„Fridays-for-Future“-Demo
Klassenausflug zum Klimastreik ist nur die Ausnahme

Münster -

20.000 bei der „Fridays-for-Future“-Demo: Statistisch war damit am Freitag jeder zweite Jugendliche, der in Münster ein weiterführende Schule besucht, beim Klimastreik auf der Straße. Die Besetzung in den Klassenzimmern müsste überschaubar gewesen sein – theoretisch zumindest. Wie gingen die Schulen in Münster mit dem Thema um? Ein Lagebericht.

Samstag, 21.09.2019, 10:00 Uhr aktualisiert: 21.09.2019, 10:04 Uhr
Besonders die Schülerinnen und Schüler kamen am Freitag mit zahlreichen kreativen, selbst gemalten Transparenten zum Klimastreik auf den Prinzipalmarkt.
Besonders die Schülerinnen und Schüler kamen am Freitag mit zahlreichen kreativen, selbst gemalten Transparenten zum Klimastreik auf den Prinzipalmarkt. Foto: Oliver Werner

Ein Tag Schule schwänzen kostet in Münster 25 Euro Bußgeld – eigentlich. Hochgerechnet auf die Beteiligung am Klimastreik müsste es nun eigentlich in der Stadtkasse vernehmlich klingeln, denn vom Schulministerium kam die Direktive, auf die Schulpflicht zu pochen.

Dass Eltern streikender Schüler sich auf Bußgeld-Bescheide gefasst machen müssen, ist indes keine ausgemachte Sache. Denn viele Schulen suchten nach Wegen, Schülern die Teilnahme an den Protesten zu ermöglichen und dennoch der Vorgabe aus Düsseldorf nicht zuwiderzuhandeln.

Eltern beurlauben Kinder für die Demo

Blick auf den Schulhof der Gesamtschule Mitte: Der war am Freitagvormittag ziemlich leer. „Etwa zwei Drittel unserer 850 Schülerinnen und Schüler sind beim Klimastreik“, sagt Schulleiterin Kati Kösters . Das Bedürfnis teilzunehmen, sei sehr groß gewesen. Man habe sich darauf verständigt, dass Eltern ihr Kind für die Demo beurlaubten. „Wir haben auch überlegt, die Demo als Schulveranstaltung zu nutzen“, so Kösters. Dies sei aber wegen der Aufsichtspflicht schwierig gewesen.

„Fridays for Future“: Eindrücke von der Groß-Demo für das Klima

Klassenausflüge zum Klimastreik gab es hingegen am Ratsgymnasium. Da wo sich im Unterricht, etwa in Erdkunde oder Politik, ein thematischer Bezug findet, und das Fach am Freitag auf dem Stundenplan war, war dies möglich, erläutert Schulleiter Hendrik Snethkamp. Sechs Klassen und ein Oberstufenkurs machten am „Rats“ davon Gebrauch, die betreffende Doppelstunde bei der Demo zu verbringen.

Thema Klimaschutz ist virulent

An der Erich-Klausener-Realschule war es Schulleiterin Claudia Schöppner , die bereits am Montag auf die Demo per Lautsprecher-Durchsage hinwies – und die Möglichkeit, dass Eltern die Beurlaubung beantragen konnten. 30 bis 40 Jugendliche, so Schöpp­ner, hätten dies genutzt. „So sind wir schon bisher mit dem Thema verfahren“, ergänzt sie.

Einzelne Beurlaubungsanträge von Eltern gab es an anderen Gymnasien. Am Pascal- und Schillergymnasium hieß es, nur vereinzelte Schüler hätten den Unterricht versäumt. Am Hittorf-Gymnasium habe der Unterricht komplett stattgefunden. Am Annette-Gymnasium gab es zu dem Thema keine Stellungnahme.

„Fridays for Future“: Großdemo auf dem Prinzipalmarkt

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  • Siebte Großdemo der Bewegung „Fridays for Future“ in Münster: 2500 Menschen sind auf die Straße gegangen, um für eine konsequentere Klimapolitik zu demonstrieren.

    Foto: Anna Spliethoff
  • Mit bunten Plakaten und lauten Parolen zogen die Menschen durch die Straßen.

    Foto: Anna Spliethoff
  • Zuvor hatte es auf dem Prinzipalmarkt eine Kundgebung gegeben. Von dort aus ging es durch die Stadt, um nach Angaben der Veranstalter möglichst viele Menschen zu erreichen.

    Foto: Anna Spliethoff
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  • Foto: Anna Spliethoff
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
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  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke

Dr. Tobias Franke, Schulleiter des Paulinum, verwies auf die Direktive des Ministeriums, wonach Demonstranten den Unterricht unentschuldigt versäumen. Das Thema Klimaschutz sei aber sehr virulent, sagt er. Im November ist das Paulinum Gastgeber einer Klimakonferenz der münsterischen Schulen. Franke: „Dann geht es darum, was wir an den Schulen konkret tun können, um das Klima zu schützen“.  

Kommentar

Die Praxis der Schulen und der Klimaprotest: Verantwortungsbewusst und kreativ

Theorie und Praxis passen bekanntlich oft nicht zusammen. Der Umgang der Schulen mit den mittlerweile schon fast zur Tradition gewordenen Protesten von „Fridays for Future“ zeigen, dass hier ein ordnungsrechtliches Durchgreifen gegen Schulschwänzer im streng rechtlichen Sinn ebenso wenig hilfreich ist wie ein kollektives Unterrichtsfrei.

Das Schulministerium hat schon vor Monaten deutlich gemacht, dass Schüler, die an den Freitagsdemonstrationen teilnehmen, unentschuldigt den Unterricht versäumen. Die Schulen beweisen nun im Umgang mit dieser Ansage das nötige Verantwortungsbewusstsein und gebotene Kreativität. Auch jene, die auf Anfrage der Redaktion am Freitag ankündigten, mit dem Unterrichtsversäumnis wegen Klimastreiks genauso umzugehen wie vom Ministerium verlangt, betonten, dass am gestrigen Freitag keine Klassenarbeiten geschrieben wurden. Und dort, wo Beurlaubungen von Eltern wegen der Demonstration als Entschuldigung akzeptiert werden, gilt gleichwohl die Direktive, dass der versäumte Stoff nachgeholt werden muss.Jugendliche Klimaaktivisten, die sich von einem unnachgiebigen Kurs ihrer jeweiligen Schulleitung nicht beeindrucken lassen, haben neben der Erfahrung, in der Öffentlichkeit Protest auszudrücken, noch eine Extra-Lektion gelernt – nämlich, dass ziviler Ungehorsam auch in einer gefestigten pluralistischen Demokratie nicht ganz ohne Risiko zu haben ist.

Die gewaltige Beteiligung junger Menschen am aktuellen „Friday for Future“ zeigt: Die Bewegung ist eben keine Laune, die schnell wieder vergeht. Und: Die Schule wird damit zentraler Ort politischer Auseinandersetzung. Es ist gut zu sehen, dass viele Schulen in Münster sich aktiv dieser Rolle stellen und das Thema Klimaschutz abseits vom Freitags-Protest zum Thema ihrer inhaltlichen pädagogischen Arbeit machen. Spannende Zeiten. 

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