastreik: Taten müssen folgen

Münsters Klimabewegung ist in neue Dimensionen vorgestoßen. 10.000 Teilnehmer hatten die Veranstalter von „Fridays for Future“ angemeldet, am Ende kamen mehr als doppelt so viele. Es ist die größte Demonstration der jüngeren Stadtgeschichte und ein weit über die Stadtgrenzen hinaus wahrnehmbares Zeichen dafür, dass den Münsteranern der Klimawandel nicht gleichgültig ist.

Dieses Signal ist deshalb besonders stark, weil nicht mehr nur die zu lange belächelten Schüler und Studenten auf die Straße gegangen sind, sondern vermehrt Erwachsene. Die Teilnahme von Kirchen, Gewerkschaften und vielen anderen Organisationen stellt die Forderung nach wirksamer Klimapolitik auf den festen Untergrund der Stadtgesellschaft.

Friedliche Demonstranten, besonnene Polizeiarbeit und geduldige Verkehrsteilnehmer haben eine gute Sache noch besser gemacht. Jetzt gilt es für jeden Einzelnen mehr denn je, nach dem Zeichensetzen auch Taten folgen zu lassen. In der Sonne zu demonstrieren ist leicht, das Auto mal stehen zu lassen, viel schwerer. (Pjer Biederstädt)

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