Interview mit Weihbischof Zekorn
Missio-Monat: „Den Glauben neu entdecken“

Münster -

Mit einem Erntedankfest auf dem Domplatz wird am Sonntag (6. Oktober) der bundesweit begangene „Missio-Monat“ eröffnet. Zum ersten Mal seit 41 Jahren findet dieser Auftakt wieder in Münster statt. Als Missio-Diözesandirektor ist Weihbischof Dr. Stefan Zekorn besonders eingebunden.

Sonntag, 06.10.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 06.10.2019, 12:34 Uhr
Weihbischof Dr. Stefan Zekorn ist Diözesandirektor des Missionswerks Missio.
Weihbischof Dr. Stefan Zekorn ist Diözesandirektor des Missionswerks Missio. Foto: spe

Zum ersten Mal seit 1978 wird am morgigen Sonntag der deutschlandweit begangene „Missio-Monat“ in Münster eröffnet. Ab 11.45 Uhr feiert Bischof Dr. Felix Genn einen Gottesdienst vor dem St.-Paulus-Dom, anschließend wird auf dem Domplatz das Erntedankfest „Mission Leben“ gefeiert – unter anderem mit Vertretern der Erzdiözese Guwahati im Nordosten Indiens, der diesjährigen Partnerregion. Weihbischof Dr. Stefan Zekorn ist Missio-Diözesandirektor. Mit ihm sprach unser Redakteur Lukas Speckmann über die Mission in schwierigen Zeiten.

Die Eröffnung des Missionsmonats in Münster wird bundesweit wahrgenommen?

Zekorn: Sogar darüber hinaus: Es ist die größte weltweite Hilfsaktion der katholischen Kirche. Überall, wo es Katholiken gibt, wird der Monat gefeiert. Der deutsche Auftakt findet jeweils in anderen Diözesen statt: Im vergangenen Jahr in Erfurt, davor in Fulda.

Einen Bezug zu Münster gibt es also nur indirekt?

Zekorn: Mission hat oft zunächst das außereuropäische Ausland im Blick. Aber Papst Franziskus hat einen außerordentlichen Missionsmonat ausgerufen: Alle Christen sind gefordert, das Evangelium zu verkünden – natürlich auch hier in Münster.

Wie groß ist denn die Bereitschaft zur Verkündigung? Für viele Menschen scheint der Glaube im Alltag keine Rolle mehr zu spielen.

Zekorn: Das ist auch meine Wahrnehmung in vielen Gesprächen. Nicht nur jüngere, auch ältere Menschen sagen mir, der Glaube habe für sie keine Bedeutung im Alltag, und sie könnten gut ohne ihn leben. Gerade darum ist Mission so wichtig: Wer vom Glauben begeistert ist, sollte davon erzählen, um ihn anderen zu eröffnen.

In den Ländern des Südens, dem früheren Missions­gebiet, ist das anders?

Zekorn: Junge Menschen aus unserem Bistum, die ein Jahr in Afrika oder Lateinamerika verbringen, berichten mir begeistert: ,Die leben ganz selbstverständlich aus dem Glauben – als wenn Jesus ihr Freund wäre.‘

Materielle Hilfe fließt immer noch in den Süden, aber der geistliche Impuls geht eher in die andere Richtung?

Zekorn: Ja, das würde ich so sagen. Wir lernen mehr von diesen Ländern als umgekehrt – was etwa die Lebendigkeit des Glaubens oder die Nähe zur Heiligen Schrift betrifft. Das war vor einigen Jahrzehnten noch umgekehrt. Missio versucht, über Bildungsarbeit ein Bewusstsein für globale Zusammenhänge zu schaffen: Wir laden oft Menschen aus dem Süden ein, die von ihren Erfahrungen berichten, und wir initiieren Projekte wie die sehr erfolgreiche Handy-Aktion. Gerade in Münster gibt es bei vielen Menschen eine große Offenheit für diese Themen.

Mission bedeutet also Austausch?

Zekorn: Ja, das Hilfswerk ist bereits gegründet worden mit dem Gedanken, dass auch etwas zurückkommt. Da fand schon im 19. Jahrhundert ein kultureller Austausch statt. Deshalb lässt sich der Begriff „Nächstenliebe“ auch nicht eng fassen – denn was ist in der globalisierten Welt noch fern?

Der Begriff „Mission“ hat für viele Menschen heute einen Beigeschmack . . .

Zekorn: Der Vorwurf lautet, man solle den Leuten den Glauben nicht aufdrängen. Da schwingt sicher die Erinnerung an Kolonialisierung mit, an die unheilvolle Verquickung von Religion und Politik. Aber in der Botschaft Jesu ist Mission Sendung aus Überzeugung. Die Menschen in der DDR, die vor 30 Jahren mit Kerzen und Gebeten die Wende ermöglichten, die hatten eine Mission. Oder denken Sie nur an die jungen Leute, die heute für den Klimaschutz eintreten. Auch die haben eine Mission. Und diese Begeisterung strahlt aus.

Warum wird der Missionsmonat mit einem Erntedankfest eröffnet?

Zekorn: Nicht nur weil der morgige Sonntag der Erntedanksonntag ist, es gibt auch inhaltliche Überschneidungen. Das Bewusstsein für die Bewahrung der Schöpfung ist schon für uns wichtig – für die Menschen im Süden ist es sogar existenziell. Wenn bei uns nach zwei trockenen Sommern die Ernte mager ausfällt, leiden die Landwirte – in Afrika hungert gleich die ganze Bevölkerung.

Erntedank als globales Missionsthema?

Zekorn: Erntedank ist auch Verkündigung, also Mission. Es ist ein zutiefst christliches Bewusstsein, dass wir die Gaben der Schöpfung nicht selbst machen können, sie werden uns geschenkt – die Landwirtschaft kann sie, bei allem Respekt vor ihrer Leistung, nur gestalten. Ich verhalte mich der Schöpfung anders gegenüber, wenn ich aus dieser Dankbarkeit über ein Geschenk lebe.

Müsste unsere Gesellschaft neu missioniert werden?

Zekorn: Ich erlebe selbst, dass ich täglich der Mission bedarf, um mehr aus dem Evangelium zu leben. Aber natürlich sollten wir uns auch als Gesellschaft stärker auf den Reichtum des christlichen Glaubens beziehen. Die Welt kann nicht überleben, wenn jeder nur an sich selbst glaubt. Es macht mir große Sorgen, wenn ich sehe, wie viele große Player – etwa die USA, China, Russland oder Brasilien – heute aus einer anderen Perspektive handeln.

Was erhoffen Sie sich vom Missio-Monat?

Zekorn: Dass wir den Glauben neu und tiefer entdecken. Und dass wir auch als Gesellschaft unsere Sendung mehr wahrnehmen und für internationale Zusammenarbeit, Rücksichtnahme und Stärkung der Schwachen eintreten.

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