Herzkranke Bloggerin
Mit ganzem Mut und halbem Herzen

Münster -

Was für andere fast selbstverständlich ist, ist für Sabrina ein Wunder: mit 21 Jahren noch am Leben zu sein. Die Münsteranerin kam 1998 mit einer der gefährlichsten Formen des angeborenen Herzfehlers zur Welt. „Statistisch gesehen bin ich schon tot“, sagt die junge Frau. Heute studiert sie an der WWU Münster Medizin und betreibt einen der meistgelesenen Blogs zum Thema Herzkrankheit.

Dienstag, 03.12.2019, 09:20 Uhr aktualisiert: 03.12.2019, 16:51 Uhr
Sabrinas Herzkrankheit sehen andere der 21-Jährigen kaum an. Nur eine große Narbe über Hals und Dekolleté zeugt davon. Auf ihrem Blog und mit Hilfe von Vorträgen wirbt sie für mehr Verständnis und Akzeptanz von "unsichtbaren Behinderungen".
Sabrinas Herzkrankheit sehen andere der 21-Jährigen kaum an. Nur eine große Narbe über Hals und Dekolleté zeugt davon. Auf ihrem Blog und mit Hilfe von Vorträgen wirbt sie für mehr Verständnis und Akzeptanz von "unsichtbaren Behinderungen". Foto: Anne Koslowski

„Ich mag meine Geburtstage wirklich sehr. Denn für mich ist mein Alter mehr als nur eine Zahl“, schreibt Sabrina auf ihrem Instagram-Profil. „Es ist der Beweis dafür, dass ich es durch ein weiteres Jahr geschafft habe“, freut sie sich zusammen mit ihren 11.000 Followern.

Als sie auf die Welt kam, hatte sie eine Lebenserwartung von einer Woche. Mit jeder Operation an ihrem Herzen verlängerte sich diese. Geheilt ist sie nicht, ihre Lebenserwartung ist weiter unklar. Während die meisten Gleichaltrigen von einem langen Leben ausgehen können, musste sich Sabrina schon früh mit ihrem eigenen Tod auseinandersetzen. „Auch wenn ich im Moment stabil bin, kann ich morgen im Krankenhaus liegen.“ So sei sie beim Abitur ohne bekannte Ursache umgekippt. „Damals habe ich aufgeschrieben, wie ich beerdigt werden will.“

Alles langsamer angehen

Auch sonst unterscheidet sich ihr Leben von dem anderer junger Menschen. Sie lebt mit nur einer Herzkammer und einem künstlichen Blutkreislauf. Deshalb ist sie sehr schnell erschöpft. „Wenn ich heute weihnachtsshoppen gehe, muss ich danach zwei Tage ins Bett.“ Feiern gehe sie überhaupt nicht, „sonst liege ich danach eine Woche krank im Bett“. Auch das Studium muss sie langsamer angehen als andere. „Das Lernen schwächt mich körperlich so sehr, dass ich viel Ruhe brauche und vom Leben nicht viel übrig bleibt“, erzählt Sabrina.

Dass sie nicht so mithalten kann wie andere, belastet die junge Frau. Auf ihrem Blog „ fragments_of_living “ gibt sie ihren Gedanken Raum und lässt andere daran teilhaben. Wie sie zum Beispiel damit hadert, nicht wie ihre Kommilitonen Leistung erbringen und mit reiner Willenskraft funktionieren zu können. Wie sie sich nichts mehr wünscht, als das Studium mit all seinen Prüfungen, Pflichtveranstaltungen und Praktika zu schaffen. Aber ihre Ärzte und Professoren sagten immer wieder, „dass ich zu krank für das Studium bin oder statistisch gesehen tot sein werde, bevor ich meinen Abschluss erreiche“. Und wie es ihr wehtut, „wenn andere von Problemen sprechen, die für mich ein Segen wären. Und es tut noch mehr weh, anderen dabei zuzusehen, wie sie in ihrem Leben weitermachen, während meines stillsteht“.

Es geht mir darum zu zeigen: Egal, was passiert - mach‘ das Beste daraus.

Sabrina

Es sind Einblicke in das Leben einer klugen und trotz aller Widrigkeiten lebensfrohen und kämpferischen Frau, die ihren eigenen Weg sucht. Mit ihren Geschichten will sie anderen Mut machen, sich das Anderssein zuzugestehen und sich um sich selbst zu kümmern. „Es geht mir darum zu zeigen: Egal, was passiert - mach‘ das Beste daraus.“

Über Selbstliebe und ein positives Körpergefühl

Für Sabrina heißt das, trotz immer neuer Komplikationen, wie einer abnehmenden Lungenfunktion und einem chronischem Schmerzsyndrom, das Leben weiter zu genießen und für andere da zu sein. „Ich blogge hauptsächlich über Selbstliebe und ein positives Körpergefühl.“ Ihr sei wichtig, dass etwas Positives entstehe, dass andere nicht runterzieht. Schließlich habe sie eine Verantwortung für ihre Leser.

Genau die ist es, die ihr Energie gibt. „Ich kann mit meinen Texten Leben beeinflussen, wenn sich zum Beispiel Eltern von herzkranken Kindern für eine OP entscheiden, weil sie meine Geschichte gelesen haben“, erzählt die 21-Jährige. Daher wird sie auch mit einem abgebrochenen Medizinstudium klarkommen. „Hauptsache, ich bleibe nicht stehen und gebe mich nicht auf, selbst wenn die Richtung oder mein Traum sich ändern.“

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