WN-Spendenaktion
„Ohne Hilfe hätten wir sie ins Altenheim geben müssen“

Münster/Altenberge -

Olaf Schawe und seine Frau Petra Wilde sind nachts bis zu acht Mal wach, schlafen getrennt abwechselnd auf einem Sofa. Der Grund: Sie pflegen ihre über 90 Jahre alten Eltern, die schwer dement und sturzgefährdet sind. Doch als das Paar mit den Kräften am Ende ist und die beiden ins Heim geben will, hat die Technische Assistenz Tilbeck eine lebensverändernde Idee.

Samstag, 07.12.2019, 12:00 Uhr
Olaf Schawe hält das Hausnotrufgerät in der Hand, das ein Signal gibt, wenn seine über 90 Jahre alten dementen Schwiegereltern das Bett verlassen. Durch die Technik der TAT können er und seine Frau wieder ruhig im eigenen Bett schlafen.
Olaf Schawe hält das Hausnotrufgerät in der Hand, das ein Signal gibt, wenn seine über 90 Jahre alten dementen Schwiegereltern das Bett verlassen. Durch die Technik der TAT können er und seine Frau wieder ruhig im eigenen Bett schlafen. Foto: Pjer Biederstädt

Das Ehepaar Olaf Schawe und Petra Wilde pflegen seit zwölf Jahren Wildes Eltern im eigenen Haus in Altenberge. Horst Wilde ist 97 Jahre jung und kriegsversehrt, seit er im Zweiten Weltkrieg einen Unterarm verloren hat. Seine Frau Käthe ist sieben Jahre jünger, beide sind hochgradig dement und haben den höchsten Pflegegrad. Seit 2015 ist die Pflege der beiden noch fordernder als ohnehin schon, erzählt Olaf Schawe. Seitdem sind die beiden Senioren nämlich sturzgefährdet, haben sich Beine gebrochen und schlafen schlecht.

„Manchmal mussten wir acht Mal in einer Nacht aufstehen, um zu sehen, ob alles okay ist“, erzählt Olaf Schawe. An normalen Schlaf war nicht mehr zu denken. „Es hat gereicht, wenn der Nachbar eine Tür ins Schloss fallen ließ, schon waren wir wach“, so Schawe. Die Angst, dass den beiden etwas passiert, etwa bei einem Sturz, ist zu groß. Doch damit nicht genug: Um schneller im Zimmer von Horst und Käthe Wilde sein zu können, schläft das Paar getrennt im Wechsel auf einem Sofa unmittelbar in der Nähe. „Und das über ein Jahr lang“, betont Olaf Schawe.

Mit der Kraft am Ende

Doch irgendwann ist dieser Kraftakt neben dem Job, auch wenn die Freiberufler einiges von zu Hause erledigen können, nicht mehr zu stemmen. „Wir sind ganz schön am Stock gegangen“, erinnert sich der 53-Jährige an diese Zeit.

Hilfsmittel der Technischen Assistenz Tilbeck

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  • Ein persönlicher Digitaler Assistent (zum Beispiel Alexa), kann als Umfeldsteuerung, Erinnerungshilfe sowie Informationsgeber eingesetzt werden.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Ein Hausnotrufgerät, inklusive Funksender, ruft im Notfall, wie beispielsweise bei einem Sturz, Hilfe.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Das sprechende Blutdruckmessgerät gibt den Blutdruck sowie den Puls per Audiowiedergabe an und warnt bei bedenklichen Werten.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Einfach, aber wichtig: Die Aufschraubhilfe erleichtert das Öffnen von Schraubverschlüssen.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Smartphone mit vereinfachter, seniorengerechter Bedienoberfläche.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Die höhenverstellbare Küche, wie hier von den TAT-Mitarbeitern (v.l.) Dirk Lehmann, Max Seppendorf und Hanna Lütkemeier vorgestellt, hilft zum Beispiel Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrern in der Küche alles erreichbar zu haben.

