Heerdekolleg am Hoppengarten
Kulturszene will stärker in die Öffentlichkeit gehen

Münster -

Im alten Heerdekolleg am Hoppengarten werden Theaterstücke eingeübt und Kunstwerke kreiert. Die Kulturschaffenden sind in Münster weithin bekannt, nicht aber der Standort. Das soll sich jetzt ändern.

Sonntag, 01.12.2019, 16:00 Uhr
Sie wollen das kulturelle Leben am Hoppengarten beleben (v.l.): Anne Keller, Manfred Kerklau, Theresa Potente und Ulrike Lindken.
Sie wollen das kulturelle Leben am Hoppengarten beleben (v.l.): Anne Keller, Manfred Kerklau, Theresa Potente und Ulrike Lindken. Foto: kb

Für Kenner ist es eine Binsenweisheit: Der Hoppengarten ist ein Zentrum des münsterischen Kunst- und Theaterlebens. Für alle Münsteraner außerhalb dieser Szene stellt sich die schlichte Frage: Wo ist der Hoppengarten?

Nun, der Hoppengarten, genauer gesagt Hoppengarten 20-28, ist eine Adresse. Das weitläufige Areal liegt in unmittelbar Nähe der Eisenbahnlinie nach Osnabrück, etwas weiter nördlich entsteht derzeit das Neubaugebiet am Markweg.

Der Hoppengarten ist zugleich aber auch die Heimat zahlreicher münsterischer Theatergruppen sowie die Arbeitsstätte von 19 bildenden Künstlern, die in dem alten Heerdekolleg ihre Ateliers haben. Das Theater Titanick hat am Hoppengarten Büros und Lagerräume, das Theater Cactus probt hier, Gastkünstler des Theaters im Pumpenhaus können hier übernachten.

Strategischer Nachteil

Auch für Manfred Kerklau vom Theater Ma-Ke und Anne Keller vom Theater Rue-Obscure ist der Hoppengarten praktisch ihr Arbeitsplatz. In den vier Probenräumen studieren sie mit ihren Ensembles die neuen Stücke ein. Und doch ärgert es beide Theatermacher, dass sie, wenn sie in der Stadt unterwegs sind, regelmäßig die Frage gestellt bekommen, wo denn der Hoppengarten sei.

Das hängt damit zusammen, dass das künstlerisch genutzte, alte Kolleg eine Produktionsstätte ist, aber eben kein Ort für Ausstellungen und Aufführungen.

Die Theaterstücke, die am Hoppengarten einstudiert werden, sind anschließend im Pumpenhaus, im Kreativhaus, in der Studiobühne oder anderswo zu sehen. „Uns fehlt der Publikumsverkehr, wir sind kein Veranstaltungsort“, benennt Kerklau den strategischen Nachteil ihres sonst sehr geschätzten Kulturzentrums.

Stadt plant Sanierung

Zur Jahrtausendwende wurde das alte Heerdekolleg vom städtischen Tochterunternehmen Wohn- und Stadtbau erworben und umgebaut. Ein Teil des Gebäudebestandes wurde der freien Kulturszene zur Verfügung gestellt, ein anderer Teil diente als Flüchtlingsunterkunft.

Vor über einem Jahr sind die Flüchtlinge wieder ausgezogen, das Gebäude ging zurück an die Stadt, und die plant jetzt eine Sanierung und Umgestaltung. Das Ziel: Internationalen Kunststipendiaten soll der Hoppengarten als Wohn- und Arbeitsstätte dienen, so das Konzept der münsterischen Kulturdezernentin Cornelia Wilkens .

Neue Kulturadresse

Theresa Potente und Ulrike Lindken arbeiten bereits seit über zehn Jahren in den Hoppengarten-Ateliers. Sie freuen sich auf die neuen Kollegen. Darüber hinaus hoffen sie aber auch, dass sich für alle die Situation verbessere. Sprich: Vielfach funktioniert die Heizung nicht, die Sanitärräume sind alt, der Platzmangel ist mit Händen zu greifen – und insgesamt verströmt der Hoppengarten den Flair einer Jugendherberge vor 40 Jahren.

Die Hoppengarten-Künstler haben den Wunsch, dass am Ende der geplanten Umbauarbeiten eine wahrnehmbare Kulturadresse steht. Und das nicht nur zu gelegentlichen Terminen wie am 8. Dezember, wenn die Ateliergemeinschaft Hoppengarten von 12 bis 19 Uhr zum „Wintersalon“ einlädt.

Kommentar: Altes und Neues verbinden

In dem Gebäudekomplex am Hoppengarten steht ein ganzer Flügel frei. Hier war früher eine Flüchtlingsunterkunft angesiedelt, welche die Stadt aber nicht mehr benötigt. Kulturdezernentin Cornelia Wilkens möchte am Hoppengarten das NRW-Stipendienprogramm für ambitionierte Kunsthochschul-Absolventen ansiedeln, die bislang ihre Heimat auf Schloss Ringenberg am Niederrhein haben, dort aber nicht bleiben können. Es wäre gut, wenn im Zuge der geplanten Aufwertung des Hoppengartens auch die Kulturaktivitäten aufgewertet werden, die vorhanden sind. Denn die Qualität der hier geschaffenen Kultur – insbesondere die ambitionierten Theaterproduktionen – stehen im deutlichen Widerspruch zu der Qualität der Gebäudesubstanz. Mancher Probenraum kann kaum noch beheizt werden, die Sanitäranlagen sind alt, der Putz bröckelt im übertragenen und im tatsächlichen Sinne. Zu überlegen wäre, ob man das Hoppengarten-Areal auch städtebaulich etwas aus seinem Dornröschenschlaf herausholt und so für mehr Frequenz sorgt. Die Bautätigkeit im benachbarten Wohngebiet Markweg könnten die Initialzündung dafür sein. (Von Klaus Baumeister)

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