2020 sollen rund 900.000 Euro fließen
Zuschuss sichert Stadion-Betrieb

Münster -

Ungeachtet der sportlichen Krise beim Fußball-Drittligisten Preußen Münster gehen die Lichter im Stadion an der Hammer Straße nicht aus – und auch das Wasser für die Toilettenspülung muss nicht abgestellt werden: Denn die Stadt Münster will dem seit Jahren notorisch klammen Traditionsverein eine EU-konforme Beihilfe in Höhe von exakt 916 020 Euro gewähren. Damit sollen Unterhalt und Betrieb der Sportstätte im kommenden Jahr abgesichert werden.

Dienstag, 19.11.2019, 18:43 Uhr aktualisiert: 19.11.2019, 21:19 Uhr
Ist die Ostkurve im in die Jahre gekommenen Preußen-Stadion bald Schnee von gestern? Erste Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie sollen demnächst vorgestellt werden.
Ist die Ostkurve im in die Jahre gekommenen Preußen-Stadion bald Schnee von gestern? Erste Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie sollen demnächst vorgestellt werden. Foto: da

Durch den Abschluss eines neuen Pacht- und Zuschussvertrags als Basis für die langfristige Zusammenarbeit am Standort Hammer Straße war die Neuberechnung des Zuschusses nach Angaben der Stadt notwendig geworden. Bereits im Frühjahr hatten sich Stadt und SCP darüber verständigt, dass die Vertragsumstellung weder für den Verein noch für den städtischen Haushalt zu Mehrbelastungen führen soll, heißt es.

Die Preußen hatten allerdings für das Jahr 2020 einen Zuschussbedarf von gut 1,4 Millionen Euro vorgerechnet, der etwa Kosten für Platzwart, Gebäudemanagement, Maschinen, Energie und Reinigung umfasste. Doch dieser Rechnung wollte die Stadtverwaltung nicht folgen.

Verein noch länger auf Unterstützung der Stadt angewiesen

Zugleich macht die Beschlussvorlage, über die in der Ratssitzung am 11. Dezember entschieden werden soll, mehr als deutlich, dass der Verein wohl noch länger auf die Unterstützung der Stadt angewiesen bleibt: Es sei offensichtlich, „dass der SCP bei Verbleib in der Spielklasse der Dritten Liga absehbar weiter defizitäre Jahresergebnisse erwirtschaften wird und nicht in die Lage kommt, die für die Bewirtschaftung der von der Stadt Münster zur Verfügung gestellten sportlichen Infrastruktur notwendigen Kosten aufzubringen“.

Da der SC Preußen Münster seit dem 1. Juli dieses Jahres die Betriebskosten des Stadions weitgehend selbst trägt, erhält er in Zukunft einen entsprechend höheren Zuschuss, erläutert die Stadt das jetzige Vorgehen. SCP-Präsident Christoph Strässer begrüßt demnach die Anpassung: „Wenn wir als Pächter des Stadions zusätzliche Aufgaben im Betrieb des Stadions übernehmen, ist ein finanzieller Ausgleich der Lasten notwendig. Mit dem vorgeschlagenen Zuschuss blicken wir optimistisch in die Zukunft.“

Geplante 40 Millionen Euro schwere Stadionmodernisierung

Wie sich diese in Bezug auf die geplante 40 Millionen Euro schwere Stadionmodernisierung darstellt, bleibt weiterhin vage. Zumindest aber stellt die Beschlussvorlage für den Rat im Dezember fest: „Die gemäß aktueller DFB- bzw. DFL-Vorgaben notwendigen Bedarfe für ein zweitligataugliches Stadion einschließlich Nachwuchsleistungszentrum sind abzudecken.“ Ein konkreter Zeitplan taucht in dem Ratspapier indes nicht auf.

Die Präsentation von Zwischenergebnissen einer Machbarkeitsstudie zum Ausbau des Stadions bereitet derzeit das Planungsbüro Albert Speer und Partner (Frankfurt) vor. Die Zwischenergebnisse des Büros befinden sich aktuell in der Abstimmung zwischen der Stadt und dem SCP, heißt es aus dem Stadthaus.

Dem Vernehmen nach ist es noch umstritten, ob die Ecken eines künftig 20.000 Zuschauer fassenden Stadions mitausgebaut werden sollen. Das würde aber den Bau im Gegensatz zu einzeln stehenden Tribünenkörpern deutlich verteuern. Vom Tisch ist angeblich auch ein Umzug der Gäste-Fans in den Randbereich der Ostkurve zur Hammer Straße hin, so wie es ursprünglich angedacht war.

Gründet Münster eine eigene Stadiongesellschaft?

Was Bau und Betrieb des Stadions angeht, denkt die Stadt unterdessen über die Gründung einer eigenen Stadiongesellschaft nach. Alternativ könnte die Umsetzung des Projekts durch eine bestehende städtische Gesellschaft erfolgen, heißt es weiter. Beide Varianten sollen zunächst auf ihre Vor- und Nachteile hin geprüft und gegenübergestellt werden.

Konkret wird die Ratsvorlage bei der Errichtung von Parkpaletten in Stadion-Nähe: Dafür können laut Verwaltungsvorschlag bis zu fünf Millionen Euro aus Stellplatzablösemitteln verwendet werden.

Stadt: Wirtschaftlich nicht unproblematisch

Die Stadt Münster sieht beim Fußball-Drittligisten SC Preußen, der seine Profi-Sparte bekanntlich in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert hat, in der Dritten Liga „in einer wirtschaftlich nicht unproblematischen Gesamtsituation“, insbesondere vor dem Hintergrund der erzielbaren Sponsoringmaßnahmen. Das könnte auch für die künftig zu zahlende Pacht in einem modernisierten Stadion von Bedeutung sein. Laut der aktuellen Ratsvorlage werden städtische Investitionen in die Stadioninfrastruktur über 60 Jahre linear abgeschrieben. Und weiter heißt es in dem Beschlussvorschlag: „Da im Pachtvertrag grundsätzlich eine Kostenpacht vereinbart ist, erhöht beispielsweise eine städtische Investition in Höhe von 30 Millionen Euro auf denjenigen Flächen, die der SCP pachtet, die Abschreibungen und somit die Pacht um 500 000 Euro pro Jahr. Die Aufwendungen im städtischen Haushalt für die Abschreibungen würden durch die Pachterträge aufgefangen. Abhängig von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des SCP kann eine erhöhte Pacht jedoch einen erhöhten Zuschussbedarf des SCP nach sich ziehen, über den dann der Rat vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Stadt Münster entscheiden muss. Insofern ist das Investitionsbudget immer auch im Hinblick auf seine Folgewirkungen zu betrachten.“

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