Funde aus 2000 Jahren
Überraschende Entdeckungen bei Ausgrabung am Syndikatplatz

Münster -

Bei Ausgrabungen am Syndikatplatz haben die Archäologen spannende Entdeckungen gemacht – darunter Scherben aus der Zeit um Christi Geburt. Stadtarchäologin Dr. Aurelia Dickers spricht von einem „Glücksfall“.

Samstag, 26.10.2019, 12:00 Uhr
Grabungshelfer Jan Vermehren bewegt den Kratzer auf dem im 12. Jahrhundert verlegten Pflaster der Syndikatgasse (l.).
Grabungshelfer Jan Vermehren bewegt den Kratzer auf dem im 12. Jahrhundert verlegten Pflaster der Syndikatgasse. Foto: Oliver Werner

Die Ausgrabungsfläche ist klein – doch sie befindet sich an einer hochinteressanten Stelle. Im Bereich des heutigen Syndikatplatzes, zwischen Rossmann und dem Modehaus Petzhold, herrschte bereits im Mittelalter reges Treiben. Dort befand sich nicht nur das Amtshaus des Syndikus, der für die Rechtsgeschäfte der Stadt verantwortlich war, sondern auch das jüdische Viertel.

Seit dem Frühjahr graben dort Mitarbeiter der münsterischen Stadtarchäologie in schmalen, tiefen Gräben, in denen die Stadtwerke nach Abschluss der Ausgrabungen Versorgungsleitungen verlegen werden. Mit dem Ergebnis ist Stadtarchäologin Dr. Aurelia Dickers mehr als zufrieden: „Ein Glücksfall. Viele Bereiche waren noch ungestört, so haben sich viele Mauern, Gruben und Schichten erhalten.“

Scherben und alte Straßen

So wie eine helle Sandschicht, bei der es sich um einen Horizont aus der römischen Kaiserzeit (Zeitenwende bis drittes Jahrhundert nach Christus) handelt. Er befindet sich in etwa 1,50 Meter Tiefe und enthielt viele Scherben – Überreste von Behältnissen, die einst in Münster lebende Germanen nutzten, wie Grabungsleiter Holger Jakobi und Dr. Jan Markus von der Stadtarchäologie berichten.

Wenige Meter entfernt haben die Wissenschaftler Teile der alten Syndikatgasse freigelegt. Sie führte einst vom Prinzipalmarkt U-förmig um das Rathaus herum. Richtig befestigt war sie damals noch nicht. „Im zwölften Jahrhundert hat man dort einfach nur Steine hingestreut“, erläutert Markus.

Ein ganz besonderer Fund

Zu jener Zeit befand sich in diesem Bereich das münsterische Judenviertel. Bei einem Pestpogrom wurde es 1350 bereits wieder ausgelöscht. Einzelfunde, die eindeutig mit der jüdischen Geschichte des Quartiers in Verbindung stehen, wurden jedoch bislang nicht gemacht, sagt Markus.

Dafür kamen zahlreiche Scherben, Tierknochen und Brandschutt ans Tageslicht – sowie ein ganz besonderer Fund. Die Stadtarchäologen entdeckten rund ein Dutzend Objekte aus Ton, bei denen es sich um Gussformen für Buchschließen handelt. Sie stammen aus dem elften Jahrhundert und haben zum Teil figürliche Motive (Löwen), sagt Jakobi. Es dürfte sich damit einst eine Schmiedewerkstatt in der Nähe befunden haben. Aus dem zwölften oder 13. Jahrhundert stammen zudem ein Glasring und ein Sandstein-Kerzenhalter. Pfostengruben, Gruben und eine Feuerstelle verweisen zudem auf Besiedlungen zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert.

Die Grabungen werden kurz vor Beginn der Weihnachtsmärkte unterbrochen, sollen aber 2020 fortgesetzt werden.

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