Bürgerdialog der SPD-Fraktion im bennohaus
Zu wenig Wohnraum, zu viel Lebensmittelangebot

Münster -

Politik ist die Kunst des Möglichen, wusste schon Otto von Bismarck. Doch im Hansaviertel erntet die SPD mit dieser pragmatischen Herangehensweise an das Problem Hafen-Center Kritik. Bei einem Bürgerdialog lautete die Forderung der Anwesenden: „Wohnraum statt Lebensmittel“.

Mittwoch, 20.11.2019, 18:30 Uhr aktualisiert: 21.11.2019, 16:40 Uhr
SPD-Fraktionsvorsitzender Michael Jung stellte sich den Fragen der 80 anwesenden Bürger und verteidigte die Pläne seiner Partei gegen viele kritische Einwürfe.
SPD-Fraktionsvorsitzender Michael Jung stellte sich den Fragen der 80 anwesenden Bürger und verteidigte die Pläne seiner Partei gegen viele kritische Einwürfe. Foto: Julian Alexander Fischer

Die Entscheidung über die Zukunft des Hafencenters steht in Kürze an. Die SPD-Fraktion hat daher am Dienstagabend in einem Bürgerdialog über ihre Pläne für das Projekt diskutiert und ist teilweise scharf kritisiert worden.

Der in der vergangenen Woche vorgestellte Vorschlag der Fraktion sieht statt eines Vollsortiment-Supermarktes eine Markthalle vor, in der es themenspezifische Stände von verschiedenen Betreibern geben soll. Auch mit dem Grundstückseigentümer, der Firma Stroetmann, sei schon gesprochen worden. „Es waren sehr robuste Gespräche, aber sie prüfen die Idee“, erklärte der SPD-Fraktionsvorsitzende Michael Jung .

Bei vielen der 80 Anwesenden im Bennohaus stieß der Plan hingegen auf Kritik. Die Bürger sahen eine größere Notwendigkeit in der Schaffung von Wohnraum. Dies sei allerdings keine realistische Option, erklärte Jung: „Es ist nicht möglich, die Firma Stroetmann zu enteignen. Eine Lösung muss daher immer in Zusammenarbeit mit ihr erfolgen. Da sind reine Wohnkomplexe nicht realistisch.“ Vielmehr müsse sich bei der Schaffung von Wohnraum auf andere Flächen am Hafen konzentriert werden, etwa auf das Gelände der Osmo-Hallen.

Ein weiterer elementarer Kritikpunkt der Bürger war das zu große Lebensmittelangebot im Hansaviertel, das mit dem neuen Projekt erreicht würde. „Wir haben jetzt schon eine Überversorgung. Durch die Markthalle werden Läden auf der Wolbecker Straße schließen müssen. Dann haben wir ein Problem mit der Nahversorgung“, kritisierte eine Anwesende. Zudem müsse der Einzelhandel in dem Gebiet geschützt werden.

Jung machte daher vor allem darauf aufmerksam, dass es sich bei dem vorgestellten Plan um einen Kompromiss handele: „Das ist die beste Lösung auf Basis des Status quo! Es ist Aufgabe der Politik, von Gegebenheiten auszugehen. Die Alternative wäre eine Bauruine, die kostentechnisch ein großes Risiko für die Stadt und den Steuerzahler wäre.“ So sei der SPD-Plan letztlich eine Lösung, die stärker an die Bedürfnisse der Anwohner angepasst sei als die ursprüngliche Variante und besser in das Hansaviertel passe.

Am 11. Dezember soll im Rat entschieden werden, wie es auf dem Gelände des Hafen-Centers weitergeht. Die SPD will dann ihren Vorschlag offiziell präsentieren und weitere Fraktionen überzeugen. Einer anderen Lösung werde man nicht zustimmen, betonte Jung.

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