Klimakonferenz münsterischer Schulen
Denkanstöße für klimaschonendes Handeln

Münster -

Was kann ein jeder im Alltag tun, um das Klima zu schützen? Mit dieser Frage beschäftigten sich am Freitagmorgen (8. November) rund 150 Kinder und Jugendliche, die aus vielen münsterischen Grundschulen und weiterführenden Schulen in die Aula des Paulinums zur Klimakonferenz gekommen waren. Und siehe da: Es braucht nicht viel, um einen Unterschied zu machen.

Freitag, 08.11.2019, 17:45 Uhr aktualisiert: 08.11.2019, 19:15 Uhr
Dicht gedrängt informierten sich die Schüler an den einzelnen Ständen über klimaschonende Maßnahmen.
Dicht gedrängt informierten sich die Schüler an den einzelnen Ständen über klimaschonende Maßnahmen. Foto: Pjer Biederstädt

Die Hose für acht Euro, das T-Shirt für fünf – in Mode-Discountern können Teenager auch mit schmalem Budget Outfit um Outfit kaufen. Doch um sogenannte Fast Fashion machen Sophia Bendfeldt (15), Anna Reinhardt (14) und Afjanya Kakony (15) einen großen Bogen.

Die drei Schülerinnen vom Ratsgymnasium setzen sich nämlich dafür ein, dass Kleidung nicht als Wegwerfware, sondern als Wertstoff wahrgenommen wird. Deshalb betreiben sie zusammen mit ihrer Lehrerin Christiane Sendal den Schulshop „Gold Fashion“, eine Art Second-Hand-Laden. Dort können Schüler, Eltern und Lehrer Kleidung, aber auch Spiele oder Bücher tauschen, um nachhaltig mit Ressourcen umzugehen.

Kleine Botschafter

Und genau darum ging es am Freitagmorgen bei der Klimakonferenz der Schulen im Gymnasium Paulinum. Wie kann jeder im Alltag konkret zum Klimaschutz beitragen? Mit dieser Frage beschäftigten sich die rund 150 Kinder und Jugendlichen, die aus vielen münsterischen Grundschulen und weiterführenden Schulen in die Aula des Paulinums gekommen waren. „Sie sollen die Inhalte der Konferenz als Botschaft weiter in die Klassen und die Familien tragen“, skizzierte Anja Karner, Leiterin des städtischen Projekts „Klimaschutz macht Schule“, das Ziel der Tagung.

Klimakonferenz der Schulen in Münster 2019

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  • Sophia Bendfeldt (v.l.), Afjanya Kakony, Anna Reinhardt und Lehrerin Christiane Sendal betreiben im Ratsgymnasium den Second-Hand-Laden „Gold Fashion“ für nachhaltigen Umgang mit Kleidung. Demnächst soll sogar eigene Schulkleidung genäht werden. Sie stellten ihr Konzept bei der Klimakonferenz vor.

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  • Im Gymnasium Paulinum in Münster begrüßte Schuldirektor Dr. Tobias Franke die rund 150 Schüler bei der von der Stadt und der Schule organisierten Klimakonferenz.

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  • In der Aula blieb kein Hocker unbesetzt.

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  • Umweltdezernent Matthias Peck begrüßte die Jugendlichen zu der Tagung und stellte das Projekt „Klimaschutz macht Schule“ vor. Auf 73 Schulen und 27 Kitas sei der Kreis der Aktiven beim Projekt „Klimaschutz macht Schule“ inzwischen angewachsen. Seit 1998 unterstütze die Stadt die Einrichtungen beim Energie- und Abfallsparen und mache sie gemeinsam mit dem Teams fit für den Klimaschutz.

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  • Bundesumweltministerin Svenja Schulze unterstützte die Tagung mit einer Videobotschaft.

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  • Marlena Grab von der Bewegung „Fridays for Future“ ermutigte die Jugendlichen, sich der Klimaprotest-Bewegung anzuschließen.

