Couragierte Möllemann-Appelhoff
Martin Schiller und die N-Partei

Münster -

Darf ein AfD-Ratsherr wiederholt im Rat herumätzen, andere beleidigen und ständig eine Wortwahl benutzen, die von Verachtung und Sarkasmus geprägt ist? Die FDP-Ratsfrau Carola Möllemann-Appelhoff meint „Nein“ – und so kam es in der Ratssitzung am Mittwochabend zu einer bemerkenswerten Begebenheit.

Donnerstag, 12.12.2019, 16:30 Uhr aktualisiert: 12.12.2019, 16:37 Uhr
Im Festsaal des Rathauses  fand am Mittwoch die Ratsitzung statt. Carola Möllemann-Appelhoff bezog Stellung.
Im Festsaal des Rathauses  fand am Mittwoch die Ratsitzung statt. Carola Möllemann-Appelhoff bezog Stellung. Foto: Oliver Werner

Wenn sich die FDP-Politikerin Carola Möllemann-Appelhoff in hitzigen Ratsdebatten zum zweiten oder dritten Mal meldet, folgt mitunter ein genervtes Stöhnen der anderen. Möllemann-Appelhoff hat eine Liebe zum Detail, die nicht jeder mag.

Und doch: Wenn es darauf ankommt, ist Möllemann-Appelhoff mutiger als andere. Als in der Sitzung am Mittwochabend die verbalen Entgleisungen des AfD-Ratsmitgliedes Martin Schiller das erträgliche Maß überschritten hatten, war es die altgediente FDP-Frau, die ihn zur Räson brachte.

An der Grenze zur Beleidigung

Anders als sein AfD-Kollege Richard Mol, der im Rat zu vielen Themen spricht, sich dann aber auch mal verhaspelt, sucht sich Schiller seine Beiträge sorgsam aus: Klimaschutz, Flüchtlinge, Ausländer. Seine Reden wirken inszeniert, jedes Wort ist bewusst gewählt. Und doch ist oft Sarkasmus im Spiel, er bewegt sich an der Grenze zur Beleidigung. Vordergründig kritisiert er real existierende Probleme, hintergründig formuliert er eine tief sitzende Verachtung gegenüber unserem Staat.

FDP-Politikerin Carola Möllemann-Appelhoff

FDP-Politikerin Carola Möllemann-Appelhoff Foto: Oliver Werner

Die Situation am Mittwoch eskalierte beim Tagesordnungspunkt 49. Die Stadt Münster möchte eine Unterkunft für obdachlose, verarmte EU-Bürger bauen – ein durchaus ambivalentes Unterfangen, bei dem auch Möllemann-Appelhoff mit Kritik nicht sparte.

Ein gefundenes Fressen

Für Schiller war es ein gefundenes Fressen. „Das wird sich in Rumänien und Bulgarien herumsprechen“, malte er ein Schreckensszenario an die Wand. Dem Ex-Linken Rüdiger Sagel, der sich zuvor positiv zu dem Vorhaben geäußert hatte, hielt Schiller vor, dass er in der alten SED am besten aufgehoben sei.

Es folgte die Replik von Carola Möllemann-Appelhoff: „Wenn Sie Herrn Sagel der SED zuordnen, dann fällt mir bei Ihnen auch eine andere Partei ein – eine Partei mit fünf Buchstaben, die mit N anfängt.“

Martin Schiller (AfD)

Martin Schiller (AfD) Foto: Oliver Werner

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