Uni-Wissenschaftler beauftragt
Historiker untersuchen Missbrauch im Bistum Münster

Münster -

Historiker der Universität Münster sollen den Missbrauch in der katholischen Kirche untersuchen, das Bistum Münster hat einem Team um Prof. Dr. Thomas Großbölting den Auftrag dazu erteilt. Er und die Mitarbeiter suchen nun Zeitzeugen.

Mittwoch, 11.12.2019, 11:00 Uhr
Prof. Thomas Großbölting
Ein Historiker-Team der Uni Münster arbeitet in einer über mehrere Jahre angelegten Studie die Missbrauchsfälle im Bistum Münster auf. Foto: dpa

Es gab über viele Jahre hinweg Tausende Opfer – der Missbrauchsskandal hat die katholische Kirche erschüttert. Auf Initiative des Bistums Münster arbeitet ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter der Leitung von Thomas Großbölting , Professor für Neuere und Neueste Geschichte am Historischen Seminar der Universität Münster, in einer über mehrere Jahre angelegten Studie die Missbrauchsfälle im Bistum Münster intensiv auf.

Für zweieinhalb Jahre arbeitet ein fünfköpfiges Team an der Aufarbeitung des Missbrauchs. „Wir erforschen natürlich, was in den Archiven dokumentiert ist, sammeln aber auch Berichte von Zeitzeugen“, skizziert Thomas Großbölting – und spricht davon sowohl von Opfern wie von Tätern.

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Prof. Thomas Großbölting Foto: WWU

Hohe Dunkelziffer vermutet

Die Historiker gehen von einer hohen Dunkelziffer aus und wollen am Ende ihrer Untersuchung auch herausarbeiten, wie groß das Problem des Missbrauchs in der Kirche war. Es gehe aber auch darum zu erhellen, wer in die Missbrauchsfälle verstrickt war, wer was wusste und wie mit dem Wissen umgegangen wurde, so Großbölting.

Wer waren die Täter? Welche situativen und strukturellen Momente begünstigten die Taten? Und wie reagierten die Kirchenleitungen auf die Vorwürfe gegen einzelne Priester, aber auch das kirchliche Umfeld in den Gemeinden auf die häufig nur angedeuteten Vorfälle? Das Forscherteam bittet Betroffene und Personen, die von sexuellem Missbrauch durch Priester und Diakone des Bistums Münster in den Jahren 1945 bis 2018 erfahren haben, jetzt um ihre Mitarbeit.

Nur ansatzweise in den kirchlichen Akten

Mit Hilfe von Interviews sammeln die Wissenschaftler Informationen, die sich in den kirchlichen Akten nur ansatzweise niedergeschlagen haben. Auf diesem Weg hoffen die Forscher, ein genaueres Bild von den Vorgängen zu gewinnen. Dem Persönlichkeitsschutz der Betroffenen kommt dabei höchste Priorität zu. Die Mitarbeiter des Forschungsprojektes sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Auskünfte und Interviews werden vertraulich behandelt – alle Informationen werden anonymisiert. Ebenfalls wichtig: „Wir arbeiten unabhängig von unserem Auftraggeber“, betont Großbölting. Das betreffe auch die Frage, ob gegebenenfalls Strafverfolgungsbehörden eingeschaltet würden.

Interessierte erreichen das Forscherteam per Telefon unter 0251/8323178 oder per E-Mail unter missbrauchsstudie@uni-muenster.de.

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