Heute ist Welttag des Sehens
Maren Hesse schätzt Normalität im Miteinander

Münster -

Ihr „Hauptarbeitsgerät“ ist zwar ihre Stimme. Doch natürlich braucht Maren Hesse, Mitarbeiterin in der Telefonzentrale des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, auch ihre Augen. Und die arbeiten nur mit zwei bis drei Prozent der normalen Sehkraft. Dank ihres Arbeitgebers kein Problem.

Donnerstag, 10.10.2019, 10:00 Uhr
Freundliche Stimme in der LWL-Telefonzentrale: Maren Hesse.
Freundliche Stimme in der LWL-Telefonzentrale: Maren Hesse. Foto: LWL

Dutzende Menschen wählen täglich die zentrale Nummer des LWL in Münster. Maren Hesse hilft ihnen weiter. Sie ist eine der freundlichen Stimmen in der Telefonzentrale, hört zu, fragt nach, leitet weiter, heißt es in einer Pressemitteilung des Landschaftsverbandes.

„Das macht mir Spaß, denn ich bin sehr kommunikativ“ sagt die 30-jährige Kauffrau für Büromanagement. Was die Anrufer nicht merken: Ihre Gesprächspartnerin ist seit ihrer Geburt stark sehbehindert. Zwei bis drei Prozent Sehkraft verbleiben Maren Hesse, die seit April 2018 in Teilzeit für den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet.

Ihr Arbeitsplatz wurde in Zusammenarbeit mit dem LWL-Inklusionsamt Arbeit mit Hilfsmitteln ausgestattet: Auf dem Computer vergrößert eine spezielle Software die Bildschirmansicht.

Für Papierdokumente steht ein Lesegerät zur Verfügung, genauso wie eine mobile Leselupe. „Ich kann damit alle anfallenden Arbeiten selbstständig erledigen“, sagt Hesse. Zur Arbeit kommt sie mit dem Bus. „Auch wenn ich noch etwas sehen kann, benutze ich den Blindenstock“, sagt Hesse. Das sei auch ein gutes Zeichen für die anderen Verkehrsteilnehmer.

Manche Menschen handeln angesichts des weißen Stocks jedoch übermotiviert: „Ich werde auch schon mal an der Ampel einfach mitgezogen. Das ist für mich sehr unangenehm“, berichtet sie. „Es ist meistens Unsicherheit, die zu solchen Reaktionen führt.“ Das sei menschlich, aber am besten sei es, einfach zu fragen, ob Hilfe benötigt werde.

Der Arbeitsplatz ist so ausgestattet, dass sie alle Arbeiten erledigen kann. Zum Beispiel hilft eine mobile Leselupe beim Vergrößern von Papierdokumenten.

Der Arbeitsplatz ist so ausgestattet, dass sie alle Arbeiten erledigen kann. Zum Beispiel hilft eine mobile Leselupe beim Vergrößern von Papierdokumenten. Foto: LWL

An ihrem Arbeitsplatz orientiert sich Hesse an markanten Punkten, zählt Treppenstufen und verlässt sich auf ihren guten Orientierungssinn. „Ich bin natürlich schon einmal mit Kollegen zusammengestoßen oder habe eine Tasse Kaffee verschüttet“, sagt sie. „Aber das passiert ja nicht nur sehbehinderten Menschen.“

Wichtig ist Maren Hesse, nicht „in Watte gepackt“ zu werden. Schwierig wird es für sie, wenn Gesprächspartner eine Situation beschreiben und Sätze verwenden wie „Auf dem Tisch dort hinten“. „Dann hake ich natürlich nach und sage, dass mir das nicht weiterhilft.“

Auf der anderen Seite sollte man keine Hemmungen haben, Redewendungen wie „Guck mal hier“, oder „Das siehst du doch“ anzuwenden. „Ich benutze sie auch und finde es eher irritierend, wenn man sie aus Rücksicht auf mich vermeidet“, so Hesse. „Ich höre anders. Ich kann ja nicht die Mimik meines Gegenübers erkennen und achte dafür mehr auf die Zwischentöne und die Tonlage.“

Gelernt hat Maren Hesse den Beruf der Kauffrau für Büromanagement im LWL-Berufsbildungswerk Soest, einem Förderzentrum für blinde und sehbehinderte Menschen. Hier unterstützt sie die Azubis, die vor ihrem Abschluss stehen.

Sie weiß, dass es in der freien Wirtschaft schwierig ist, als Mensch mit Behinderung einen Job zu finden. „Dabei fördert die Einstellung von Menschen mit Behinderung die Sozialkompetenz eines Teams“, sagt der Erste Landesrat und Kämmerer Dr. Georg Lunemann.

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