Höhere Kosten auch für Straßenreinigung
Deutliche Steigerung der Müllgebühren: Rücklagen sind futsch

Münster -

Warum steigen die Müllgebühren in Münster 2020 um 12,6 Prozent? Die Abfallwirtschaftsbetriebe widmeten diesem Thema am Mittwoch eigens eine Pressekonferenz.

Donnerstag, 14.11.2019, 07:00 Uhr
Sie erläuterten die Hintergründe der Kostensteigerung bei der Abfallentsorgung (v.l.): Christian Wedding und Patrick Hasenkamp von den AWM, Stadtrat Matthias Peck und Ludger Steinmann (SPD), Vorsitzender des Ausschusses für die Abfallwirtschaftsbetriebe.
Sie erläuterten die Hintergründe der Kostensteigerung bei der Abfallentsorgung (v.l.): Christian Wedding und Patrick Hasenkamp von den AWM, Stadtrat Matthias Peck und Ludger Steinmann (SPD), Vorsitzender des Ausschusses für die Abfallwirtschaftsbetriebe. Foto: Matthias Ahlke

Wie so oft im Leben, hat alles zwei Seiten, so auch Münsters Abfallgebühr. Die gute Nachricht: Zehn Jahre lang, von 2010 bis Ende 2019, gab es keine Gebührensteigerung. Die schlechte Nachricht: Zum 1. Januar 2020 steigen die Gebühren deutlich , und zwar um 12,6 Prozent. Bei einem Haushalt mit 60-Liter-Restmülltonne und 35-Liter-Biotonne sind es dann 265,20 Euro statt 232,80 Euro im Jahr.

Patrick Hasenkamp , Chef der Abfallwirtschaftsbetriebe Münster (AWM), erklärte bei einem Pressegespräch detailliert, wie der Anstieg der Gebühren zu erklären sei. 1,6 Prozent sind auf allgemeine Kostensteigerungen zurückzuführen, 2,9 Prozent auf die Einführung der neuen Wertstofftonne im nächsten Jahr und 8,2 Prozent darauf, dass „kompensierend wirkende Überschüsse“, wie es offiziell heißt, kaum noch zu Verfügung stehen.

Wissenswertes rund um die neue Wertstofftonne in Münster

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  • Zahlen zur Umrüstung:

    Insgesamt 50.000 Wertstofftonnen lösen im Stadtgebiet Münster den Gelben Sack ab - als Ergänzung zu Restmüll-, Bio- und Papiertonne.

    Zum Vergleich: Pro Jahr wurden etwa 7,5 Millionen Gelbe Säcke verteilt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Zielsetzung der Einführung der Wertstofftonne:

    In Münster erfolgt der Wechsel, damit künftig mehr Wertstoffe wiederverwendet werden. Ein weiterer Grund ist, dass die Gelben Säcke häufig für Ärger gesorgt haben, wenn Säcke aufgeplatzt sind oder von Tieren aufgerissen wurden, sodass sich der Inhalt auf Straßen und Bürgersteige verteilte.

    Foto: Ulrich Gösmann
  • Das gehört in die neue Tonne:

    Verpackungen wie Aufschnittfolien, Frischhaltefolien, Kunststoffflaschen (von z. B. Weichspüler und Waschmittel), Joghurtbecher, Milch- undSaftkartons, Konservendosen, Plastiktüten, Tiefkühlverpackungen (beschichtet)

    Kunststoffe wie Eimer, Gießkannen, Kanister, Kunststoffschüsseln, Klappkisten, Spielzeuge

    Metalle wie Aluminiumfolien und -schalen, Bestecke, Dosen, Töpfe und Pfannen, Scheren, Werkzeuge

    Foto: Oliver Werner
  • Das darf nicht in der Wertstofftonne entsorgt werden:

    Glas, Papier, Porzellan, Keramik, Textilien, Holz, CDs, DVDs, Altbatterien, E-Geräte, schadstoffhaltige Abfälle und unter anderem Windeln

    Foto: dpa
  • In welchen Größen werden die neuen Tonnen ausgeliefert? 

    Die Wertstofftonne gibt es mit einem Fassungsvermögen von 120, 240, 660 und 1100 Liter. 

