Ausstellung von Gabriele Sobke
Kirchenfoyer: Diese Kunst macht nicht sprachlos

Münster -

Sprache ist voll schwer. Weil, so viele Regeln. Gabriele Sobke hat den Durchblick.

Donnerstag, 10.10.2019, 11:00 Uhr
Herzlich willkommen im Kirchenfoyer: In den nächsten Wochen dürfen die Gäste auf alten Schulstühlen Platz nehmen, die von der Künstlerin Gabriele Sobke literarisch aufgewertet wurden. Foyer-Leiter Rupert König freut sich schon auf die Vernissage am Freitagabend.
Herzlich willkommen im Kirchenfoyer: In den nächsten Wochen dürfen die Gäste auf alten Schulstühlen Platz nehmen, die von der Künstlerin Gabriele Sobke literarisch aufgewertet wurden. Foyer-Leiter Rupert König freut sich schon auf die Vernissage am Freitagabend. Foto: spe

Was ist eigentlich mit meinen Schülern los? Die reden so komisch . . .

Gabriele Sobke dachte sich zunächst nichts dabei, weil Kinder und Jugendliche immer schon anders redeten als die Großen. Aber im Lauf der vergangenen zehn Jahre wurde es immer seltsamer mit der Schülersprache. Unschöne Floskeln, unbekannte Abkürzungen, schiefe Grammatik – und der schriftliche Ausdruck ließ erst recht zu wünschen übrig. Warum verändert sich das so schnell?

Gabriele Sobke ist mittlerweile im Ruhestand. Aber das Thema hat die frühere Lehrerin und nach wie vor aktive Künstlerin nicht mehr losgelassen. Sprache verändert sich – und zwar offenbar unter dem Einfluss digitaler Medien, dem sich Gabriele Sobke lange Zeit verweigert hat. Nun ist sie selbst digital unterwegs und ist vertraut mit Kurznachrichten, coolen Chats und Emojis. Sie wolle das alles nicht verteufeln, sagt sie. Aber doch zur Vorsicht raten: „Es macht was mit uns.“ Vor allem trage der digitale Schnack dazu bei, dass komplexere Formen sprachlicher Kommunikation verloren gehen.

Gabriele Sobke ist ehrenamtliche Mitarbeiterin im Kirchenfoyer, das ihr nun schon zum zweiten Mal als Ausstellungsraum zur Verfügung steht. Bis zum 11. November zeigt sie die Ausstellung „spracheverändert“. Das passt wunderbar zum Haus, meint dessen Leiter Rupert König. Denn schließlich sei das Christentum eine Religion des Wortes – und die gegenwärtige Krise habe möglicherweise mit Verständigungsproblemen zu tun: „Wir sind vielleicht manchmal zu verkopft und zu sprachlastig . . .“

Dem setzt Gabriele Sobke heiter-nachdenkliche Kunststücke entgegen. Zum Beispiel ausgemusterte Schulstühle, die sie mit Bibelzitaten, eigenen Gedichten oder neuen Wortschöpfungen überzogen hat; schließlich wird Sprache nicht selten im Sitzen gelernt. Das gesamte Kirchenfoyer wurde mit diesen Stühlen ausgestattet. Es gibt weitere Kunst-Objekte mit Sprache, Sprachbilder, liebevolle Emoji-Gemälde und eine große Wand, auf der die Gäste des Kirchenfoyers mit Kreide ihre eigenen Assoziationen zum Thema Sprache aufschreiben dürfen. Das alles soll zum Nachdenken und vielleicht auch zum Widerspruch anregen. Widerspruch? Die Künstlerin hat manchmal ganz bewusst Fehler in ihre Sprachwerke eingebaut. Ob es jemand merkt?

Zum Thema

Die Ausstellung „sprache­verändert“ ist bis zum 11. November im Kirchenfoyer an der Salzstraße 1 zusehen. Die Vernissage beginnt am Freitag (11. Oktober) um 19 Uhr.

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