Aktionstag zur Woche der Wiederbelebung
„Leben retten kostet nichts, außer Mut zu handeln“

Münster -

Otto Kerkhoff trifft es wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Der 66-jährige Rentner sitzt in einem Hörsaal der Uni beim „Studium im Alter“, als er plötzlich bewusstlos zusammensackt. Herzstillstand. Studenten eilen herbei, beginnen sofort mit der Herzdruckmassage und retten ihm so das Leben.

Samstag, 21.09.2019, 17:41 Uhr aktualisiert: 21.09.2019, 17:49 Uhr
Aktionstag zur Woche der Wiederbelebung: „Leben retten kostet nichts, außer Mut zu handeln“
Foto: Helmut Etzkorn

Heute ist Kerkhoff wieder „so fit wie früher“, sagt er am Samstagmorgen beim Aktionstag zur Woche der Wiederbelebung, veranstaltet vom Uniklinikum, auf dem Stubengassenplatz. „Ich hatte einen Filmriss, wurde vier Tage später im Krankenhaus wieder wach und verdanke mein Leben den jungen Leuten, die sofort und vor allem richtig gehandelt haben“, meint Kerkhoff.

Wie wichtig die Laienreanimation ist, verdeutlicht Prof. Hugo Van Aken, Ärztlicher Direktor der Unikliniken. „Man kann nichts falsch machen und Leben retten kostet nichts, außer Mut zu handeln“, sagt der Kliniken-Vorstandsvorsitzende.

2012 hatte er die Idee, die Woche der Wiederbelebung in Münster zu etablieren. 2013 versammelte Van Aken 12.000 Schüler zum Reanimationstraining auf dem Domplatz, seit dieser Zeit gilt Münster als Weltrekord-Stadt, wenn es um das Thema Laienreanimation bei plötzlichem Herzstillstand geht. „Fast jeder zweite Patient kann in Münster gerettet werden und 80 Prozent sind nach einem Jahr wieder völlig gesund“, so Van Aken. Und wenn bundesweit mehr Menschen den Mut hätten, im wahrsten Sinne des Wortes im Ernstfall beherzt aktiv zu werden, würden 10.000 Leben mehr gerettet werden können.

„Es ist relativ leicht, etwas zu tun“

Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Sabine Weiss, lobt vor dem roten Pavillon in der Fußgängerzone Münster als „Keimzelle der Laienreanimation“. „Es ist relativ leicht, etwas zu tun. Wichtig ist, die Bevölkerung über die Leben rettenden Maßnahmen aufzuklären“, sagt sie. Auch deshalb geht die Uniklinik am Samstag ganz bewusst ins Zentrum der Stadt und jeder kann an speziellen Puppen einmal ausprobieren, wie simpel im Prinzip die Herzdruckmassage ist.

Die öffentlichkeitswirksame Aktion steht unter dem Motto „Prüfen. Rufen, Drücken.“ Ist der Betroffene nicht ansprechbar und zeigt keine normale Atmung mehr, sollte sofort der Notruf 112 gewählt werden. Danach muss sofort mit der Wiederbelebung, 100 Drücker auf das Brustbein pro Minute, begonnen werden. Erst wenn Rettungsdienstpersonal eintrifft, darf die Massage an die Experten übergeben werden.

Auch der Oberbürgermeister macht mit

Oberbürgermeister Markus Lewe macht auch mit. Sein Appell: „Viele Begegnungen mit Betroffenen haben mich darin bestätigt, den Mut zu haben, sofort zu handeln. Die Aktion zur Wiederbelebung muss zur Massenbewegung werden, wir werden die Kooperation mit der Uni ausbauen.“ Beim „Drücken vor Publikum“ wird er unterstützt von den Landtagsabgeordneten Dr. Stefan Nacke und Simone Wendland, auch die Bundestagsabgeordnete Sybille Benning und mit ihr viele Passanten beteiligen sich am lebensrettenden Training für den Ernstfall.

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