Aufräumaktion am Althausweg
Stadt lässt erneut Grundstück von Kinderhauser Müllsammler räumen

Münster -

Seit Monaten gibt es Klagen und Beschwerden über einen wieder einmal total vermüllten Garten. Am Montagmorgen bekam der notorische Müllsammler Besuch von Stadt, Polizei und einer Entsorgungsfirma.

Montag, 16.12.2019, 17:50 Uhr aktualisiert: 16.12.2019, 18:07 Uhr
Aufräumaktion am Althausweg: Stadt lässt erneut Grundstück von Kinderhauser Müllsammler räumen
Foto: Dirk Anger

Am Morgen gegen halb neun kommt wie aus heiterem Himmel dann doch das Aufräumkommando zum Althausweg nach Kinderhaus. Dort türmt sich auf dem Grundstück des stadtbekannten und notorischen Müllsammlers inzwischen bis zu zwei Meter hoch ein unüberschaubares Durcheinander aus Unrat und ausrangierten Gegenständen – Möbel, Plastikreste, Glasflaschen, Abfall, Holzbohlen, dreckige Matratzen, Flüssigkeiten und vieles mehr.

Auf Veranlassung der Stadt Münster wird der Garten an diesem Montag von der Müllkippe, die der Eigentümer dort angehäuft hat, befreit – nach zwei Jahren mal wieder. Im Raum steht eine potenzielle Umweltgefährdung, wie Sigrid Howest vom Presseamt erklärt. Außerdem machen aus Sicht der Stadtverwaltung der Nagetier-Befall, übersetzt sind Ratten gemeint, sowie die durch die Vermüllung erhöhte Brandlast die Maßnahme notwendig. Monatelang hat die Nachbarschaft rund um das Reihenendhaus auf ein Eingreifen der Stadt gewartet – und die Hoffnung darauf eigentlich schon aufgegeben.

Stattliche Anzahl von Polizisten

Zuvor hatte das Umweltamt der Stadt dem Hauseigentümer erneut eine Frist gesetzt, seinen Garten selbst zu reinigen. „Innerhalb dieser Frist hat er nichts gemacht“, berichtet Howest. Schon in der Vergangenheit hatte die Stadt dem allein lebenden Mann aufgetragen, sein Grundstück nicht mehr zu vermüllen. Offensichtlich erfolglos.

Grundstückräumung2
Foto: Dirk Anger

Unter den wachsamen Augen einer stattlichen Zahl von Polizisten, die im Rahmen der Amtshilfe aufmarschiert sind, machen sich die Mitarbeiter einer Entsorgungsfirma aus Hamm daran, das Müll-Sammelsurium aus dem Garten zu entfernen. Vor der Tür des rot geklinkerten Hauses steht ein 40 Kubikmeter fassender  Container, zwei weitere sind vorsorglich bestellt – und wohl bitter nötig.

Erfahrungswerte aus der Vergangenheit

Von all dem bekommt der leidenschaftliche Müllsammler nichts mehr mit. „Der Mann ist kurzfristig in Gewahrsam genommen worden“, berichtet Polizeisprecher Andreas Bode am Vormittag. Schließlich habe man Erfahrungswerte aus der Vergangenheit.

Kommentar: Nur eine Atempause

Endlich hat der Staat in einer konzertierten Aktion von Stadtverwaltung und Polizei mal Mut zum Handeln aufgebracht. Die Räumung des Gartens bei dem notorischen Müllsammler aus Kinderhaus war nämlich überfällig. Zwar wird diese Maßnahme der Nachbarschaft vermutlich nur eine kurze Atempause gewähren. Denn wenn weiter niemand eine Handhabe gegen den Mann und sein Tun sieht, dürfte es eine Frage der Zeit sein, bis sich am Althausweg im nächsten Sommer erneut ein traumhaftes Paradies für Ratten auftut.

Zum dritten Mal lässt die Stadt diesen Garten nun räumen – und sich hoffentlich die Kosten dafür von dem Verursacher zumindest artig erstatten. Dass Letzterer offenbar ein massives psychisches Problem weitgehend unbehindert ausleben darf, muss eine ganze Nachbarschaft Tag für Tag ausbaden. Die Grenze des Zumutbaren ist längst überschritten. Deshalb strahlt die gleichwohl willkommene Räumungsaktion nicht mal einen echten Hoffnungsschimmer aus. Es ist unfassbar traurig. Dirk Anger

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„Heute ist Weihnachten“, jubelt eine Nachbarin, als sie das Großaufgebot in dem kleinen Durchstich zwischen Westhoffstraße und Althausweg sieht. Ihren Namen wollen sie und andere aber nicht preisgeben. Zu groß sitzt die Angst vor dem Mann im Nacken. Schließlich halten dessen krankhafte Sammelwut und  seine unberechenbaren Drohungen das Viertel, wo in gepflegten Vorgärten sorgsam gestutzt Buchsbaum und Taxushecken wachsen, seit Jahren in Bann.

Für eine Räumung stark gemacht

„Das hier ist nicht nur ein abfallrechtliches Problem“, bemerkt deshalb der Kinderhauser Ratsherr Michael Kleyboldt.  Mehrfach hat er sich für eine Räumung des Gartens bei der Stadt stark gemacht. Als er am Montag  von dem Einsatz erfährt, macht er sich  gleich selbst vor Ort am Althausweg ein Bild von der Situation.

Groß scheint indes die Hoffnung unter den Nachbarn nicht zu sein, nun länger Ordnung und Ruhe zu haben. Denn schon 2016 und 2017 ließ die Stadt den Müll räumen, ehe der  Eigentümer mit seinem Fahrrad wieder allerlei Zeug herankarrte. „Es ist doch immer das Gleiche“, meint ein Nachbar ernüchtert, aber nicht gänzlich verständnislos: „Der Mann ist krank.“

Der Müllsammler ist immer wieder mit Drohungen, insbesondere gegen seine  direkten Nachbarn, gewalttätige Ausbrüche sowie durch spektakulären Aktionen wie eine Kranbesetzung negativ aufgefallen. Wegen eines Sexualdelikts hat er eine siebeneinhalbjährige Strafe im Maßregelvollzug abgesessen und sich dabei, so ein Arzt in einem zurückliegenden Prozess, mit Blick auf seine Persönlichkeitsstörung als „nicht therapiefähig“ gezeigt. Zu einer dauerhaften Einweisung des Müllsammlers ist es bislang aber nie gekommen. Am Althausweg bleibt wohl alles beim Alten.

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