Schwierige Stellen-Besetzung
Fachkräftemangel in Kitas: Personaldecke wird dünner

Münster -

In Münster werden entsprechend dem Bedarf ständig neue Kitas eröffnet. Doch es wird immer schwieriger, dafür genügend Fachpersonal zu finden. Und das hat mitunter gravierende Auswirkungen.

Donnerstag, 24.10.2019, 07:00 Uhr
In Münster entstehen zwar immer mehr Kitas – aber es wird zunehmend schwieriger, das dafür nötige Personal zu finden.
In Münster entstehen zwar immer mehr Kitas – aber es wird zunehmend schwieriger, das dafür nötige Personal zu finden. Foto: dpa

Eigentlich müsse sich die Stadt glücklich schätzen, sagt Sybille Kratz-Trutti , beim städtischen Amt für Kinder, Jugendliche und Familien verantwortlich für den Kita-Bereich. Denn in Münster vor Ort werden am Anne-Frank-Kolleg und an der Hildegardisschule Erzieher ausgebildet, der Nachwuchs strömt Jahr für Jahr auf den Arbeitsmarkt. Wobei die Ströme der neuen Fachkräfte angesichts des riesigen Bedarfs in den Kindertageseinrichtungen, deren zahl ständig steigt, eher einem Rinnsal ähneln.

„Die Personalversorgung der Kitas wird schwieriger“, bilanziert Kratz-Trutti. Von den rund 500 Erzieher-Stellen in den 29 von der Stadt selbst betriebenen Kitas sind derzeit 13 Stellen nicht besetzt. Hinzu kommen viele offene Stellen an den offenen Ganztagsschulen, die ebenfalls Erzieherinnen und Erzieher suchen. Kratz-Trutti: „Es bahnt sich ein absoluter Engpass an.“

Stellen in Elterninitiativen sind begehrter

Den freien Trägern geht es ähnlich, auch die 50 Elterninitiativen, die in Münster Kitas betreiben, „spüren inzwischen das Nachwuchsproblem“, sagt Rainer Firgau vom Verein Eltern helfen Eltern, der die Initiativen berät. Hier arbeiten rund 200 Fachkräfte in der Betreuung von rund 1000 Kindern bis zu sechs Jahren. "Früher hatten wir weniger Probleme, Stellen zu besetzen, weil viele Fachkräfte die Arbeit in einer Elterninitiative der Beschäftigung bei größeren Trägern vorziehen“, so Firgau. Beschäftigte mit Leitungsfunktionen nähmen die Freistellung für diese Aufgabe häufig nicht wahr und füllten die Personal-Lücken in der pädagogischen Arbeit, sagt Firgau.

Ein Nachteil für die kleinen Träger sei bisher auch, dass sie es wegen des zu leistenden Trägeranteils schwer hätten, durch praxisintegrierte Erzieher-Ausbildung „PIA“ am Anne Frank-Kolleg Kräfte zu gewinnen. Bei PIA erhalten die Auszubildenden, anders als bei der herkömmlichen schulischen Berufsausbildung, auch in den beiden ersten Ausbildungsjahren schon eine Vergütung und leisten praktischen Dienst in Einrichtungen. Das neue Kinderbildungsgesetz, das in Vorbereitung ist, sehe aber hier Unterstützung vor, so Firgau.

Große Nachfrage nach praxisintegrierter Erzieher-Ausbildung

Wegen der großen Nachfrage nach der PIA-Ausbildung wurde eine zusätzliche Klasse am Anne-Frank-Kolleg eingerichtet. Unter dem Strich werden aber nicht mehr Fachkräfte ausgebildet, denn für den schulischen Bildungsgang gab es weniger Interessenten.

Der Fachkräftemangel wirkt sich mittlerweile so gravierend aus, dass neue Einrichtungen teilweise nur mit reduzierter Platzzahl starten können. „Manche Kitas nehmen keine oder nur wenige neue Kinder mehr auf“, erläutert Firgau. Jens Taken, Vorsitzender des Jugendamtselternbeirats Münster, sieht die Kitas „im Spagat zwischen dem Anspruch auf Qualität und dem, die Betreuung trotz Personalmangels für möglichst viele Kinder zu bieten.“

Zum Thema

Am Anne-Frank-Kolleg, Manfred- von-Richthofen-Straße 39, können sich Träger am Montag (28. Oktober) um 14 Uhr über die praxisintegrierte Ausbildung (PIA) informieren.

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