Wolfgang Bosbach spricht über seine Erkrankung
„Krebs ist nichts, für das man sich schämen müsste“

Münster -

Wolfgang Bosbach ist ehemaliger stellvertretender Fraktionschef der CDU, Ex-Vorsitzender des Innenausschusses, einer der vier häufigsten Gäste von Talkshows in ARD und ZDF. Und er ist herzkrank und lebt mit Prostatakrebs. Deswegen war er am Samstagvormittag Gast der „Lebensgespräche“ des Fördervereins „Palliativmedizin Raphaelsklinik“ in Münster.

Samstag, 16.11.2019, 12:51 Uhr aktualisiert: 17.11.2019, 17:39 Uhr
Wolfgang Bosbach spricht über seine Erkrankung: „Krebs ist nichts, für das man sich schämen müsste“
Bis zu seiner Krebsdiagnose war der Urologe für Wolfgang Bosbach immer ein Uhrmacher. An seiner Seite Gaby Marbach, Vorsitzende des Fördervereins "Palliativmedizin Raphaelsklinik". Foto: Wilfried Gerharz

„Ich bin heute nicht als Politiker hier, sondern als Mensch“, erntete er gleich den ersten Lacher – und berichtete abwechselnd über die Folgen seines Prostata-Krebses und erzählte Anekdoten aus seinem (Politiker-)Leben. Motto: „Immer offen drauf zu, dann gibt es auch eine Antwort“, ermunterte er die über 100 Gäste, ihm ihre Fragen zu stellen.

Seit der Krebsdiagnose sieht Bosbach das Leben mit anderen Augen, wie er es sagt: Nie an Dingen zu verzweifeln, die er nicht ändern kann. Zweitens so lange sein eigenes Leben leben, wie er es gerne leben würde. „Wenn ich Dinge aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr machen könnte, würde mir das schwer fallen.“ Und drittens versucht er den Menschen Mut zu machen, denn „Krebs ist nichts, was jemandem peinlich sein oder für das man sich schämen müsste“.

Hohe Werte zufällig entdeckt

Bis zu seiner Krebsdiagnose hatte Bosbach, wie er es sagt, „südlich des Äquators nie Probleme“. Der Urologe sei für ihn immer Uhrmacher gewesen. Als ein eigentlich routinemäßiger Eingriff für einen Batteriewechsel am Herzschrittmacher schief lief und für eine Blutspende sein Blut untersucht werden musste, entdeckten die Ärzte zu hohe PSA-Werte, die auf einen Prostata-Krebs hinweisen. Trotz einer späteren OP stiegen die Werte weiter, so dass Bestrahlungen nötig wurden. Als dann auch noch Metastasen in seiner Lunge entdeckt wurden, war das für Bosbach die „eigentliche Zäsur“. Den Satz „Nach menschlichem Ermessen ist mit Heilung nicht mehr zu rechnen“ zu hören, sei der schlimmste Moment gewesen – abgesehen davon sei eine Lungen-OP alles andere als ein Spaß.

Kampf gegen die Müdigkeit

Zu kämpfen hat er mit der chronischen Müdigkeit. Das höre sich nicht dramatisch an, aber „Für mich ist jeder Tag viel zu lang“, sagt Bosbach. „Alles nach 22 Uhr fällt mir unfassbar schwer.“ Das hindert ihn nicht daran, Einladungen zu 400 Veranstaltungen im Jahr anzunehmen. Gleichzeitig nimmt er jeden Arzttermin wahr, verzichtet auf Zucker und reduziert Kohlenhydrate. „Ich bin ein Süßer. Ich konnte mich in jedes Nachtisch-Buffet legen.“ Das ist vorbei. Eis lässt er links liegen. Und „ich habe das Gefühl, dass mir das gut getan hat“, sagt er.

Dem Publikum rät er zur Vorsorge (zu der er nie gegangen ist) und zu einem gesunden, bewussten Leben. Mit seiner Familie spricht so gut wie gar nicht über seinen Krebs. „Ich möchte meine Familie nicht belasten.“ Was ihm geholfen habe, sei der Glaube: „Ich kann nie tiefer fallen als in Gottes Hand“, sagt Bosbach.

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