    Foto: Pjer Biederstädt

Durch Zufall trifft Olaf Schawe auf einer Veranstaltung Marcus Hopp. „Wir standen zusammen an einem Stehtisch und ich habe unsere Geschichte erzählt“, sagt Olaf Schawe. Es sollte eine lebensverändernde Begegnung sein. Denn Marcus Hopp, der Leiter der Technischen Assistenz Tilbeck (TAT), die genau in solchen Fällen kostenlose Beratung anbietet, um mit technischen Hilfsmitteln das Leben zu erleichtern und die Selbstständigkeit von Senioren und Menschen mit Behinderung zu fördern, hat direkt eine Idee.

Erfolgreiche Tüftelei

Nach der Analyse vor Ort und „der Hilfe vom technisch beschlagenen Olaf Schawe“, so Marcus Hopp, entsteht nach und nach eine Lösung für das Problem. Man nehme: ein leicht modifiziertes Hausnotrufgerät, einen Bewegungsmelder und eine Sensormatte. Die Tüftelei hat Erfolg: Wenn die Senioren jetzt aus dem Bett steigen, wird per Funk ein Signal übermittelt und eine Stimme sagt durch das Hausnotrufgerät: „Es wird eine Bewegung registriert.“

Vier Projekte - ein Konto

► Projekte:  Nimas  (Bildungsförderung für Kinder in Problemlagen), Tilbeck (Beratungsangebot, um technische Produkte zu finden, die Senioren eine selbstständige Lebensführung erleichtern),  Monastir  (Unterstützung für Kinder und Umwelt in Münsters tunesischer Partnerstadt),  Pelikanhaus  (Bau eines Hauses für Angehörige schwerkranker junger Patienten am Clemenshospital)

► Wer für ein bestimmtes Projekt spenden möchte, sollte das bei der Überweisung vermerken. Sonst wird die Spende gleichmäßig aufgeteilt. Eine Spendenquittung wird ab 200 Euro automatisch ausgestellt, wenn die Adresse angegeben ist.

► Namensnennung: Die WN berichten regelmäßig über die Spendenaktion. Wenn Sie mit der Nennung Ihres Namens in der Zeitung einverstanden sind, tragen Sie bitte bei der Überweisung unter Verwendungszweck „Veröffentlichung: Ja“ ein.

► Konto: Sparkasse Münsterland-Ost (BLZ: 400 501 50); IBAN: DE 43 4005 0150 0000 0088 88

► Rückfragen: Telefon 0251 / 690 917 211

► Datenschutz: Ihre personenbezogenen Daten verwenden wir, soweit keine darüber hinausgehende Einwilligung vorliegt, nur zur Abwicklung des der Erhebung zugrundeliegenden Zwecks. Nähere Informationen zu unserem Umgang mit personenbezogenen Daten erhalten Sie unter  www.wn.de/Service/Datenschutz .

 

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Das Konstrukt, das es so nicht auf dem Markt gibt, sondern aus dem kreativen Zusammenspiel von TAT und dem Ehepaar entstanden ist, können Olaf Schawe und Petra Wilde bequem mit in die erste Etage in ihr Schlafzimmer nehmen. „Das funktioniert so gut, dass wir mit den beiden sogar wieder in den Urlaub fahren können“, erzählt Olaf Schawe.

Das Beste aber ist, dass Käthe und Horst Wilde weiter zu Hause gepflegt werden können. „Ohne die Hilfe hätten wir sie ins Altenheim geben müssen“, sagt Olaf Schawe, der hofft, dass viele Menschen für die TAT spenden. Denn ohne Mittel kann die kostenlose Beratung, deren Förderung ausläuft, wohl nicht aufrecht erhalten werden.

Zum Thema

Kontakt zur TAT unter Telefon 0 25 34/6 45 02 61 oder per E-Mail an TAT@stift-tilbeck.de.  

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