Umstrittenes Bauprojekt
Stadt legt Eckdaten für den „Hafen-Markt“ am Hansaring vor

Münster -

Das umstrittene Hafencenter-Projekt in Münster geht in die nächste Runde. Die Stadt hat die Eckdaten für ein neues Bebauungsplanverfahren vorgelegt. Ob es aber bis zum 11. Dezember eine politische Einigung gibt, ist offen.

Mittwoch, 06.11.2019, 16:26 Uhr aktualisiert: 06.11.2019, 19:05 Uhr
So könnte der neue „Hafen-Markt“ aussehen: Im Vordergrund ist die Zufahrt vom Hansaring aus, hinten entlang dem Hafenweg befindet sich eine Grünfläche. Auch alle Dächer werden begrünt.
So könnte der neue „Hafen-Markt“ aussehen: Im Vordergrund ist die Zufahrt vom Hansaring aus, hinten entlang dem Hafenweg befindet sich eine Grünfläche. Auch alle Dächer werden begrünt. Foto: Stadt Münster

Ring frei für die nächste Runde im Tauziehen um das umstrittene Hafencenter am Hansaring, das die Investoren inzwischen Hafen-Markt nennen: Die Eckdaten für ein neues Bebauungsplanverfahren für den Bereich des Einkaufszentrums, dessen Baustelle nach einem Gerichtsurteil ruht, liegen seit Mittwoch offiziell auf dem Tisch – und decken sich mit den jüngst von der Firma Stroetmann als Investor vorgestellten und bereits öffentlich diskutierten Veränderungen am ursprünglichen Konzept.

Die politische Mehrheit fehlt

Eine politische Mehrheit für einen Aufstellungsbeschluss für einen neuen Bebauungsplan steht derzeit aber in den Sternen. Das schwarz-grüne Ratsbündnis bringt in dieser Frage keine eigene Mehrheit zustande. So dürfte es in den nächsten Wochen zu intensiven Verhandlungen zwischen CDU und SPD kommen, um eine jahrelange Bauruine in dem Viertel zu vermeiden.

Der Fahrplan von Planungsdezernent Robin Denstorff sieht eine Abstimmung in der letzten Ratssitzung des Jahres am 11. Dezember vor. Im Falle eines positiven Votums wäre der Weg für eine frühzeitige Bürgerbeteiligung samt öffentlicher Informationsveranstaltung frei, heißt es in einer Mitteilung der Stadt.

Geplante Änderungen 

Aus Sicht der Planungsverwaltung, die empfiehlt, ein Bebauungsplanverfahren einzuleiten, hat sich „das Vorhaben der Firma Stroetmann mit den überarbeiteten Plänen für den Hafen-Markt deutlich geändert“. Als Belege dienen 450 Quadratmeter weniger Verkaufsfläche für das vorgesehene neue E-Center, das damit 2950 Quadratmetern groß sein soll. Zusätzlich sind eine 800 Quadratmeter große Grünfläche („Pocketpark“) am Hafenweg und die Begrünung aller Gebäudedächer vorgesehen. Zugleich verweist man auf den Wegfall von etwa 50 oberirdischen Pkw-Stellplätzen, auf eine Quartiersgarage mit 220 Stellplätzen und 27 Ladestationen für Elektroautos.

Auf dem 2,7 Hektar großen Gelände soll es 370 Stellplätze für Fahrräder, darunter 30 für Lastenräder, geben. 30 Prozent der geplanten 34 Wohnungen seien förderfähig, daneben sind eine Kindergroßtagespflege, ein Carsharing-Angebot für das Quartier sowie neue Verbindung für Fußgänger und Radfahrer zwischen Hansaring und Hafenweg geplant.

Verweis auf Gutachten

Vor allem beim umstrittenen Thema der Verkehrsbelastung sieht sich die Stadt auf der sicheren Seite und verweist dabei auf Gutachten, die sich noch an den ursprünglichen Plänen orientiert haben. Danach wird laut Stadt zum Beispiel ein Anstieg der Verkehrsbelastung in Teilbereichen des Hansarings um maximal 600 Kraftfahrzeuge – das wäre eine Zunahme um vier Prozent – prognostiziert. „Da die Verkaufsfläche nun verringert werden soll, dürfte diese Zunahme etwas geringer ausfallen“, lautet die Einschätzung in der städtischen Pressemitteilung. Auch die Erkenntnisse zum Einzelhandel, zu Schallemissionen und zu Luftschadstoffen stünden der Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens ebenfalls nicht im Weg.

 

Hafencenter - Chronologie eines umstrittenen Projekts

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  • So sah es am Hansaring 2016 noch aus: Das alte Postgebäude stand noch. An seiner Stelle sollte ein Einkaufszentrum entstehen.

    Foto: Oliver Werner
  • Nach dem Abriss ist Blick vom Hansaring auf die Osmohallen freigegeben.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Für einen Paukenschlag sorgte das Oberverwaltungsgericht Münster im April 2018: Es kippte den Bebauungsplan für das Hafencenter-Gelände.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Bagger rollten trotzdem an.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Da die Stadt die Baugenehmigung für das Hafencenter nicht zurückzog, konnten die Bauarbeiten weitergehen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Im Sommer 2018 wurde die Bodenplatte für das Einkaufszentrum fertig.

    Foto: Oliver Werner
  • Am 1. Februar stoppte das OVG Münster dann die Bauarbeiten, indem es die aufschiebende Wirkung der Klage gegen die Baugenehmigung bestätigte.

    Foto: Matthias Ahlke

 

Offener Brief der Kaufleute in der Warendorfer Straße

Kaufleute  appellieren an Politik

Zum Hafencenter nehmen die Kaufleute von „Münsters Warendorfer Straße e.V.“ in einem offenen Brief an die Ratsfraktionen Stellung. „Leider geht es gar nicht mehr um die eigentlichen Sachfragen“, kritisieren sie. Stattdessen werde diskutiert, ob die CDU/Grünen-Koalition fortgeführt oder sich die SPD als neuer Machtfaktor etabliere. „Alle Welt beklagt die Politikverdrossenheit der Bürger. Sie, unsere Ratsvertreter, machen sich hoffentlich keine Illusionen, wie ihr Verhalten bei uns Wählern ankommt“, betonen die Kaufleute.

Vor acht Jahren hatten sie sich in Verbindung mit Kaufleuten von der Wolbecker Straße, vom Hansaring und von der Hammer Straße gegen das E-Center am Hafen ausgesprochen. An der Situation und an den Gründen habe sich bis heute nichts Wesentliches geändert, allenfalls seien ablehnende Gründe noch schwerwiegender geworden. Auch neue Wohnungen auf dem Gelände rechtfertigten nicht die Verdreifachung des Angebots an diesem Standort.

„Trennen Sie eine so wichtige Entscheidung vom Machtpoker um Koalitionen und beenden Sie die aktuelle machtpolitische Erpressung. Machen Sie alle zusammen aus dem Hafen wieder eine Sachentscheidung, trennen Sie die Entscheidung von der Abstimmung über den Haushalt und nehmen Sie den Klimanotstand ernst“, appellieren die Kaufleute.

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