100 Jahre „Mieterverein Münster und Umgebung e.V.“
Wohnungsnot: „Ohne aktive Mieter geht nichts“

Münster -

Innerhalb weniger Jahre ist Münster zu einem der teuersten Wohnungsmärkte des Landes geworden. Der „Mieterverein Münster und Umgebung e.V.“ gibt sich anlässlich der Feier seines 100-jährigen Bestehens kämpferisch.

Samstag, 05.10.2019, 09:00 Uhr
Der Mieterverein Münster und Umgebung im Deutschen Mieterbund (DMB) besteht seit 100 Jahren – das wurde in der Rüstkammer des Rathauses gefeiert (v.l.): Bürgermeisterin Beate Vilhjalmsson, DMB-Präsident Lukas Siebenkotten, Hans-Jochem Witzke (DMB NRW), Bundesumweltministerin Svenja Schulze (als Mitglied des Mietervereins) sowie Jutta Pollmann und Hurbert Berning (Mieterverein Münster).
Der Mieterverein Münster und Umgebung im Deutschen Mieterbund (DMB) besteht seit 100 Jahren – das wurde in der Rüstkammer des Rathauses gefeiert (v.l.): Bürgermeisterin Beate Vilhjalmsson, DMB-Präsident Lukas Siebenkotten, Hans-Jochem Witzke (DMB NRW), Bundesumweltministerin Svenja Schulze (als Mitglied des Mietervereins) sowie Jutta Pollmann und Hurbert Berning (Mieterverein Münster). Foto: Matthias Ahlke

Gibt es überhaupt einen Grund zu feiern? Bei dieser Frage richten sich Hubert Berning und Jutta Pollmann , Vorsitzender und Geschäftsführerin des Mietervereins Münster und Umgebung, ruckartig in ihren Stühlen auf: aber natürlich! 100 Jahre Mieterverein – das sei letztlich eine Erfolgsgeschichte, man vertrete schließlich höchst effektiv die Interessen von rund 9000 Mitgliedern.

Es sei bereits ein stattlicher Erfolg, dass in Zeiten schwindender Vereinsbindung die Mitgliederzahlen seit Jahren kaum schwanken. Offenbar nehme der Beratungsbedarf zu: Münster sei für Mieter eine der schwierigsten Städte des Landes geworden, und die Gemeinden der Münsterlandkreise zögen allmählich nach – je näher an Münster, desto deutlicher.

Verschärfte Auseinandersetzungen 

Die Stadt wächst ungebremst. Und obwohl inzwischen Flächen für neue Wohngebiete gekauft würden, komme der Wohnungsbau nicht in die Gänge. Auch die Entwicklung der Konversionsflächen dauere viel zu lange. „Es muss ein größerer Wurf her“, meint Jutta Pollmann.

Interview mit Jutta Pollmann (Geschäftsführerin des Deutschen Mieterbunds Mieterverein Münster und Umgebung e.V.)

In den Beratungsgesprächen werde deutlich, dass die Schärfe der Auseinandersetzungen von Mietern und Vermietern zunehme: Ein auch in Münster übliches Verfahren sei das „Herausmodernisieren“, sagt Silke Gottschalk, Geschäftsführerin des NRW-Mieterbunds. Gerade wenn eine Eigenbedarfskündigung nicht infrage komme, würden nach Modernisierungen die Mieten so scharf angezogen, dass besonders ältere Mieter das Handtuch würfen.

Nicht selten ginge bei Mieterhöhungen jedes Maß verloren – doch viele Mieter, froh, überhaupt eine Wohnung zu haben, scheuten die Auseinandersetzung. „Die Angst, in den Streit zu gehen, ist sehr groß. Doch ohne den Mieter, der aktiv wird, können wir nichts machen“, sagt Hubert Berning.

Pressekonferenz im Mövenpick (v.l.): Silke Gottschalk und Hans-Jochem Witzke (DMB NRW) sowie Hubert Berning und Jutta Pollmann (Mieterverein) informieren über die angespannte Situation in Münster.

Pressekonferenz im Mövenpick (v.l.): Silke Gottschalk und Hans-Jochem Witzke (DMB NRW) sowie Hubert Berning und Jutta Pollmann (Mieterverein) informieren über die angespannte Situation in Münster. Foto: Matthias Ahlke

Fast Kölner Niveau...

Nur in wenigen Fällen müsse die Rechtsschutzversicherung des Vereins einspringen. In den meisten Beratungsgesprächen gehe es gar nicht um konkrete Rechtsstreitigkeiten, sondern um Informationen zum Mietrecht. Mitunter hätten die Mieter selbst falsche Vorstellungen von ihren Rechten und Pflichten. „Dann sind wir die Bösen“, räumt Jutta Pollmann ein. Denn nach wie vor gebe es faire Vermieter, die sich nicht nur an die Regeln hielten, sondern auch ausgesprochen sozial agierten. Eine große Bedeutung komme dem städtischen Wohnungsbauunternehmen Wohn- und Stadtbau sowie den Wohnungsgenossenschaften zu.

Im hochpreisigen Marktsegment sei die Lage etwas entspannter. Doch die Schere zwischen Einkommen und Renten einerseits und Mieten andererseits klaffe immer weiter auf. Zehn Euro netto pro Quadratmeter bei Neuvermietung – das sei fast Kölner Niveau. Im Frühjahr werden die Zahlen für den neuen Mietspiegel erhoben, der 2021 veröffentlicht werden soll. Wie wird er sich entwickeln? „Da können wir alle in die Glaskugel gucken“, meint Jutta Pollmann.

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