Batterieforschung
Millionenschwere Forschungsfabrik in Münster nimmt Gestalt an

Münster -

Das 700-Millionen-Euro-Projekt Batterieforschungsfabrik in Münster ist in die Realisierungsphase eingetreten. Professor Jens Tübke von der Fraunhofer-Gesellschaft koordiniert das Riesenprojekt. Ein Vorbild dafür gibt es bisher nicht.

Mittwoch, 30.10.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 30.10.2019, 09:23 Uhr
Prof.Jens Tübke, hier bei seiner Rede zum Jubiläum des „Meet“ im September, leitet den Aufbau der Batterieforschungsfabrik.
Professor Jens Tübke, hier bei seiner Rede zum Jubiläum des „Meet“ im September, leitet den Aufbau der Batterieforschungsfabrik. Foto: Karin Völker

Jens Tübke ist Professor am Fraunhofer-Institut für chemische Technologie in Pfinztal bei Karlsruhe. Jetzt hat der Experte für angewandte Elektrochemie viel in Münster zu tun. Hier dreht Tübke – wahrhaft ohne Übertreibung – ein Millionending. Der 51-Jährige koordiniert im Auftrag der Fraunhofer-Gesellschaft den Aufbau der Batterieforschungsfabrik im Hansa-Business-Park in Amelsbüren – und dafür gibt der Bund bekanntlich in den nächsten Jahren schwindelerregende 500 Millionen, das Land noch einmal 200 Millionen zusätzlich aus. Die ersten 150 Millionen Euro sind, wie berichtet, jetzt freigegeben worden.

Offizieller Startschuss

Am heutigen Mittwoch werden in Düsseldorf NRW-Wissenschaftsministerin Isabel Pfeifer-Poensgen und Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart bei einem Pressegespräch den Startschuss für die Umsetzung des Projekts geben. Tübke und sein Team, etwa 45 Mitarbeiter von Instituten der Fraunhofer-Gesellschaft, haben längst mit der Arbeit angefangen. Im Nano-Bioanalytik-Zentrum an der Mendelstraße, unweit vom Batterieforschungszentrum „Meet“ haben Tübke und weitere Mitarbeiter nun Büros vor Ort.

Tübke agiert vorerst als kommissarischer wissenschaftlicher Leiter beim Aufbau der Forschungsfabrik – eine Stelle dafür schreibt die Fraunhofer-Gesellschaft nun offiziell aus. Bisher hat der Wissenschaftler die Arbeit zur Batterieforschungs- und Fertigung in 20 verschiedenen Fraunhofer-Instituten koordiniert.

Für das, was Tübke nun in Angriff genommen hat, „gibt es keine Blaupause“, so sagt er es selbst. Die Konzeption des Projekts sei weltweit einzigartig – vor allem mit Blick auf die öffentliche Finanzierung, betont er.

"Harte globale Konkurrenz"

Tübke arbeitet seit langem in Baden-Württemberg, dem Bundesland, das sich große Chancen auf die Förderung gemacht hatte. Zu dem immer noch schwelenden politischen Streit um die Vergabe des Mega-Projekts durch Bundesforschungsministerin Karliczek sagt Tübke nur so viel: „Bei der Batterieforschung geht es um harte globale Konkurrenz, da ist es vielleicht nicht so entscheidend, ob die Forschungsfabrik in München oder Münster steht“.

Die Zusammenarbeit mit dem Land NRW, der Stadt Münster und den wissenschaftlichen Partnern im Batterieforschungszentrum „Meet“ der Uni Münster, der RWTH Aachen und dem Kernforschungszentrum Jülich laufe „sehr gut“.

Momentan arbeitet Tübkes Team an den ersten Ausschreibungen für die Fabrik. Die wichtigste Anforderung für Gebäude und Einrichtung sei größtmögliche Flexibilität: Hier wird es darum gehen, immer wieder verbesserte Anlagentechnologie für die Batteriefertigung zu testen – und natürlich die dort in Serie produzierten Batterien selbst.

Tübke hofft, dass etwa in einem Jahr mit den Bauarbeiten in Amelsbüren begonnen werden kann, das Gebäude und die technische Grundausstattung soll ein Jahr später fertig sein. Ihren Regelbetrieb könnte dann die Fabrik mit rund 150 Mitarbeitern 2023 aufnehmen.

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