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  • Moritz Grohs und Sophia Schwalm haben das Maßnahmenpaket zum Klimaschutz am Paulinum vorgestellt, mit dem sie beim Bundesumweltwettbewerb einen Preis gewonnen haben.

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  • Gespannt hören Johanna Woschalik (v.l.), Josch Rehli, Pascal Kanngießer und Anna Onnebrink am Stand von „Fridays for Future“ zu. Sie selbst versuchen viel Fahrrad zu fahren, kein Fleisch zu essen und viel Second Hand-Mode zu kaufen, sagen sie.

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  • Viel Betrieb gab es an den neun Info-Ständen auf dem „Markt der Möglichkeiten“.

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Mit dem Projekt, das es bereits seit 22 Jahren gibt, hätten die 73 teilnehmenden Schulen und 27 Kitas in den letzten 15 Jahren 1,4 Millionen Kilowattstunden Strom, 8,4 Millionen Kilowattstunden Heizenergie und 2,5 Millionen Kilogramm Kohlendioxid eingespart, sagte Umweltdezernent Matthias Peck in seiner Ansprache. 30 Prozent des gesparten Gelds gingen zurück an die Schulen. Außerdem betonte Peck, dass in Münster schon einiges, aber noch nicht genug für den Klimaschutz getan würde und ermutigte die Jugendlichen, ressourcenschonend zu handeln.

Videobotschaft von der Bundesministerin

Den Versuch von Bundesumweltministerin Svenja Schulze, den Schülern das Klimapaket der Bundesregierung per Videobotschaft als Meilenstein anzupreisen, konterte Marlena Grab von „Fridays for Future“: „Bei uns wird das Klimapaket immer als Klimapostkarte bezeichnet“.

Nach ihrem Vortrag über die Protestkultur versammelten sich viele Jugendliche am Stand der Aktivistin. An weiteren acht Ständen etwa von der Verbraucherzentrale, den Abfallwirtschaftsbetrieben oder der Stadt informierten sich die Teilnehmer über verschiedene Möglichkeiten zum aktiven Klimaschutz.

Kommentar: Guter Ansatz, aber ausbaufähig

Mit einer Klimakonferenz für Schüler setzen Stadt und Schulen ein wichtiges Zeichen. Dem Nachwuchs beizubringen, wie man Ressourcen schont und ihnen Denkanstöße mit auf den Weg zu geben, wie sich im Alltag Energie sparen lässt, ist ein guter Ansatz. Im besten Fall setzen sie die Erkenntnisse in die Tat um und erzählen es weiter – ihren Mitschülern, Freunden, Eltern.

Einen wichtigen Aspekt sprach Paulinum-Schulleiter Dr. Tobias Franke während der Tagung an. Ein Bewusstsein für klimaschonendes Verhalten zu entwickeln, bedeute auch, Verzicht zu üben. Freitags demonstrieren zu gehen, stärkt das Demokratie-Verständnis der Schüler. Es ist außerdem ihr gutes Recht, für ihre Anliegen auf die Straße zu gehen. Aber es ist eben auch leichter, als auf die neusten Markenschuhe oder das aktuelle Handymodell zu verzichten. Deshalb war die Ausrichtung der Konferenz auf konkrete Handlungsmöglichkeiten besonders wichtig.

Die Freiwilligkeit der Teilnahme an der Konferenz hatte zur Folge, dass viele Schüler ins Paulinum kamen, die für das Thema bereits sensibilisiert waren. Es wäre sicher einen Versuch wert, mit der Veranstaltung auch die zu erreichen, die nicht mit dem Fahrrad zur Schule fahren, allwöchentlich für das Klima demonstrieren und sich vegetarisch ernähren.</p><p>Denn wie wichtig es ist, dem Nachwuchs die Folgen des Klimawandels zu vermitteln, zeigt sich in Italien. Dort wurde kürzlich beschlossen, „Klimawandel“ als Schulfach einzuführen. Pjer Biederstädt

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