Arbeitsmarkt und Altersarmut
In Münster schlechte Jobchancen ab 60

Münster -

Inn Münster haben es ältere Menschen auf dem Arbeitsmarkt besonders schwer, noch Beschäftigung zu finden. Das ist das zentrale Ergebnis einer Analyse des Soziologen Mirko Sporket von der FH Münster.

Samstag, 23.11.2019, 17:00 Uhr
Prof. Mirko Sporket
Prof. Mirko Sporket Foto: FH Münster

Die Zahlen die Prof. Mirko Sporket am Freitagnachmittag im VHS-Forum vorstellte, sind ernüchternd. Der Alterssoziologe und Spezialist für Demografie hat sich im Auftrag der Stadtverwaltung Münster der Frage zugewandt, inwiweit ältere Menschen in Münster am Arbeitsmarkt teilhaben. Das Ergebnis: Jenseits von 60 Jahren sind die Chancen auf eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung sehr gering.

Der Anteil der Arbeitslosen in dieser Altersgruppe ist in Münster deutlich höher als im Bundesdurchschnitt. Ob diese Menschen zwingend Altersarmut befürchten müssen oder bereits erleiden war nicht Gegenstand der Untersuchung, aber, so Sporket: „Arbeitslosigkeit bedeutet ein hohes Risiko für Altersarmut.“

Altersdiskriminierung

Frank Treudler vom münsterischen Sozialamt gab am Anfang einen Hinweis darauf, dass der Zusammenhang sehr wohl besteht: 2300 Personen in Münster beziehen derzeit Grundsicherung im Alter, ihr Zahl hat sich in den vergangenen 15 Jahren verdoppelt. Wer Grundsicherung bezieht, muss alle Ausgaben außer der Wohnung mit 424 Euro monatlich bestreiten, ein Paar erhält 764 Euro.

Über die Ergebnisse der Untersuchung diskutierten (v.l.) Frank Treudler (Sozialamt), Markus Schölling (Jobcenter) Claudia von Diepenbrock-Grüter (Handwerkskammer), Volker-Nicolai Koß (DGB) Thomas Kollmann (SPD) Babette Liechtenstein van Lengerich (CDU), Martin Scholz (Linke) Mirko Sporket (FH) und Otto Reiners (Grüne)

Über die Ergebnisse der Untersuchung diskutierten (v.l.) Frank Treudler (Sozialamt), Markus Schölling (Jobcenter) Claudia von Diepenbrock-Grüter (Handwerkskammer), Volker-Nicolai Koß (DGB) Thomas Kollmann (SPD) Babette Liechtenstein van Lengerich (CDU), Martin Scholz (Linke) Mirko Sporket (FH) und Otto Reiners (Grüne) Foto: Karin Völker

Mirko Sporket sieht auf dem münsterischen Arbeitsmarkt eine deutliche Tendenz zur Altersdiskriminierung. Menschen ab 55, und in noch höherem Maße ab 60 Jahren, nehmen nur noch selten an Qualifizierungsmaßnahmen teil. Betriebe müssten sich aktiv mit der Demografie in ihren Belegschaften auseinandersetzen, so Sporket. Ein Spezifikum der münsterischen Statistik ist zudem, dass ältere Arbeitslose überdurchschnittlich hoch qualifiziert sind. Unter ihnen sind nur wenige Ungelernte, 18 Prozent sind Akademiker.

Möglichkeiten analysieren

Besonders problematisch sind die Daten, die Sporket für die Entwicklung der Zahlen älterer Langzeitarbeitsloser (Hartz IV) in Münster erhoben hat. In der Gruppe der über 60-Jährigen hat sich ihre Zahl seit 2010 vervierfacht.

Als nächster Schritt will die Stadt zusammen mit ihrem Jobcenter, die Möglichkeiten der Beschäftigung Älterer analysieren. Mirko Sporket empfiehlt hier auch die Möglichkeiten des sozialen Arbeitsmarktes zu prüfen – es gehe nicht nur um Erwerb, sondern auch „sinnstiftende Tätigkeit“.

Arbeit in der Rente

Sporket beobachtet jenseits der Gefahr von Altersarmut in Münster aber einen steigenden Anteil von Menschen jenseits des Rentenalters, die weiter erwerbstätig sind oder zusätzlich zur Rente arbeiten. „Nicht alle tun dies als finanziellen gründen, so Sporket. „Vielen geht es um Teilhabe.“

Über die Untersuchung diskutierten bei der Veranstaltung Vertreter der Ratsfraktionen sowie des Jobcenters, der Gewerkschaften und der Handwerkskammer.

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