Fahrrad-Weltreise
Spektakulär bis zum Schluss

Münster -

Sie haben die Welt auf dem Fahrrad erkundet und waren dem Alltag der Menschen ganz nah. Überall wurden Magda Mayerhoffer und Manu Winkler aus Münster herzlich empfangen: in Kroatien, im Iran, in Uganda. Nur die Löwen in Namibia hatten keine Lust auf eine Kontaktaufnahme. Aber das war das Beste, was den beiden passieren konnte…

Sonntag, 15.12.2019, 17:40 Uhr aktualisiert: 15.12.2019, 17:48 Uhr
Fahrrad-Weltreise: Spektakulär bis zum Schluss
Magda Mayerhoffer und Manu Winkler vor Fotos und Postkarten, die von der einzigartigen Reise zeugen. Foto: Wilfried Gerharz

Nach 29 Ländern, drei Kontinenten und fast 18 000 Kilometern ging nichts mehr: Ständige Spannungsschwankungen hatten Magda Mayerhoffers Laptop an den Rand des Kollaps‘ gebracht. Irgendwann reagierte er damit, selbst Stromschläge zu verteilen, vermutlich als Racheakt für unsachgemäße Behandlung. Die 29-Jährige nimmt’s sportlich: „Das kommt davon, wenn man den Strom unterwegs mit Wind- oder Sonnenkraft erzeugt.“ Zum Glück haben Fotos und Videos überlebt. Sie sind unbezahlbare Zeugnisse einzigartiger Momente, die Magda und Freund Manu Winkler auf einer 19-monatigen Fahrrad-Weltreise erlebt haben. Seit kurzem sind die beiden Münsteraner wieder zuhause. Aber die Welt haben sie mitgebracht. In Bildern, in Gedanken und im Herzen.   

Angst vor Löwen

Und im Gegensatz zum Laptop erfreuen sich die zwei allerbester Gesundheit. Das liegt zum einen daran, dass sich die Welt als deutlich weniger gefährlich entpuppte, als es so manche Reisewarnung glauben machte. Zum anderen daran, dass die Löwen im namibischen Nationalpark keinen Hunger hatten, als die jungen Deutschen ganz ungeschützt im Dunklen hindurchradelten. „Das machen wir auch nicht noch mal“, sagt Manu (28) trocken. 174 Kilometer haben sie damals an einem Tag abgestrampelt, die letzten davon so schnell, als ob der Teufel hinter ihnen her wäre, um endlich eine sichere Polizeistation zu erreichen. „Wir haben die Musik bis zum Anschlag gedreht und alles an Lichtern aufblinken lassen, was wir dabei hatten“, erzählt Magda.

Besuche in Schulen

Im April 2018 haben sich Magda Mayerhoffer und Manu Winkler mit Fahrrädern und einem Mini-Budget von 15 Euro pro Tag auf den Weg gemacht. Die Route führte über die Alpen Richtung Balkan und Türkei bis in den Oman, anschließend durch sechs afrikanische Länder bis Namibia, mit dem Schiff von den Kanaren bis Marokko und zurück nach Spanien, von dort mit dem Rad nach Münster. Unterwegs machten die beiden an Schulen halt, um Kindern von ihren Erlebnissen zu berichten. Das würden sie auch zu Hause gerne tun - vorzugsweise in Münster und naher Umgebung. Außerdem bieten sie Reisevorträge an. Kontakt: manuandmagda.com . Für alle Reiselustigen: Inspirierende Videos gibt es auf Youtube , Suchwort „Piggybackriders“.

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Herzen geöffnet  

Ansonsten erwies sich die Reise vor allem als wunderbares Abenteuer für alle Sinne. In vielen Ländern öffneten die Menschen den beiden Globetrottern nicht nur die Türen, sondern auch die Herzen - Erfahrungen, die das Paar als normale Touristen ohne Fahrräder nie gemacht hätte: „So haben wir das Leben der Menschen, ihren Alltag, ganz unverfälscht kennengelernt“, schwärmen die Mathematikerin und der Kitesurf-Lehrer von opulenten Abendessen bei gastfreundlichen Iranern, dem Netze-Einholen mit Fischern im Oman und den gemeinsamen Kilometern mit Radlern verschiedenster Nationalitäten.

Finale der Fahrrad-Weltreise: Der Hund und das Meer

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  • Nach tausenden Kilometern auf dem Rad haben Magda Mayerhoffer und Manu Winkler auf den Kanaren das Fortbewegungsmittel gewechselt: Mit dem Hochsee-Segler ging es von dort Richtung Marokko.

    Foto: manuandmagda.com
  • Die Räder wurden derweil sicher verstaut – und überstanden die Fahrt ohne Schäden.

    Foto: manuandmagda.com
  • Trotz starken Wellengangs erwies sich das Segeln als einmaliges Abenteuer, das...

    Foto: manuandmagda.com
  • ...die beiden auf einer nächsten Reise gerne wiederholen würden. Sie denken sogar über die Anschaffung eines eigenen Bootes nach. Manu will im Winter den Motorbootführerschein machen.

    Foto: manuandmagda.com
  • Unterwegs begleitete ein Delfin das Boot, auf dem die beiden Weltreisenden angeheuert hatten.

    Foto: manuandmagda.com
  • Zurück an Land ging es von Spanien über Frankreich zurück Richtung Heimat.

    Foto: manuandmagda.com
  • Foto: manuandmagda.com
  • Foto: manuandmagda.com
  • Foto: manuandmagda.com
  • Foto: manuandmagda.com
  • In Andalusien hat das Paar einen herrenlosen Hundewelpen im Straßengraben aufgelesen und „Findus“ getauft.

    Foto: manuandmagda.com
  • Der Hund wurde für einen Monat zum treuen Begleiter...

    Foto: manuandmagda.com
  • ...ehe die beiden ihn in Lyon an Freunde übergaben. Mit denen wohnt er jetzt in Potsdam.

    Foto: manuandmagda.com
  • Foto: manuandmagda.com

Hochsee-Traum

Gegen Ende haben sich die zwei noch einen weiteren Traum erfüllt, haben die Räder auf einem Hochseesegler verstaut und sind von den Kanaren nach Marokko und von dort zum spanischen Festland gesegelt. 1300 Seemeilen gegen den Wind, bei mannshohen Wellen. Das war spektakulär schön. So schön, dass sie sich für eine nächste große Reise vorstellen könnten, ein eigenes Boot zu steuern: „Vielleicht über die Kanaren und Kapverden nach Südamerika“. Wann das sein wird? Noch offen.

1000 neue Ideen

 „Mein Ziel war es, die Welt zu sehen, bis ich - erst einmal - genug davon habe“, resümiert Magda. Jetzt sei es an der Zeit, eine ganze Weile zu Hause bei den Familien zu bleiben. „Aber ich habe schon 1000 neue Ideen gesammelt.“ Die Lust auf Reise-Abenteuer sei nach wie vor riesig, gerne auch wieder in wärmeren Gefilden. Jedenfalls fröstelt Manu, der schon vor der Weltreise als Kitesurflehrer auf Fuerteventura von der Sonne verwöhnt war, im westfälischen Schmuddel-Winter mächtig. „Ich habe im Moment nur einen Wunsch“, sagt er, „ich brauche endlich richtige Handschuhe!“

Weltreise Rückkehr: 9 Fragen 9 Antworten

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