    Orientiert an dem Volumen einer Restmülltonne gelten folgende grundsätzliche Regelungen:
     - Wer eine Restmülltonne mit einem Volumen von bis zu 90 Liter hat, bekommt eine 120 Liter Wertstofftonne.

    - Wer eine Restmülltonne ab 120 Liter hat, bekommt eine Wertstofftonne mit einem Volumen von mindestens 240 Liter.

    Es ist aber möglich, bei Bedarf eine größere Tonne zu erhalten. Für den Tausch fallen keine Kosten an.

    Foto: Oliver Werner
  • In welchen Abständen werden die Wertstofftonnen entleert?

    Der 14-tägige Abfuhrrhythmus wird beibehalten. Die Abfallwirtschaftsbetriebe Münster (AWM) fahren 22 Prozent der Tonnen ab, 78 Prozent übernimmt Remondis.

    Als kommunaler Entsorger in Münster sind die AWM zuständig für die Altstadt, den Bereich Innenstadtring sowie die Aaseestadt (im Foto gelb markierter Bereich). Im Auftrag der Dualen Systeme ist das Unternehmen Remondis zuständig für folgende Stadtbezirke und Stadtteile: Geist, Schützenhof, Düesberg, Mitte-Nordost, Münster-West, Münster-Nord, Münster-Ost, Münster-Südost und Münster-Hiltrup.

    Foto: WN
  • Wie viele Gelbe Säcke passen in eine 240-Liter-Wertstofftonne?

    In eine 240-Liter-Wertstofftonne passt ungefähr der Inhalt von fünf Gelben Säcken.

    Foto: Ulrich Gösmann
  • Welche Kosten entstehen durch die Umrüstung?

    Pro Einwohner und Jahr rechnen die AWM mit einer Gebührenerhöhung zwischen 2,50 und drei Euro. 

    Foto: Matthias Ahlke
  • Was ist, wenn die Wertstofftonne für die anfallende Entsorgungsmenge nicht ausreicht?

    Wenn einmal ungewöhnlich viel  Verpackungsabfälle entsorgt werden müssen, gibt es die Möglichkeit, die Verpackungsabfälle/stoffgleichen Nichtverpackungen an den Recyclinghöfen der AWM zu entsorgen.

    Foto: Ulrich Gösmann

Zum Hintergrund:

2015 übernahmen die AWM die bis dahin von der Firma Remondis betriebene Anlage zur Müllaufbereitung in Coerde. In der Folgezeit erzielten Hasenkamp und seine Mannschaft dadurch Einsparungen von mehreren Millionen Euro im Jahr, mit denen Preissteigerungen an anderen Stellen aufgefangen werden konnten.

Darüber hinaus lassen die AWM inzwischen die zur Verbrennung bestimmten Teile des Mülls nicht mehr in Oberhausen, sondern im niederländischen Enschede verbrennen. Auch dadurch haben sich Preisvorteile ergeben.

All diese Verbesserungen seien inzwischen in die Berechnung der Gebühren eingepreist, erklärte Hasenkamp weiter. Will sagen: Die jetzt anfallenden Steigerungen, so etwa zwei Millionen Euro mehr Personalausgaben allein im Jahr 2019, müssen auf die Gebühren umgelegt werden.

Auch Straßenreinigungsgebühren steigen

Parallel zu den Abfallgebühren steigen auch die Straßenreinigungsgebühren, wobei hier der Gesamttopf aber deutlich kleiner ist. Während es bei der Abfallentsorgung um ein Budget von weitaus mehr als 40 Millionen Euro geht, stehen für die Straßenreinigung „nur“ knapp sieben Millionen Euro zu Buche. Hier ergeben sich Gebührenanhebungen um 13,8 Prozent.

Da die Kalkulation sehr kompliziert ist, gab der stellvertretende AWM-Chef Christian Wedding allen Hauseigentümern folgende Faustformel mit an die Hand: Je Meter Grundstücksfront zur Straße steigen die Gebühren um 66 Cent im Jahr, wobei die Kosten auf die Zahl der Wohneinheiten umzulegen sind.

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