Platz 1 für die Geschichte ihres Vaters
Lena Huynh aus Münster siegt bei Geschichtswettbewerb

Münster -

Lena Huynh, Abiturientin der Friedensschule, hat beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten einen ersten Platz gewonnen. Sie hat die Geschichte der vietnamesischen Boat-People aufgearbeitet – anhand des Schicksals ihres Vaters.

Dienstag, 19.11.2019, 17:55 Uhr aktualisiert: 20.11.2019, 12:20 Uhr
Lena Huynh, Abiturientin der Friedensschule, wohnt mit ihrer Familie in Nootuln. Anhand der Geschichte ihres Vaters hat sie das Thema der vietnamesischen Bootsflüchtlinge aufgearbeitet..
Lena Huynh, Abiturientin der Friedensschule, wohnt mit ihrer Familie in Nottuln. Anhand der Geschichte ihres Vaters hat sie das Thema der vietnamesischen Bootsflüchtlinge aufgearbeitet.. Foto: Körber-Stiftung /Jörg Heupel

Krisen, Umbrüche und Aufbrüche sind das Thema des aktuellen Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten , der am Dienstag mit der Preisverleihung im Schloss Bellevue zu Ende gegangen ist. Ganz oben auf dem Siegertreppchen stand Lena Huynh , die in diesem Jahr an der Friedensschule ihr Abitur gemacht hat. Sie hat einen der fünf ersten Preise gewonnen – mit einer Arbeit, die auch für die 18-Jährige ein ganz persönlicher Aufbruch war.

Geschichte der vietnamesischen Boat-People

Lena Huynh hat für den Wettbewerb die Geschichte der vietnamesischen Boat-People recherchiert und dokumentiert – am Beispiel ihres Vaters. Als er 1981 sein Heimatland verlassen musste, als Bootsflüchtling im Chinesischen Meer vom Schiff Cap Anamur gerettet wurde und schließlich nach Deutschland kam, war er genauso alt wie seine Tochter jetzt.

Die Flucht und sein Ankommen in Deutschland hatte er in der eigenen Familie nie zum Thema gemacht. Als Rupert Neudeck, Initiator der Mission Cap Anamur, 2016 starb, war das für Lena Huynh der Anstoß, sich mit der Geschichte der eigenen Familie zu beschäftigen, schrieb sie am Anfang ihrer Arbeit.

Anders als bei einem neutralen Interview ist die emotionale Hürde in meinem Fall besonders hoch gewesen.

Lena Huynh

Mit dem Vater über seine Flucht, seinen Auf- und Umbruch zu sprechen, war schwierig, erklärte die Schülerin der Körber-Stiftung, die den Wettbewerb organisiert. „Anders als bei einem neutralen Interview ist die emotionale Hüde in meinem Fall besonders hoch gewesen“, beschreibt Lena Huynh den Arbeitsprozess. Dass der Vater über seine Erlebnisse viele Jahre schwieg, reflektierte sie als Strategie seiner persönlichen Krisenbewältigung.

Lena Huynh aus Münster siegt bei Geschichtswettbewerb

Selbst gemalte Illustrationen

Der Bildungs- und Wissenschaftsjournalist Armin Himmelrath ist als Mitglied der Jury beim Wettbewerb besonders fasziniert, weil Lena Huynh die Geschichte der Boatpeople nicht nur wissenschaftlich aufarbeitete. Jedem Kapitel hängte sie selbst gemalte Illustrationen an – ihre sehr persönliche Aufarbeitung der Geschichte. Himmelrath würdigt diese Verbindung mehrerer Ebenen der Aufarbeitung als „überwältigend“.

Christoph Heeke, Lehrer an der Friedensschule, der als Tutor die Arbeit betreute, sieht das ähnlich. Er ist am Dienstag nicht mit zur Preisverleihung nach Berlin gefahren – er gab seine Einladung an Lenas Vater weiter. Sie ist nach dem Abitur ausführlich durch Vietnam gereist – den Anruf der Körber-Stiftung, dass sie einen ersten Preis gewonnen hat, nahm sie dort, im Heimatland des Vaters, entgegen.

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Drei Schulen aus Münster unter den Top Ten

Beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten werden traditionell auch die dabei aktivsten und erfolgreichsten Schulenausgezeichnet. Hier sind wieder Schulen aus Münster weit vorn. Drei Gymnasien sind bundesweit unter den ersten zehn. Den zweiten Platz hat diesmal das Annette-Gymnasium inne, beim früheren Durchgang Bundessieger. Den fünften Platz erreichte die Marienschule, den achten Platz das Hittorf-Gymnasium.

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Zwei weitere dritte Plätze

Das diesjährige Thema des Wettbewerbs inspirierte viele Jugendliche, Ereignisse aus der eigenen Familiengeschichte oder aus dem lokalen Umfeld aufzugreifen und aufzuarbeiten. Zwei weitere Schüler aus Münster wurden am Dienstag mit einem dritten Platz ausgezeichnet: Marta Mennighaus aus der zwölften Klasse des Annette-Gymnasiums befasste sich mit der Kinderlandverschickung während des Zweiten Weltkrieges, die damals aus den münsterischen Schulen heraus organisiert wurde. Sie beschreibt anhand von Zeitzeugenberichten und Tagebuchaufzeichnungen die Situation zwischen Fürsorge und ideologischer Beeinflussung, der die verschickten Kinder ausgesetzt waren.

Joris Haenlein, Neuntklässler des Hittorf-Gymnasiums hat sich, ähnlich wie Lena Huynh, im Wettbewerb der Aufarbeitung eines Stückes eigener Familiengeschichte gewidmet. Er analysierte die Ereignisse des gescheiterten Volksaufstandes in Ungarn 1956 unter anderem anhand der Tagebuchaufzeichnungen seiner Großmutter.

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am Dienstag im Schloss Bellevue in Berlin die erfolgreichen Teilnehmer des Geschichtswettbewerbes des Bundespräsidenten ausgezeichnet. Lena Huynh aus der 13. Klasse der Friedensschule Münster überreichte er eine Urkunde für ihre Arbeit „Das Leben mit der Krise. Vietnamesische Boat People als Folge des Vietnamkrieges“. Foto: dpa

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