Diskussion in der Heilig-Geist-Kirche
Sexueller Missbrauch: „Vertuschung geht so nicht mehr“

Münster -

Man müsse über Vergebung auch für Täter sexuellen Missbrauchs nachdenken – diese Anregung eines emeritierten Priesters sorgte im Sommer für einen Eklat. Eine Folge: In der Heilig-Geist-Kirche wird weiter intensiv über sexuellen Missbrauch in der Kirche diskutiert.

Donnerstag, 10.10.2019, 19:40 Uhr aktualisiert: 10.10.2019, 19:46 Uhr
Diskussion in der Heilig-Geist-Kirche zum Thema „Sexueller Missbrauch“ (v.l.): Volker Tenbohlen (Vorsitzender des Pfarreirats), Pastor Karsten Weidisch (Interventionsbeauftragter der Gemeinde), Peter Frings (Interventionsbeauftragter des Bistums) und Margit Koch (Pfarreirat).
Diskussion in der Heilig-Geist-Kirche zum Thema „Sexueller Missbrauch“ (v.l.): Volker Tenbohlen (Vorsitzender des Pfarreirats), Pastor Karsten Weidisch (Interventionsbeauftragter der Gemeinde), Peter Frings (Interventionsbeauftragter des Bistums) und Margit Koch (Pfarreirat). Foto: spe

Es war eine Predigt des emeritierten Pfarrers Ulrich Zurkuhlen, die im Sommer für einen Eklat in der Heilig-Geist-Kirche [WN+] gesorgt hatte. Dem Pfarrer wurde damals vorgeworfen, sich unangemessen über Vergebung und sexuellen Missbrauch geäußert zu haben – Bischof Dr. Felix Genn entzog ihm schließlich alle priesterlichen Befugnisse. Dass Zurkuhlen nun an einer Diskussion in der Heilig-Geist-Kirche über sexuellen Missbrauch teilnehmen würde, hatten offenbar weder die Veranstalter noch die rund 60 Teilnehmer erwartet. Die Spannung war mit Händen zu greifen, als er gleich zu Beginn des Abends lebhaft das Wort ergriff.

Respekt für Zurkuhlen

Doch bevor sich Zurkuhlen noch ausführlich darüber äußern konnte, dass man ihn völlig falsch verstanden und auch falsch dargestellt habe, wurde ihm das Wort entzogen. Er dürfe sich gern an der späteren Diskussion beteiligen, möge aber zunächst die Referenten sprechen lassen. Daran hielt er sich; sein späterer Wortbeitrag über seinen Werdegang als Geistlicher war sehr persönlich und ruhig. Ein Redner zollte Zurkuhlen für seine Teilnahme an der Veranstaltung Respekt.

Peter Frings und Karsten Weidisch, die Interventionsbeauftragten von Bistum und Pfarrgemeinde St. Joseph Münster-Süd, berichteten von ihrer anspruchsvollen Tätigkeit. Und nach wenigen Minuten war klar, dass nicht vorgesehen war, die Predigt-Kontroverse des Sommers aufzuwärmen. Es ging sehr grundsätzlich um „Missbrauch in der Kirche“ und um den Stand der Debatte.

Rege Beteiligung 

Der Eindruck, dass in der Vergangenheit viele Missbrauchsfälle vertuscht wurden, ist groß; ebenso groß wie das Misstrauen, dies könne in Anbetracht unveränderter Machtstrukturen immer noch der Fall sein. Karsten Weidisch hielt dem entgegen: „Das geht heute so nicht mehr und wird auch nicht mehr so praktiziert.“ Mit Peter Frings habe das Bistum einen weitgehend unabhängigen Experten mit der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen beauftragt. Ein Zuhörer, der sich als Missbrauchsopfer zu erkennen gab, bekannte: „Zum ersten Mal seit 30 Jahren gibt es einen Ansprechpartner, bei dem man das Gefühl hat, ernst genommen zu werden. Das war bisher nicht der Fall.“

Es sei enttäuschend, bemerkte eine Frau, dass sich kaum ein Täter öffentlich zu seiner Schuld bekenne – eine Haltung, wie sie etwa die evangelische Theologin Margot Käßmann gezeigt habe, die nach einer Trunkenheitsfahrt von allen Ämtern zurückgetreten sei, vermisse sie schmerzlich. Die meisten Täter seien früher selbst Opfer gewesen, gab ein sachkundiger Zuhörer zu bedenken. Sein Hinweis, dass Täter eher Verantwortung für ihre Taten zu übernehmen bereit seien, wenn ihr eigenes Leid nicht völlig unbemerkt bliebe, hinterließ tiefen Eindruck.

„Augen auf, sensibel sein“: Wo offen über Missbrauch gesprochen werde, habe es Missbrauch schwer, bemerkte Moderatorin Margit Koch zum Schluss der Diskussion. Die Pfarrgemeinde St. Joseph Münster-Süd will sich dem Thema in kleinerer Runde weiter intensiv widmen, heißt es.

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