Uni-Dozent Enxing über das Buchmesse-Gastland Norwegen
Im Land der Literaturliebhaber

Münster -

Norwegen ist das Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Welche Bedeutung Literatur in Norwegen hat, beschreibt Magnus Enxing, Lektor am Institut für Nordische Philologie der Universität Münster, im Interview.

Mittwoch, 16.10.2019, 22:00 Uhr
Uni-Dozent Enxing über das Buchmesse-Gastland Norwegen: Im Land der Literaturliebhaber
Die norwegische Autorin Erika Fatland redet bei der Eröffnungsfeier der Frankfurter Buchmesse. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Auf der Frankfurter Buchmesse ist Norwegen Ehrengast. Kathrin Nolte sprach mit Magnus Enxing , Lektor am Institut für Nordische Philologie der Universität Münster , über die Bedeutung der Literatur in Norwegen.

Drei Literaturnobelpreisträger stammen aus Norwegen. Literatur scheint dort sehr wichtig zu sein.

Enxing: Das stimmt, Literatur hat einen sehr hohen Stellenwert. Auch in Zeiten der Digitalisierung lesen knapp 90 Prozent der Norweger mindestens ein Buch pro Jahr, wobei der Schnitt bei 15 Büchern pro Jahr und Person liegt. Im Land der Fjorde mit nur gut fünf Millionen Einwohnern wird vom Staat einiges unternommen, um eine vielfältige Literaturproduktion anzuregen. Dass diese Erzeugnisse nicht selten zu Exportschlagern werden, bezeugt die hohe Qualität. Trotz der wenigen Einwohner und auch Kunstschaffenden gehört das Norwegische zur weltweiten Top 20 der am meisten übersetzten Sprachen.

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Magnus Enxing Foto: Uni Münster

Wodurch zeichnet sich die norwegische Literatur aus?

Enxing: Vor allem durch eine hohe Intensität. Dass neben Bjørnstjerne Bjørnson, Sigrid Undset und Knut Hamsun weitere klassische Hochkaräter wie Henrik Ibsen, Alexander Kielland und Jonas Lie ohne Nobelpreisauszeichnung sind, zeigt, wie vielfältig und gesellschaftlich relevant die norwegische Literatur ab Mitte des 19. Jahrhunderts war. Von dieser Bedeutung der Literatur als Ort, an dem Kernfragen des Seins und täglichen Miteinanders verhandelt werden, hat die norwegische Gegenwartsliteratur keinen Deut verloren, spinnen wir den Faden etwa über Stig Sæterbakken, Jon Fosse und Karl Ove Knausgård weiter.

Warum sind Bestsellerautoren wie Jo Nesbø so erfolgreich?

Enxing: Nesbø bedient eine spezielle Sparte mit seinen Polizei-Thrillern. Seit Beginn der Neunziger Jahre hat sich das Subgenre des Nordic Noir etabliert – Kriminalliteratur, in der die Autoren ihren Figuren die winterliche Finsternis in die Seele schreiben zu wollen scheinen. In einer Kombination aus der Faszination des Grauens und der Skandinavien zugeschriebenen Exotik liegt wohl der Erfolg nordischer Krimis begründet.

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