Studenten im Fokus der Wirtschaft
Einflussnahme der Industrie bei der Medizinerausbildung

Münster -

Ob ein Firmenlogo bei einer Präsentation in der Vorlesung, oder eine Einladung zu einer gesponserten Veranstaltung. Versuchen der Industrie, auf angehende Ärzte Einfluss zu nehmen, sollen die Hochschulen wirksamer begegnen. Das wünscht sich eine Studierende-Initiative.

Freitag, 25.10.2019, 21:00 Uhr
Medizinstudierende in Münster bei der Ausbildung. Hochschulen beobachten Bemühungen der Industrie, schon hier Einfluss auf die angehenden Ärzte zu nehmen.
Medizinstudierende in Münster bei der Ausbildung. Hochschulen beobachten Bemühungen der Industrie, schon hier Einfluss auf die angehenden Ärzte zu nehmen.

Der Kuli eines Pharmakonzerns in der Erstsemester-Tüte ist ein eher harmloses Beispiel. Es kommt an Universitäten bei der Medizinerausbildung aber auch vor, dass Mitarbeiter der Industrie in den Hochschulen Vorträge für Studierende halten dürfen. Diese Methoden der Einflussnahme hat jetzt die Organisation „Universities Allied for Essential Medicines“ (UAEM) unter die Lupe genommen und sich an Hochschulen in Deutschland umgehört, wie die Fakultäten mit diesem Thema umgehen.

Ergebnis: Nur an zwei Hochschulen gibt es danach explizite Regeln, wie mit Interessenkonflikten im Zusammenhang mit der Einflussnahme der Industrie umzugehen ist. Die medizinische Fakultät der Uni Münster hat laut UAEM, die hier durch eine Studierendengruppe vertreten ist, die fragen dazu gar nicht beantwortet.

Regen zur Vorbeugung von Einflussnahme

Das bestätigt Prof. Bernd Marschall , Studiendekan der Fakultät – und entschuldigt dies mit der enormen Vielzahl von Anfragen zu Studien. „Für das Thema sind wir aber sehr sensibilisiert“, betont Marschall – er freue sich über das Engagement der Studierenden, das heikle Thema aufzugreifen.

Eine Initiative der Fachschaft Medizin, dem Umgang mit Einflussnahme aus der Industrie im Lehrbetrieb mit expliziten Regeln zu begegnen, hat der Fachbereichsrat allerdings vor längerer Zeit schon eine Absage erteilt. Die an der ganzen Universität beschlossenen Regeln für gutes wissenschaftliches Arbeiten genüge, um der Einflussnahmen vorzubeugen, so damals der Tenor, berichtet Marschall.

Max Wielenga - münsterischer Medizinstudent im sechsten Semester und aktiv bei der Gruppe UAEM, sieht das etwas anders. So werde etwa in den Pharmakologie-Vorlesungen häufig von den Dozenten nicht von Wirkstoffen, sondern gängigen Arznei-Präparaten gesprochen, sagt er. „Wir haben als angehende Ärzte nicht das Gefühl, immer gut darauf vorbereitet zu werden, wie wir im Beruf mit der Einflussnahme der Wirtschaft umgehen können“, sagt Wielenga.

Fakultät sensibilisiert für das Thema

So hätten nach einer Umfrage unter Studierenden, acht von zehn künftigen Medizinern schon in der Ausbildung Geschenke der Industrie erhalten. Seien es Sachgegenstände oder auch Einladungen zu Tagungen mit Verpflegung in angenehmer Atmosphäre. Apropos Verpflegung: Die Fakultät selbst, so erzählt es Studiendekan Marschall, habe schon einmal bewusst Studierende in die Irre geführt, um sie für das Thema zu sensibilisieren. Bei einer Vorlesung behauptete ein Dozent Vertreter eines Pharma-Unternehmens zu sei.

Am Ende gab es – angeblich von der Firma gesponsert, Kaffee und Kuchen, bevor die Studierenden über die Fake-Vorlesung aufgeklärt wurden. Auch wenn sich durch solche Maßnahmen mancher böswillig an der Nase herumgeführt sähe – Max Wielenga „hätte damit kein Problem“, wünscht sich mehr solcher Veranstaltungen.

Auch Studiendekan Marschall will die Reflexion über die Berufspraxis unter den Studierenden fördern. So habe die Fakultät etwa Zahnmedizin-Studierenden bei der Organisation einer Jahrestagung unter die Arme gegriffen. Bei früheren Tagungen an anderen Hochschulen hatte diese Rolle die Industrie übernommen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7022410?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Grippewelle erreicht Münsterland
Influenza-Fallzahlen sprunghaft gestiegen: Grippewelle erreicht Münsterland
Nachrichten-Ticker