„Winfriden-Symposium“
Plädoyers für Öffnung und Wandel

Münster -

Nicht nur der gesellschaftliche, auch der kirchliche Kulturwandel ist in vollem Gange. Darin waren sich die Teilnehmer des „Winfriden-Symposiums“ einig. Rund 50 Zuhörer verfolgten die anregenden Diskussionen.

Sonntag, 13.10.2019, 21:00 Uhr
Winfriden-Symposium im Tagungsraum des Studierendenwerks am Aasee (v.l.): Dr. Hans-Georg Geißdörfer, Peter Frings, Kerstin Stegemann, Prof. Karl Gabriel, Norbert Kleyboldt und Hans-Bernd Köppen diskutierten die Lage der Kirche.
Winfriden-Symposium im Tagungsraum des Studierendenwerks am Aasee (v.l.): Dr. Hans-Georg Geißdörfer, Peter Frings, Kerstin Stegemann, Prof. Karl Gabriel, Norbert Kleyboldt und Hans-Bernd Köppen diskutierten die Lage der Kirche. Foto: Johannes Loy

Nicht nur der gesellschaftliche, auch der kirchliche Kulturwandel ist in vollem Gange. Darin waren sich Kirchenexperten und Diskutanten beim „Winfriden-Symposium“ in Münster einig. Selbst der frühere Generalvikar Norbert Kleyboldt und der Pfarrer von St. Lamberti, Hans-Bernd Köppen, räumten ein, dass auch in Klerikerkreisen längst über eine Zulassung von Frauen zu Weiheämtern debattiert wird. „Das wird eher ein langer Prozess sein“, so schätzte die Vorsitzende des Diözesankomitees der Katholiken im Bistum Münster, Kerstin Stegemann , die Situation in dieser Frage ein. Diese steht stellvertretend für den Wunsch nach Machtverteilung, Systemwandel und lebendige Gemeinden vor Ort statt fusionierter Großgebilde. Stegemann hatte den rund 50 Mitgliedern und Gästen der katholischen Studentenverbindung einen Einblick in die Bewegung Maria 2.0 gegeben, die aus einem kleinen Kreis in der Heilig-Kreuz-Gemeinde erwachsen ist. Zwar gab es aus dem Plenum auch Kritik am „Gottesdienstboykott“, doch rechtfertigte Stegemann das deutliche Auftreten mit dem Problemstau in der Kirche.

Ob der synodale Weg, den Bischofskonferenz und Zen­tralkomitee der deutschen Katholiken gehen wollen, in eine „programmierte Frustration“ führen könne, wie Diskussionsleiter Johannes Loy, Feuilleton-Chef dieser Zeitung, befürchtet, oder zu weltkirchlichen Reformschritten, blieb offen.

Der emeritierte Theologe und Sozialwissenschaftler Prof. Karl Gabriel hatte eingangs die historische Grundlage für die Systemkrise der Kirche erläutert. Laut Gabriel findet die in der Gegenreformation und im 19. Jahrhundert perfektionierte Papstkirche mit ihrer sakralen Selbstüberhöhung keine adäquaten Antworten auf die Moderne und die Erosion katholischer Milieus. An einem kulturellen Wandel komme die Kirche nicht vorbei. Sie müsse von der Gemeindebasis aus neu aufgebaut werden – auch mit Frauen in Weiheämtern. Möglicherweise sogar mit einem dritten Vatikanischen Konzil. „Restauration“ sei kein Weg, stimmte Norbert Kleyboldt zu, der den Wandel von der Volkskirche zur heutigen Institutionen-Krise und zum Individualismus skizzierte. Es gelte, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

Dass die Gegenwart stark durch die Debatte um sexualisierte Gewalt in der Kirche geprägt ist, zeigte sich im zweiten Teil des Symposiums, in dem Peter Frings als Interventionsbeauftragter des Bistums stark gefragt war. Der Jurist plädierte für größtmögliche Offenheit und juristische Korrektheit im Umgang mit Opfern und Tätern. Eine von Laien geführte kirchliche Verwaltungsgerichtsbarkeit könnte dabei, so die Experten-Einschätzung, die Bischöfe aus dem Dilemma herausführen, zugleich verantwortlicher Seelsorger und oberster Richter in ihrem Sprengel sein zu müssen. Denn dieses System habe früher zu Verdrängung, Versetzung und Vertuschung geführt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6997872?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Mehr Glanz für die Promenade
Münsters grünes Glanzstück, die Promenade, soll nach einer umfassenden Bestandsaufnahme komplett saniert werden. Dafür will die Stadtverwaltung im kommenden Jahr ein Gesamtkonzept vorstellen.
Nachrichten-Ticker