Projekt von Künstler Thomas Nufer
Münster soll „Hauptstadt der Freundlichkeit“ werden

Münster -

Öfter lächeln, öfter helfen: Der Aktionskünstler Thomas Nufer will Münster zur „Hauptstadt der Freundlichkeit“ machen. Initialzündung soll eine Aktionswoche sein – mit prominenter Unterstützung.

Samstag, 19.10.2019, 10:10 Uhr aktualisiert: 19.10.2019, 11:39 Uhr
Ein Akt der Freundlichkeit: Künstler Thomas Nufer (l.) möchte Münster zur „Hauptstadt der Freundlichkeit“ machen und geht gleich mit gutem Beispiel voran: Er eilt Passanten zur Hilfe, die gerade ein Erinnerungsfoto vor dem Rathaus schießen wollen.
Ein Akt der Freundlichkeit: Künstler Thomas Nufer (l.) möchte Münster zur „Hauptstadt der Freundlichkeit“ machen und geht gleich mit gutem Beispiel voran: Er eilt Passanten zur Hilfe, die gerade ein Erinnerungsfoto vor dem Rathaus schießen wollen. Foto: Pjer Biederstädt

Wenn es nach Thomas Nufer geht, ist Münster bald die Hauptstadt. Keine Sorge, liebe Berliner, Münster soll nicht das politische Zentrum Deutschlands werden, sondern die „Hauptstadt der Freundlichkeit“.

Erfolgszwang, Erwartungsdruck und Ich-Bezogenheit, so der münsterische Aktionskünstler, führten zu immer mehr Unhöflichkeit im alltäglichen Umgang miteinander. Dem will Nufer mit seinem Projekt nun entgegentreten.

Spontaner Gedanke im Flugzeug

Die Idee zur „Hauptstadt der Freundlichkeit“ hatte er vor zwei Jahren im Flugzeug. Über den Wolken fragte er sich plötzlich, was die Abkürzung pdf bedeutet. „Könnte auch Partei der Freundlichkeit heißen“, so Nufers spontaner Gedanke, der den Stein ins Rollen brachte.

Zwei Jahre später hat der Aktionskünstler, der schon die Grünflächenunterhaltung oder den West-Östlichen Diwan ins Leben rief, zwar keine Partei gegründet, aber aus der fixen Idee mit finanzieller Unterstützung des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) ein konkretes Projekt entwickelt. Eine Aktionswoche vom 18. bis 24. November mit zahlreichen Programmpunkten soll die „Initialzündung für eine Bewegung“ sein, sagt Nufer.

Einfach mal selbstlos sein

Mit Schulen entwickelt Nufer ein „Manifest der Freundlichkeit“, die Schüler sollen auf der Straße „die Welt mit Freundlichkeit schockieren“, zum Beispiel einfach mal jemandem die Einkäufe in den dritten Stock tragen. Warmer Kaffee für Müllwerker, Singen für aufopferungsvolles Personal im Krankenhaus – die Liste der geplanten Aktionen ist lang.

Kommentar: Lobenswerter Versuch

Die fixe Idee von Aktionskünstler Thomas Nufer, Münster mit Hilfe von gutherzigen Aktionen zur „Hauptstadt der Freundlichkeit“ machen zu wollen, ist gut. Dahinter steckt der Versuch, die Menschen für mehr Rücksicht und Empathie im Umgang miteinander zu sensibilisieren – und das ist in Zeiten verrohender Umgangsformen erst einmal löblich.

Die finanzielle Unterstützung des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe sowie der Zuspruch von Polizei, Politikern und Kirchengemeinden bekräftigen Nufers Vorstoß. Besonders der Ansatz, das Projekt auch über Social-Media-Kanäle zu verbreiten, wo Hass-Kommentare das Klima vergiften, ist ein lobenswerter Versuch.

Ob er auch lohnenswert ist, muss sich zeigen. Denn klar ist auch, dass die Aktion mit einer kräftigen Prise Idealismus angerührt ist. Ob sich Übelgelaunte, Missmutige und Hetzer in der Realität von einer Freundlichkeitsoffensive mitziehen lassen, darf angezweifelt werden.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat anlässlich des Tages des Mauerbaus einen „Solidarpakt der Wertschätzung“ gefordert. Im besten Fall ist die Idee von Thomas Nufer ein Mosaikstein dessen. Einen Versuch ist es allemal wert. Von Pjer Biederstädt

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Sogar die Polizei hat Nufer ins Boot geholt. Vorneweg soll Polizeipräsident Hajo Kuhlisch gehen, der Menschen mit dem Reinigen ihres Schuhwerks eine Freude machen und einen Vortrag über Freundlichkeit in Japan, dem Rheinland und Westfalen halten will. Ebenfalls hätten die Bundestagsabgeordneten Maria Klein-Schmeink (Grüne) und der Ex-Zoo-Leiter Jörg Adler ihr Mitwirken angekündigt. Noch seien die einzelnen Aktionen nicht terminiert, aber der grobe Rahmen stehe, so Nufer.

Begleitet wird die Aktion von einer Social-Media-Kampagne. Über Facebook (@freundlichesmuenster) und Instagram (@freundliches_muenster / #freundlichesmuenster) kann jedermann „Freundlichkeits-Geschichten“ erzählen. Daraus soll am Ende ein Film entstehen.  

Zum Thema

Als Projektträger ist das Haus der offenen Tür der Andreas-Gemeinde in Coerde Gastgeber für das Dinner „LoveFood“ zum Auftakt am 17. November. Dort sollen Menschen, die sich für andere einsetzen, mit einem Abendessen belohnt werden. Wer solche Leute kennt und ihnen mit einem Dinner etwas Gutes tun will, kann diese vorschlagen per ­E-Mail an ms-jugendot-andreas­@ev-kirchenkreis-muenster.de.

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