Tagung zu Jahrhundert-Unwetter
Bürger haben „Starkregendemenz“

Münster -

Der Starkregen vom 28. Juli 2014 ist vielen Menschen in Münster in Erinnerung geblieben. Zumindest sollte man das denken. Eine Bürgerbefragung hat jetzt aber andere Ergebnisse hervorgebracht.

Montag, 14.10.2019, 10:00 Uhr aktualisiert: 14.10.2019, 11:05 Uhr
Eske Hilbrands und Prof. Dr. Helmut Grüning referierten zum Starkregenereignis.
Eske Hilbrands und Prof. Dr. Helmut Grüning referierten zum Starkregenereignis. Foto: FH Münster

„Kein Kanalnetz kann das Volumen eines Regenereignisses wie 2014 fassen“, betont Prof. Dr. Helmut Grüning . Denn die 40 Millionen Kubikmeter Wasser, die vor fünf Jahren in Münster fielen, stellten das 26-fache von dem dar, was die Kanäle und Gräben aufnehmen können. Dass dieser Tag ein Extrem darstellt, darüber sind sich Experten einig.

„Damals mit einem blauen Auge davongekommen“

„Aber wir beobachten eine ‚Starkregendemenz‘ bei den Bürgern. Ihnen ist nicht bewusst, dass es bei einem ähnlichen Ereignis wieder so aussehen wird. Denn damals sind wir mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt Michael Grimm vom Amt für Mobilität und Tiefbau der Stadt Münster.

Was hat sich also in Sachen vorbeugendem Hochwasserschutz getan? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Tagung „Fünf Jahre nach dem Extremregen in Münster“ der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall. Die Stadt Münster und andere Kommunen stellten ihre seitdem durchgeführten und geplanten Maßnahmen vor.

Bürgerbefragung: Wertschätzung und Wut

Großes Interesse hatten die Teilnehmer an einer Bürgerbefragung, die Eske Hilbrands präsentierte. Die Absolventin der Fachhochschule hat an einem Forschungsprojekt von Helmut Grüning mitgearbeitet, das die Deutsche Rentenversicherung in Auftrag gegeben, weil dort ein Schaden in Höhe von 800 000 Euro entstanden war. Um solchen Schäden künftig vorzubeugen, untersucht das Projekt die Schwachstellen am Gebäude. Außerdem wurde eine Bürgerumfrage mit 52 betroffenen Grundstückseigentümern durchgeführt.

Die Umfrage zielt sowohl auf den Grad der Betroffenheit und die darauffolgenden baulichen Maßnahmen ab als auch auf die psychologische Verarbeitung. „Einerseits gab es viel Wertschätzung für die Arbeit, Aufklärung und Initiative der Stadt“, sagt Hilbrands. „Auf der anderen Seite gab es aber auch Wut und teilweise Informationsresistenz gegenüber den Fachplanern.“ Dennoch seien 70 Prozent der Betroffenen an der Kanalstraße selbst tätig geworden, um sich zukünftig vor einer Überflutung zu schützen.

Unwetter in Münster - Das große Aufräumen

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Lichtschächte wurden erhöht, in manchen Gärten Mauern gebaut, wertvolle Gegenstände aus den Kellern umgeräumt oder Elementarschadenversicherungen abgeschlossen. Bei denjenigen, die nicht tätig wurden, lautete die Begründung: „Solche Ereignisse kommen zu selten vor“ oder „Die Stadt ist dafür zuständig, die richtigen Maßnahmen zu ergreifen“, erläutert Hilbrands.

„Ein Rekord, um den die Münsteraner niemand beneidet“

Den Hausbesitzern fehle der Bezug zum Thema Wasser, folgert die Ingenieurin: „Ihnen ist nicht bewusst wie gefährlich so eine Situation werden kann.“ Grundsätzlich sei das Entwässerungsnetz der Stadt ausreichend, auch für größere Wettereignisse. Das Unwetter von 2014 habe allerdings auf dem Starkregenindex dem höchsten Wert von 12 entsprochen. Vor solchen Extremwetterereignissen gebe es keinen vollständigen Schutz.

„Das ist ein Rekord, um den die Münsteraner niemand beneidet. Aber wie gehen wir mit diesen Daten um? Überflutungskarten zum Beispiel zeigen bereits, wo Hotspots liegen. Aber es geht sicher noch besser. Dafür benötigen wir viele Akteure, von Fachplanern bis zu Politik und Gesellschaft, oder auch grenzübergreifende Projekte“, sagte Prof. Grüning.

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