Einkaufszentrum am Hafen
Max Stroetmann: „Wir fühlen uns ausgepresst wie eine Zitrone“

Münster -

Neuer Name, alte Probleme: Das Unternehmen Stroetmann nennt sein Projekt nach Änderungen an der Planung nun Hafen-Markt. Mehr Grün und weniger ebenerdige Stellplätze sind Angebote an die Politik. Für die Firma ist es der letzte Versuch.

Mittwoch, 25.09.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 25.09.2019, 19:57 Uhr
Die Unternehmer Max (l.) und Lutz Stroetmann stellen am Mittwoch ihre veränderten Planungen am Hafen vor: Dazu gehören Bäume und weniger Stellflächen auf dem Parkplatz sowie ein kleiner Park am Hafenweg (links auf der Karte zu sehen). Die Dächer werden begrünt. Im Hintergrund zieht ein Discounter ein, oben Praxen und Büros.
Die Unternehmer Max (l.) und Lutz Stroetmann stellen am Mittwoch ihre veränderten Planungen am Hafen vor: Dazu gehören Bäume und weniger Stellflächen auf dem Parkplatz sowie ein kleiner Park am Hafenweg (links auf der Karte zu sehen). Die Dächer werden begrünt. Im Hintergrund zieht ein Discounter ein, oben Praxen und Büros. Foto: Matthias Ahlke

Das „Hafencenter“ ist Geschichte, jetzt sollen die seit 18 Jahren währenden Planungen für ein Stadtbereichszentrum am Hansaring im „Hafen-Markt“ münden. „Die Vielzahl der Änderungen hat uns bewogen, dem Projekt einen neuen Namen zu geben“, erläutert der Unternehmer Max Stroetmann am Mittwoch in dem schmucklosen Baucontainer mit Ausblick auf die nach einem Gerichtsbeschluss seit Februar stillgelegte Baustelle.

Weniger Einzelhandelsfläche

Gemeinsam mit seinem Bruder stellt er die mit Stadt und den Fraktionsspitzen von CDU und Grünen besprochenen Änderungen an dem im Hansaviertel umstrittenen Projekt vor. Die zielen im Kern auf weniger Einzelhandelsfläche und ebenerdige Parkplätze sowie mehr Grün und Abstellmöglichkeiten für Räder. „Das ist unser letzter, allerletzter Lösungsvorschlag“, sagt Lutz Stroetmann in der Hoffnung, „einen überparteilichen Konsens zu finden“ als Grundlage für ein neues Bebauungsplanverfahren.

Im Jahr 2001 hatte das Unternehmen L. Stroetmann das alte Postgrundstück gekauft. Seitdem sei die dort geplante Verkaufsfläche „in mehreren Schritten zusammengeschmolzen wie Schnee in der Sonne“ – von anfangs 8000 auf zuletzt 4450 Quadratmeter. „Wir fühlen uns ausgepresst wie eine Zitrone“, sagt Max Stroetmann.

Brüder wollen nicht hinschmeißen

Doch hinschmeißen wollen die Brüder nicht. Schließlich fühlen sie sich dem Hafenviertel verbunden. „Bis 1966 war der Hafen unsere geschäftliche Heimat“, erinnert Lutz Stroetmann daran, dass die Familie 1901 zu den ersten Firmen gehörte, die sich im neu gebauten Stadthafen niedergelassen hatten.

  Foto: L. Stroetmann

„Wir wollen dieses Projekt weiter bauen“, betont sein Bruder. Einen „höheren zweistelligen Millionen-Betrag“ habe man bislang investiert – „die größte Investitionsmaßnahme unserer Firmengeschichte“ sei das Projekt. Jetzt schaffe man noch eine 750 Quadratmeter große Grünfläche auf dem Gelände an der Grenze zum Hafenweg. „Die hat es dort nie gegeben“, stellt Max Stroetmann fest.

