Vortrag in der Stadtbücherei
Verwaltung war Täter – nicht Opfer

Münster -

Welche Rolle spielte die münsterische Stadtverwaltung im Nationalsozialismus? Annika Hartmann und Philipp Erdmann gaben auf diese Frage bei einem Vortrag in der Stadtbücherei Antworten.

Freitag, 08.11.2019, 12:00 Uhr aktualisiert: 08.11.2019, 13:28 Uhr
Stefanie Dobberke (Stadtbücherei, v.l.) und Christoph Spieker (Villa ten Hompel) ,mit den Referenten Annika Hartmann und Philipp Erdmann sowie Peter Worm (Stadtarchiv).
Stefanie Dobberke (Stadtbücherei, v.l.) und Christoph Spieker (Villa ten Hompel) ,mit den Referenten Annika Hartmann und Philipp Erdmann sowie Peter Worm (Stadtarchiv). Foto: tw

Welche Rolle spielte die münsterische Stadtverwaltung im Nationalsozialismus? Diese Frage stellten sich Annika Hartmann und Philipp Erdmann in ihren Doktorarbeiten, die durch ein Stipendium der Villa ten Hompel unterstützt wurden.

Drei Jahre durchforsteten sie im Forschungsprojekt „Historische Aufarbeitung der Rolle der Stadtverwaltung Münster im Nationalsozialismus“ der Universität Münster Archive, immer auf der Suche nach Hinweisen, wie sich die Stadtverwaltung unter der Nazi-Diktatur verhielt: willenlose Kooperation oder Widerstand?

Am Mittwoch stellten sie ihre Ergebnisse beim „Mittwochgespräch“ in der Stadtbücherei Münster vor. Obwohl Einzelpersonen in Münster Widerstand gegen die NS-Diktatur leisteten, arbeitete die Stadtverwaltung in vielen Bereichen mit dem NS-Regime zusammen. So wurde Anfang der 1930er die Ratsleitung durch NS-Funktionäre ersetzt, erklärte Annika Hartmann. Zusammen mit Philipp Erdmann analysierte sie Korrespondenzen und Stadtprotokolle. Dabei habe sie der ein oder andere antisemitische Kommentar zusammenzucken lassen, sagt die 31-Jährige.

Auch Erdmann bestätigt: Die Stadtverwaltung in Münster war häufig Täter, nicht Opfer. „Die Stadtverwaltung war auf den Krieg vorbereitet, ja, nutzte ihn sogar zur Profilierung“, betonte der 32-Jährige.

So konnte Münster als Gauhauptstadt- und Garnisonsstadt während der NS-Zeit Kompetenzen erweitern. Die Verwaltung strich jüdische Lebensmittel-Lieferanten von Listen, der spätere Stadtrat Heinrich Austermann sorgte in seiner Funktion im Rechtsamt 1938 dafür, dass Grundstücke von Juden beschlagnahmt – also „arisiert“ – wurden.

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