Kommentar
Vor der Musikcampus-Entscheidung: Mehr ein Experiment denn ein Gebäude

Im Streit um den geplanten Musikcampus, der baulichen Zusammenführung von Musikschule, Musikhochschule und Sinfonieorchester, wird in manchen Beiträgen allzu oft vergessen, dass es bei dem Projekt um eine Ausbildungsstätte und nicht um einen Musentempel geht, schreibt Klaus Baumeister in seinem Kommentar.

Sonntag, 06.10.2019, 13:00 Uhr
 Die alte Pharmazie an der Hittorfstraße. Hier ist der Musikcampus geplant.
 Die alte Pharmazie an der Hittorfstraße. Hier ist der Musikcampus geplant. Foto: Oliver Werner

Im Vorfeld der entscheidenden Ratssitzung am kommenden Mittwoch kann man es gar nicht oft genug sagen: Im Mittelpunkt der Musik-Campus-Debatte steht nicht die Frage, ob Münsters neue Konzerthalle (wenn sie denn kommt) an der Hittorfstraße oder auf dem Parkplatz Hörsterstraße stehen soll.

Es geht vielmehr um die Frage, ob Stadt und Universität bereit sind, viel Geld in einen Neubau zu investieren, bei dem es sich vorrangig um eine Ausbildungsstätte und nicht um einen Musentempel handelt. Münster kann der Elbphilharmonie keine Konkurrenz machen, es könnte aber den auf dem Musik-Campus versammelten Akteuren eine Spielstätte bieten.

Anziehungspunkt für neue Künstler-Typen?

Wer die geplante bauliche Zusammenführung von Musikschule, Musikhochschule und Sinfonieorchester samt der dazugehörigen Bühne(n) primär an der touristischen Strahlkraft messen möchte, der wird enttäuscht werden. Möglicherweise wird auch in Zukunft der Kulturbürger, der auf ein Konzerterlebnis der gehobenen Art bedacht ist, lieber nach Bielefeld, Hamburg oder Köln fahren.

Aber auf der anderen Seite könnte es passieren, dass künftig Musiklehrer aus ganz Deutschland nach Münster pilgern, weil sich hier ganz neue Formen der Musikausbildung entwickelt haben. Vielleicht werden sich – perspektivisch – in Münster auch ganz neue Formen von Konzertveranstaltungen etablieren und ganz neue Künstler-Typen ansiedeln, weil hier Dinge ausprobiert werden, die anderswo eben nicht ausprobiert werden.

Der Musik-Campus ist in erster Linie ein Experiment und erst dann ein Gebäude. Das darf man nie vergessen.

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