Erinnerungen an den Mauerfall
„Wir haben sofort Taxen bestellt“

Münster -

Es gibt Dinge, die vergisst man sein Leben lang nicht. Für viele Münsteraner gehört der Mauerfall dazu – einige Münsteraner erinnern sich.

Samstag, 09.11.2019, 15:00 Uhr aktualisiert: 10.11.2019, 14:38 Uhr
Ein Dokument der Wendezeit: Auf der Berliner Mauer steht der heutige Oberbürgermeister Markus Lewe (hinten M.) in der Nacht vom 9. auf den 10. November.
Ein Dokument der Wendezeit: Auf der Berliner Mauer steht der heutige Oberbürgermeister Markus Lewe (hinten M.) in der Nacht vom 9. auf den 10. November. Foto: privat

Es gibt diese herausragenden Ereignisse, von denen fast jeder weiß, wie und wo er sie erlebt hat. Der Fall der Mauer am 9. November gehört zweifellos dazu. Der heutige Oberbürgermeister Markus Lewe wohnte dem geschichtsträchtigen Ereignis in Berlin hautnah bei. Eigentlich war er für ein Seminar der Adenauer-Stiftung in die damals geteilte Stadt geflogen. Es sollte um die deutsche Frage gehen.

Doch in den Nachtstunden auf den 10. November ging es für Lewe per Räuberleiter auf die Mauer. Im Hotel hatten er und seine Mitfahrer aus Münster spät nach einem Kneipenabend die Bilder von der geöffneten Grenze gesehen. „Wir haben sofort Taxen bestellt und sind zur Prinzenstraße gefahren.“ Dort sah Lewe „wildfremde Menschen, die sich weinend in den Armen lagen“. Und: „Ein Volkspolizist sagte mir: Wir feiern heute Nacht Versöhnung.“ Bis heute gehe ihm bei der Erinnerung an die bewegten Tage ein Schauer runter: „Das war so irre.“

Reaktionen aus der ganzen Welt

Ähnlich dürfte es unserem Leser Klaus Kornmann ergangen sein. Ihn erreichte die Nachricht Tausende Kilometer fernab der Heimat: „Wir befanden uns auf dem Flughafen von Santiago de Cuba und hörten auf der Deutschen Welle, dass die Mauer auf ist. Und im Fernsehen liefen Nachrichten mit dem Thema Alemania.“

Tasso Schwirz war am 9. November zusammen mit seiner Frau als Lehrer an der Deutschen Schule in Peking. „Die Ereignisse in Europa vor und während des Mauerfalls wurden in den chinesischen Staatsmedien bewusst ignoriert, denn man hatte das Kriegsrecht in China verhängt nach dem Massaker am Tiananmen-Platz.“ Vom eigentlichen Mauerfall habe er am nächsten Morgen von einem Schüler erfahren, dessen Vater die Nachricht über seine Firma gehört hatte. „Westliches Fernsehen war abgeschaltet. Bilder vom Mauerfall haben wir erst eine Woche später mit der Diplomatenpost erhalten.“ Und ein Freund schickte eine Videokassette mit den Live-Sendungen.

Der Münsteraner Ludger Holtkamp verfolgte den Mauerfall bei einer Kur in Davos. Er erinnert sich auch an die Zeit davor: „Ab dem Jahr 1985 habe ich das Gefühl gehabt, dass die Mauer bald Geschichte sein würde. Ich habe damals im Düsseldorfer Kollegenkreis Wetten angeboten, dass die Mauer noch im selben Jahrzehnt fallen würde.“ Doch die Kollegen hätten nur wirtschaftliche Nachteile befürchtet.

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