40 Jahre Grüne im Rat
Am Anfang war der Karneval . . .

Münster -

40 Jahre Ratsfraktion der Grünen: Münsters ehemalige Oberbürgermeister erinnerten sich bei der Jubiläumsveranstaltung im Rathausfestsaal an die spannende Entwicklung von der Protestpartei zum Koalitionspartner.

Montag, 04.11.2019, 12:00 Uhr aktualisiert: 05.11.2019, 17:52 Uhr
Sie haben in den vergangenen 40 Jahren die Fraktion der Grünen im Rat geführt (v.l.): Wilhelm Breitenbach, Uwe Baumann, Thomas Marczinkows­ki, Maria-Klein-Schmeink, Hery Klas, Clemens Bruns-Sommerhage, Olaf Steinmeier, Helga Bennink und Otto Reiners.
Sie haben in den vergangenen 40 Jahren die Fraktion der Grünen im Rat geführt (v.l.): Wilhelm Breitenbach, Uwe Baumann, Thomas Marczinkows­ki, Maria-Klein-Schmeink, Hery Klas, Clemens Bruns-Sommerhage, Olaf Steinmeier, Helga Bennink und Otto Reiners. Foto: Oliver Werner

So ändern sich die Zeiten. Als Jörg Twenhöven , CDU-Oberbürgermeister in Münster von 1984 bis 1994, vor 40 Jahren die ersten Grünen im Stadtrat kennenlernte, da kamen sie ihm vor „wie Leute, die aus einem Karnevalswagen gesprungen sind“.

Marion Tüns regierte als SPD-Oberbürgermeisterin von 1994 bis 1999 gemeinsam mit den Grünen in Münster. Ihr Fazit: „Menschlich angenehm, sachlich anstrengend.“

Dr. Berthold Tillmann wiederum erlebte als Oberbürgermeister von 1999 bis 2009 die Grünen nur als Opposition, und doch attestierte er ihnen: „Die Grünen haben nicht nur eine Meinung, sie haben auch Ahnung.“

Twenhöven, Tüns und Tillmann waren drei von vielen Gesprächspartnern, die der Moderator Adam Riese am Sonntagabend im Rathausfestsaal auf die Bühne holte. Der Anlass: Die Grünen feiern Jubiläum, weil sie seit genau 40 Jahren im Rat der Stadt Münster aktiv sind.

Harald Wölter, GAL-Ratsmitglied der ersten Jahre, kam beispielsweise in einem Bademantel auf die Bühne. Mit eben diesen Bademänteln protestierten die Grünen seinerzeit gegen den Bau der Aegidii-Tiefgarage, weil dafür so immens viel Grundwasser abgepumpt wurde.

Auch Clemens Bruns-Sommerhage, GAL-Fraktionschef in den 1990er-Jahren, zählte auf, wie seine politische Sozialisation in Münster ausgesehen habe: Widerstand gegen die Südtangente, Widerstand gegen die Bebauung der Rieselfelder, Widerstand gegen den „CDU-Filz in der Immobilienwirtschaft“. In den ersten beiden Punkte habe der Widerstand Erfolg gehabt. Was den dritten Punkt betrifft, so konnte sich Bruns-Sommerhage nicht den Seitenhieb verkneifen, dass die CDU möglicherweise vor einem Rückfall stehe.

Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) kam die Aufgabe zu, ein Grußwort zu halten. Er attestierte der seit 40 Jahren in Münster aktiven Partei, über einen Narrativ, eine Story zu verfügen.

Zugleich nutzte er aber auch die Gelegenheit, um den Grünen (Bündnispartner der CDU im Rat) ins Gewissen zu reden. Ohne den aktuellen Zankapfel, das Projekt Hafencenter, beim Namen zu nennen, forderte Lewe die Grünen auf, sich zu entscheiden, ob sie im Rat gestalten oder Opposition betreiben wollten: „Beides gleichzeitig geht nicht.“

Oder vielleicht doch? So wies mancher Grüner am Abend darauf hin, dass man zu Zeiten der rot-grünen Koalition im Rathaus zwar mit der SPD regiert, aber gegen den Preußen-Park opponiert habe. Und Jörg Twenhöven frotzelte: „Grüne Oppositionspolitik ist kreativer als die der SPD.“

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