Fahnungsaufrufe in sozialen Netzwerken
Polizei warnt vor dem Teilen privater Vermisstenmeldungen

Münster -

Wer eine Vermisstenmeldung auf Facebook sieht, wird schnell dazu verleitet, sie zu teilen. Helfen erscheint so einfach, ist es doch nur einen Klick entfernt. Dabei birgt das Teilen privater Such-Beiträge in den sozialen Netzwerken Gefahren, warnt die Polizei. 

Dienstag, 01.10.2019, 17:34 Uhr aktualisiert: 01.10.2019, 17:50 Uhr
Fahnungsaufrufe in sozialen Netzwerken: Polizei warnt vor dem Teilen privater Vermisstenmeldungen
Wenn junge Menschen weglaufen und ihre Angehörigen verzweifelt mit Fotos nach ihnen in sozialen Netzwerken "fahnden", dann kann das Folgen für ihre Zukunft haben. Denn: Die Bilder sind durch das vielfache Teilen auch später noch für andere auffindbar, zum Beispiel für potentielle Arbeitgeber. Foto: Colourbox

Kürzlich erreichte die Redaktion der Anruf eines Polizisten. Sie würde in einem Online-Bericht mit einem Foto von einem in der Stadt verteilten Flugblatt mit einer Vermissten-Meldung eine falsche Telefonnummer der Polizei verbreiten. Die Urheber des Flugblattes, Angehörige einer vermissten Frau, hatten die direkte Durchwahl des Polizeibeamten angegeben, dieser befand sich jedoch im Urlaub. 

Ohne den Anruf des Polizisten und eine Korrektur in der Berichterstattung wären mögliche Hinweise aus der Bevölkerung vermutlich ins Leere gelaufen. In diesem Fall ging es noch mal gut, doch wie intensiv lassen sich private Aufrufe, die in den sozialen Netzwerken zigfach geteilt und weitergeleitet werden, kontrollieren, nachverfolgen, korrigieren oder löschen? Gar nicht. Und das ist ein Problem.  

Polizei kann Hinweisen nicht nachgehen

"Anders als auf unseren eigenen Kanälen können wir das als Polizei nicht verfolgen und begleiten", sagt eine Sprecherin der Polizei Münster. Mit anderen Worten: Möglichen Hinweisen kann nicht nachgegangen werden. "Das ist nicht leistbar." Gut gemeint, ist somit nicht gut gemacht.

Wenn die Polizei eine Fahndung auf Facebook postet, dann verlinkt sie die eigene Webseite, wo sich Fotos der vermissten Person und weitere Informationen befinden, so die Sprecherin weiter. Durch die Nutzung eigener Kanäle wahrt die Polizei die Rechte am Bild des Vermissten und geht nach der Fahndung sicher, alles wieder löschen zu können. Wer jedoch eine Vermisstenmeldung direkt auf Facebook samt Bild hochlädt, gibt die Bildrechte an den Plattformbetreiber ab. "Die Bilder sind dann nicht mehr aus dem Netz zu bekommen", warnt die Polizei-Sprecherin. 

Das Internet vergisst nicht

Ob das so von der vermissten Person gewünscht ist? Darüber sollten sich Nutzer Gedanken machen, bevor sie etwas weiterleiten. Denn die Such-Posts sind teilweise auch Jahre später noch im Netz auffindbar. "So sieht sich ein junger Mensch, der vielleicht mal ausgebüxt ist und von seinen besorgten Angehörigen verzweifelt privat im Internet gesucht wird, stets mit seiner pubertären Vergangenheit konfrontiert", gibt die Polizei Viersen in einem Facebook-Post zu bedenken. 

Das kann sogar rechtliche Folgen für Nutzer haben, die nur helfen wollten und beispielsweise den privaten Post einer ihr unbekannten Person geteilt haben. "Vielleicht fallen Sie auf einen Fake hinein und verbreiten Daten eines Menschen, der gar nicht vermisst wird oder von dem es kein Einverständnis für die Veröffentlichung seines Fotos gibt", warnt die Polizei Viersen weiter. Solch ein Vorgehen kann sogar teuer werden, wenn der angeblich Vermisste später wegen Regressforderungen vor Gericht zieht. 

Wirklich aktuell und echt?

Auch gebe es bei der Aktualität einer privaten Suche Fragezeichen: Wer den Aufruf nicht direkt von der Ursprungsseite aus geteilt und diese auch abonniert hat, wird nicht erfahren, ob der Gesuchte aktuell überhaupt noch vermisst wird. "Auf Ihrer Seite bleiben die persönlichen Daten des gar nicht mehr vermissten Menschen stehen, obwohl sie natürlich gelöscht werden müssten", warnt die Polizei Viersen. 

Wer also weder verifizieren kann, ob eine Vermisstensuche echt und aktuell ist, noch darüber nachgedacht hat, welche Spätfolgen ein Beitrag in den sozialen Netzwerken für den Vermissten haben könnte, sollte diesen auch nicht streuen - so gut die Absicht dahinter auch sein mag. Entscheidet sich die Polizei für eine Öffentlichkeitsfahndnung mit Foto dann "nur zur Gefahrenabwehr und mit Einverständniserklärung", erläutert die münstersche Polizei-Sprecherin. Und dann sei das Teilen in den sozialen Netzwerken auch ausdrücklich erwünscht. 

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