Verkehrsprobleme auf dem Lindberghweg
Schluss mit Schleichweg - SPD plädiert für Anliegerstraße

Münster -

Die Verkehrssituation auf der Fahrradstraße Lindberghweg ist kritisch. Viele Autofahrer nutzen die parallel zum Albersloher Weg verlaufende Straße als Schleichweg. Jetzt reagiert die SPD mit einem eigenen Vorschlag.

Dienstag, 01.10.2019, 08:30 Uhr aktualisiert: 01.10.2019, 10:17 Uhr
SPD-Politiker fordern Änderungen für den Lindberghweg (v.l.): Willi Landau, Sabine Metzler und Mathias Kersting.
Der Lindberghweg wird von vielen Autofahrern als Schleichweg genutzt, die auf Fahrradstraßen geltenden Regeln werden dabei teils missachtet. Foto: Oliver Werner

Die Pressekonferenz der SPD am Lind­bergh­weg dauerte an diesem Montagnachmittag nur rund 15 Minuten. In dieser Zeit passieren aber 30 bis 40 Autos die Stelle, teilweise recht zügig – und das, obwohl der Lindberghweg eine Fahrradstraße ist, und hier deswegen Tempo 30 gilt. „Das Thema brennt“, meinte der Gremmendorfer SPD-Ratsherr Mathias Kersting , als er einen Antrag vorstellte, der die Straße sicherer machen und die Anwohner beruhigen soll.

Größere und zusätzliche Schilder

Konkret drängt die SPD auf Sofortmaßnahmen. So sollen die Schilder, die auf die Fahrradstraße hinweisen, durch größere ersetzt und überdies um zusätzliche Tempo-30-Schilder ergänzt werden. Zwar ist es eigentlich gesetzlich so geregelt, dass auf Fahrradstraßen automatisch Tempo 30 gilt. „Das wissen viele Autofahrer aber nicht“, so Kersting.

Regeln auf Fahrradstraßen

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  • Was ist denn eine Fahrradstraße? Mit diesem Schild können viele Verkehrsteilnehmer wenig anfangen. 1997 wurden durch die sogenannte Fahrrad-Novelle der Straßenverkehrsordnung die Regeln für Fahrradstraßen festgelegt:

    Foto: dpa
  • Als Fahrradstraßen werden Straßen bezeichnet, die vorrangig für den Radverkehr vorgesehen sind.  Sie sollen Vorteile gegenüber dem Kfz-Verkehr schaffen und so auch zu mehr Sicherheit für Radfahrer führen.

    Foto: Jan Hullmann
  • In Deutschland ist die Nutzung einer solchen Fahrradstraße dem Radverkehr vorbehalten. Radfahrer dürfen hier auch nebeneinander fahren.

    Foto: Michael Grottendieck
  • Soll die Straße auch durch andere Fahrzeuge befahren werden, muss dies durch Zusatzzeichen ausgeschildert sein. So kann zum Beispiel der Autoverkehr für Anlieger oder nur in eine Richtung erlaubt sein.

    Foto: Jan Hullmann
  • Radfahrer haben auf einer Fahrradstraße Vorrang vor Autos und anderen Fahrzeugen, welche diese Straße benutzen. Doch dies bedeutet nicht, dass Fahrradfahrer auch an Kreuzungen Vorfahrt haben, hier gilt – sofern nichts anderes ausgeschildert wurde – „rechts vor links“.

    Foto: Jan Hullmann
  • Andere Kraftfahrer müssen sich auf der Fahrradstraße dem Radverkehr anpassen, sodass ein Behinderung oder Gefährdung der Radfahrer vermieden wird. Das gilt insbesondere auch für Überholvorgänge. Dabei muss ein ausreichender Seitenabstand - laut Rechtsprechung mindestens  1,5 Meter - eingehalten werden.

    Foto: Tobias Denne (Archiv)
  • Auf einer Fahrradstraße muss die Geschwindigkeit von Kraftfahrzeugen  immer angepasst sein. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit auf Fahrradstraßen beträgt darüber hinaus immer 30 km/h. Darauf weist auch dieses Schild am Lindberghweg in Münster hin.

    Foto: Stadt Münster (Archiv)
  • Zu den zwölf bestehenden Fahrradstraßen in Münster sollen noch zehn weitere hinzukommen.

    Foto: Martin Kalitschke, Grafik: Jürgen Christ

Darüber hinaus möchte die SPD, dass der Lind­bergh­weg als Anliegerstraße ausgewiesen wird. So könne man den Durchgangsverkehr raushalten, zugleich aber die Erreichbarkeit des Wohngebietes am Gasometer sichern, hieß es. Dialogdisplays, die die gefahrene Geschwindigkeit anzeigen, stehen ebenfalls auf der SPD-Antragsliste.

Beliebter Schleichweg

Die Situation auf dem Lindberghweg hat sich – Ironie der Geschichte – seit ihrer Ausweisung als Fahrradstraße verschärft, da einige Schwellen entfernt wurden. „Die Autos sind hier manchmal so schnell unterwegs, dass sich Anwohner nicht mehr auf die Straße trauen“, so Sabine Metzler, Vorsitzende der SPD in der Bezirksvertretung Südost.

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SPD-Politiker fordern Änderungen für den Lindberghweg (v.l.): Willi Landau, Sabine Metzler und Mathias Kersting. Foto: Klaus Baumeister

Die Achse Schillerstraße/Lütkenbecker Weg und Lindberghweg ist bei Autofahrern als Schleichweg sehr beliebt, weil sie eine Alternative zu dem sehr stauträchtigen Albersloher Weg bietet.

Erst jüngst hatten sich viele Anwohner auf einer Bürgerversammlung über die Situation beklagt. Zugleich wurde dabei auch deutlich, dass es nicht leicht ist, den Durchgangsverkehr aus dem Quartier herauszuhalten ohne auch die Erreichbarkeit zu beeinträchtigen.

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Lindberghweg und Lütkenbecker Straße sind eine Hauptroute für Radfahrer auf dem Weg von Gremmendorf in die Innenstadt. Foto: Christ/Werner

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