Kaffeehaus-Erinnerung
Ein Stückchen Grotemeyer

Münster -

Das Café Grotemeyer war in Münster eine Institution. Seit März ist es geschlossen, doch ein Stückchen davon lebt wieder auf. Und das gleich in doppelter Hinsicht.

Dienstag, 12.11.2019, 21:00 Uhr
In roten Blazern schnitten Bürgermeisterin Karin Reismann (2.v.l.) und die frühere Kaffeehaus-Betreiberin Dr. Gabriele Kahlert-Dunkel das rote Band der Grotemeyer-Lounge im Café „1648“ hoch über den Dächern von Münster durch.
In roten Blazern schnitten Bürgermeisterin Karin Reismann (2.v.l.) und die frühere Kaffeehaus-Betreiberin Dr. Gabriele Kahlert-Dunkel das rote Band der Grotemeyer-Lounge im Café „1648“ hoch über den Dächern von Münster durch. Foto: Matthias Ahlke

Natürlich tragen die Damen Rot. Als Reminiszenz an die roten Plüschsessel im vergangenen Café Grotemeyer , in denen die Gäste so herrlich weich bei Zitronen-Buttercremetorte saßen, haben Bürgermeisterin Karin Reismann und die letzte Kaffeehaus-Betreiberin, Dr. Gabriele Kahlert-Dunkel , ihre Hingucker-Blazer angezogen. „Man saß so wunderschön auf dem roten Plüsch“, erinnert sich Reismann. Gut 200 Gäste sind im rappelvollen Café „1648“ dabei, als in der oberen Etage – im zwölften Stock des Stadthausturmes hoch über den Dächern Münsters – die Grotemeyer-Lounge präsentiert wird. Reismann und Kahlert-Dunkel schneiden offiziell das rote Band durch.

In der Lounge hängen nicht nur die beiden Porträtgemälde der Kaffeehausgründer Albert und Bertha Grotemeyer. Im gesamten Café gibt es auch die Kuchen, die original nach der Grotemeyer-Rezeptur gebacken werden. „Ich hatte die Idee, weil ich den Kuchen vermisst habe“, sagt Alexianer-Geschäftsführer Norbert Mussenbrock. Ob „Engadiner Walnusstorte“, „Spanische Mandeltorte“ oder „Grotemeyer Spezial“ – wer die Augen schließt, schmeckt ein Stückchen Grotemeyer. Garanten dafür sind die früheren Mitarbeiterinnen Stefanie Feldhues und Nesuin Yasemin, die heute für die Alexianer , die das „1648“ als integrativen Betrieb betreiben, arbeiten.

Doch nicht nur die Grotemeyer-Lounge feiert Premiere, sondern auch das Grotemeyer-Buch. Dorothée und Michael Kerstiens sowie Dr. Gabriele Kahlert-Dunkel haben die Familiengeschichte aufgeschrieben und erzählen damit 169 Jahre münsterische Kaffeehaus-Geschichte. „In Münster ging man zu Grotemeyer. Dort lernte man die Stadtgesellschaft kennen“, bescheinigt Reismann.

Das Haus Grotemeyer war in der Stadt eine Institution. Es war das älteste und letzte Café mit Konditoreibetrieb in der Wiener Kaffeehaustradition. Als Gabriele Kahlert-Dunkel in der fünften Generation im März endgültig die Lichter löschte, ging eine Ära zu Ende. „Den Schlüssel umzudrehen, war für mich nicht einfach“, sagt sie. Das Buch „169 Jahre Grotemeyer“ erinnert an die – bewusst persönlich geschriebene – Geschichte, unter anderem in der Zeit des Wiederaufbaus und als Münsters erstes Straßencafé entstand.

Der Clou sind die 25 Rezepte für Kuchen, Pralinen und Gebäck. Gabriele Kahlert-Dunkel hatte sich im Mai dazu entschlossen, die gut gehüteten und nur mündlich von Konditormeister zu Konditormeister weitergegebenen Backrezepte zur Veröffentlichung freizugeben. Buchautorin Dorothée Kerstiens hatte die Anleitungen, die mit der Unterstützung des langjährigen Backstubenleiters, Konditormeister Günter Brast, aufgeschrieben wurden, in der eigenen Küche auf die allgemeingültige Tauglichkeit getestet, dann fanden sie den Weg ins Buch. „Wir wollten nicht, dass dieser Schatz verloren geht“, sagt sie.

Zum Thema

Dorothée und Michael Kerstiens, Dr. Gabriele Kahlert-Dunkel: 169 Jahre Grotemeyer, 184 Seiten, Wermeling-Verlag, 24,90 Euro

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7062139?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Hochsaison für die Königin der Weihnachtsbäume
Ein Tag mit Laura Stegemann: Hochsaison für die Königin der Weihnachtsbäume
Nachrichten-Ticker