Skulpturen-Wettbewerb gefordert
Gegenkultur zu den Kriegerdenkmälern

Münster -

Die Stadtgesellschaft in Münster diskutiert schon seit einiger Zeit über die Kriegerdenkmäler, die es auf dem Stadtgebiet gibt. Häufig erinnern diese an deutsche Kriegsheroen früherer Zeiten, ohne eine aktuelle Einordnung vorzunehmen. Jetzt gibt es einen Vorschlag, einen Wettbewerb mit Gegenskulpturen zu den problematischsten Denkmälern auszurichten.

Samstag, 05.10.2019, 17:00 Uhr
 Das Train-Denkmal an der Promenade.
 Das Train-Denkmal an der Promenade. Foto: Matthias Ahlke

Die Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes/Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) Münster begrüßt den neuen Konsens in der Stadt, dass die Kriegerdenkmäler kritisch eingeordnet werden. Diese seien zumeist revanchistisch und kriegsverherrlichend. „Informationen und Kommentierungen“ an Denkmälern seien „unerlässlich“, heißt es in der Pressemitteilung der Stadt.

Zum Beispiel dürfen das Train- oder das Dreizehner-Denkmal nicht länger unkommentiert in Münsters Öffentlichkeit stehen. Mit dem Train-Denkmal werde zweier toter Soldaten gedacht, die mit ihrer Militäreinheit Teil eines Völkermords im südlichen Afrika an Tausenden Herero und Nama waren.

Das Dreizehner-Denkmal wurde in den 50er-Jahren um das Gedenken an tote deutsche Soldaten des Zweiten Weltkrieges erweitert, heißt es weiter. Es heroisiere den „Heldentod“. Die Gesellschaft müsse deutliche Zeichen gegen den als Rechtspopulismus verharmlosten, wieder aufkeimenden Faschismus setzen.

Krieg löse keine Probleme und bringe nur Elend über die Menschen. „Wegen des deutschen Faschismus stehen wir in besonderer Verantwortung.“ Die Vereinigung ist deshalb der Auffassung, dass die Denkmäler nicht nur mit Info-Schildern in den historischen Kontext gestellt werden sollten: Eine künstlerisch-inhaltliche Gegenkultur der „Friedensstadt“ Münster sei die logische Schlussfolgerung.

Kriegerdenkmäler in Münster

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  • Der Adler, der die Kanone verteidigt

    Ein kubischer Sockel mit einem Tier als Bekrönung: Ein Adler hockt auf dem Ehrenmal für Gefallene des Königlich Preußischen 4. Lothringer Feldartillerie-Regiments am Hörster Platz („Adler-Denkmal“) – und zwar auf einer zertrümmerten Kanone. Der Adler verteidigt das letzte Geschütz bis zum letzten Atemzug, so die Aussage des Denkmals, das 1930 eingeweiht wurde. Es soll an Mitglieder des Regiments erinnern, die während des Ersten Weltkrieges fielen. Hermann Kissenkoetter hatte es entworfen.

    Foto: Oliver Werner
  • Gegen Herero in Kolonie gekämpft

    Das „Train-Denkmal“ am Ludgerikreisel wurde 1925 eingeweiht und erinnert an 855 Soldaten der in Münster stationierten Versorgungseinheit „Trainabteilung Nr. 7“, die im Ersten Weltkrieg fielen. Platten am Denkmal erinnern zudem an ein Mitglied der Trainabteilung, das in China während der Niederschlagung des Boxeraufstandes (1901) starb, sowie an zwei Train-Soldaten, die 1905/1906 bei der Niederschlagung von Herero-Aufständen gegen die deutsche Kolonialmacht in Deutsch-Südwestafrika starben.

    Foto: Oliver Werner
  • „Heldengrab“ am Mauritztor

    Als „Heldengrab“ ist das 1909 eingeweihte Kriegerdenkmal am Mauritztor konzipiert worden. Formal ähnelt es dem Kuppelrund des Leipziger Völkerschlachtdenkmals. 23 Meter beträgt der Umfang, auf den Reliefs sind Krieger, trauernde Frauen, Löwen, Fackeln, Kranz, Schwert und Reichsadler zu sehen. Hier wird an die Gefallenen der deutschen Einigungskriege von 1864, 1866 und 1870/71 erinnert. Das Denkmal soll die Zeit der Reichseinigung mythisieren. Von der Bevölkerung wurde es nicht begeistert aufgenommen.

    Foto: Oliver Werner
  • Umstrittene „Treue um Treue“

    Das Dreizehnerdenkmal an der Promenade wurde 1925 eingeweiht. Es war dem Infanterieregiment Herwarth von Bitterfeld Nr. 13 gewidmet, das unter anderem beim Boxer-Aufstand und bei den Herero-Aufständen eingesetzt wurde. Der Spruch „Treue um Treue“ wurde später um „Ehre den Toten beider Weltkriege“ ergänzt. Seit den 1950er-Jahren fanden hier Gedenkfeiern statt. Vor allem „Treue um Treue“ ist umstritten. Kritiker meinen, dass diese Formulierung den Soldatentod als Ehre und Vorbild ansieht.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Lebensgroßer Soldat mit Lorbeer

    Im Schlossgarten befindet sich das Kriegerdenkmal „Stehender Soldat“ der Artillerie-Regimenter. 1923 wurde es nach Plänen des Bildhauers Alexander Frerichmann eingeweiht. Das Ehrenmal mahnt zu Pflichterfüllung und Opferwillen. Der lebensgroße Soldat mit Stahlhelm, Uniform, Mantel und Schwert, der stilisierte Lorbeerkranz und das Eiserne Kreuz verkörpern die Enttäuschung über den verlorenen Krieg und Heldenverehrung. Kritisch reflektiert wird es durch ein Skulptur-Projekt der Künstlerin Jenny Holzer, zwei Steinbänke.

    Foto: Stadt Münster

Die VVN-BdA fordert die Stadt auf, einen Wettbewerb mit Gegenskulpturen zu den problematischsten Kriegerdenkmälern auszurichten. Diese Skulpturen sollen Demokratie, Frieden und Menschenrechte dem alten Militarismus entgegensetzen. Sie müssten so gestaltet sein, dass sie einen Kontrapunkt darstellen. Gleichzeitig sollen Kurz-Infos auf einem Schild die Geschichte des ursprünglichen Denkmals und die Kritik an diesem verdeutlichen.

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