Ringen um Mehrheit

Aktuell zeichnet sich im Rat noch keine politische Mehrheit auf Grundlage der jetzt getroffenen Änderungen an den Hafencenter-Plänen ab, um ein neues Bebauungsplanverfahren einzuleiten. Lediglich CDU und FDP haben dazu öffentlich ihre Bereitschaft erklärt. Die Grünen sind in der Frage gespalten. Deren Ratsfraktion hatte wegen des gerichtlich vorgenommenen Baustopps eine „Neubewertung“ der Situationen im Hansaviertel vorgenommen. Zähneknirschend könnte man sich hier im Sinne der Entwicklung des Quartiers zu einer Zustimmung zu dem Kompromiss durchringen. Von der grünen Parteibasis kommt dagegen Kritik, weil die Grünen das Projekt als Ganzes stets abgelehnt hatten. Die SPD hält sich bedeckt. Dem Vernehmen nach gibt es Signale, die Einigung eventuell mitzutragen. Die SPD hatte damals mit Bauchschmerzen für das Projekt gestimmt.

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Dass die Arbeiten am Hansaring bis zum Richterspruch schon weit gekommen sind, liegt aus Sicht der Unternehmer auf der Hand: Nach 17 Jahren Planung habe man sich mit Volldampf in die Arbeiten gestürzt. – „auf der Grundlage eines Ratsbeschlusses, einer Bauvoranfrage sowie einer rechtskräftigen Baugenehmigung“. Der Rohbau sei bis Februar 2019 zu zwei Dritteln fertiggestellt, die Tiefgarage mit 350 Stellplätzen so gut wie fertig. „Wir lösen hier ein über 15 Jahre altes Problem und Versprechen der Stadt an die Anlieger im Quartier“, erinnert Stroetmann an das Scheitern früherer Pläne für ein Quartiersparkhaus.

Lärm und Verkehrsbelastung 

Beim hochsensiblen Thema Lärm und Verkehrsbelastung sieht das Unternehmen Antworten in weniger Verkaufsfläche und ebenerdigen Parkplätzen. Zugleich verweist Stroetmann auf die neue Verkehrsuntersuchung der Stadt, nachdem im ersten Anlauf die Schließung der Theodor-Scheiwe-Straße nicht berücksichtigt worden war. „Das Verkehrsaufkommen hat sich sogar leicht reduziert“, so Max Stroetmann.

Man habe mit allen Beteiligten „intensive Gespräche“ geführt. Jetzt hoffe man, „auf einer juristisch sicheren Basis den Hafen-Markt im privaten, aber auch im öffentlichen Interesse bald weiterbauen“ zu können.

Kommentar: Es geht nicht um Sieger

In der gesamten Republik dürfte eine solche Posse kaum zu finden sein – und sie ist ein Armutszeugnis für die Stadt: Mehr als 18 Jahre plant ein Privatunternehmen ein Einkaufszentrum, wohlgemerkt keine Chemiefabrik, sondern ein Geschäft für Lebensmittel. Nun ist Letzteres zwar wegen seiner Größe umstritten, findet aber gleichwohl eine politische Mehrheit – und es gibt zunächst rechtsverbindliche Genehmigungen. Weil die Stadtverwaltung aber im Verkehrsgutachten einen Fehler gemacht hat, wollen Teile der Grünen die Gelegenheit nutzen, das von ihrer Partei und Fraktion stets abgelehnte Projekt auszubremsen. All das im Sinne angeblicher Basisdemokratie und um Wählerstimmen nicht zu verlieren. Vertrauensschutz gilt dagegen wohl nur, wenn es den eigenen Interessen dienen könnte. Dieses Vorgehen schadet jedoch der Glaubwürdigkeit von Politik im Ganzen. Es geht zu diesem Zeitpunkt des Verfahrens doch nicht um politische Siege. Es geht darum, einem münsterischen Familienunternehmen in einer Situation zu helfen, für die es am wenigsten selbst verantwortlich ist. Und noch etwas: Neben den von Kritikern verteufelten Lebensmittelgeschäften entstehen auf über 8000 Quadratmetern Praxen, Büros, eine Großtagespflegestelle, Wohnungen und Gastronomie. Andernorts würde man sich über diese Aufwertung freuen. (Dirk Anger)

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