Religionen im Diskurs
Aufklären gegen Antisemitismus

Münster -

Was hilft gegen den wieder aufkeimenden Antisemitismus? Und welche Wurzeln hat die Jugendfeindlichkeit im Christentum und im Islam? Diesen Fragen gingen prominente Persönlichkeiten bei einer Diskussion im Erbdrostenhof auf den Grund.

Donnerstag, 19.12.2019, 21:00 Uhr
Im Gespräch (v.l.): die NRW-Antisemitismusbeauftragte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Prof. Mouhanad Khorchide, Sharon Fehr, Christina-Maria Purkert, Prof. Hubert Wolf und Prof. Arnulf von Scheliha. Mitveranstalter der Diskussion war das Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität.
Im Gespräch (v.l.): die NRW-Antisemitismusbeauftragte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Prof. Mouhanad Khorchide, Sharon Fehr, Christina-Maria Purkert, Prof. Hubert Wolf und Prof. Arnulf von Scheliha. Mitveranstalter der Diskussion war das Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität. Foto: klm

Was können Christen und Muslime tun, um Vorbehalte, Ablehnung oder sogar Gewalt gegenüber Menschen jüdischen Glaubens entgegenzuwirken? Antworten suchte der vom Land NRW geförderte, interreligiöse Verein „Begegnen – für Toleranz in NRW“ am Mittwoch bei einer Diskussion im Erbdrostenhof.

„Potenziale gegen Antisemitismus im Islam und Christentum“ hieß der Leitgedanke, zu dem der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Sharon Fehr , und Wissenschaftler des Islam sowie des katholischen und des evangelischen Christentums Stellung bezogen.

Kritische Auseinandersetzung durchlaufen

Antisemitismus sei aktuell erneut ein gesellschaftliches Problem, erklärte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Antisemitismusbeauftragte der Landesregierung. „Er ist zu lange zu wenig diskutiert worden. Er bedeutet Ausgrenzung und hat mit den Grundwerten unserer Gesellschaft nichts zu tun.“

Von einer „Lerngeschichte“ der evangelischen Kirche im Verhältnis zum Judentum sprach Arnulf von Scheliha , Professor für Theologische Ethik an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster . „Wir haben als reformatorisches Christentum eine kritische Auseinandersetzung durchlaufen“, sagte er. „Der Grundfehler war, dass man sich bis weit in das 20. Jahrhundert hinein nicht mit den jüdischen Gelehrten auseinandergesetzt hat“, so von Scheliha. Die Protestanten hätten bei ihrer Auslegung der Hebräischen Bibel – dem Neuen Testament – einen überheblichen Blick auf ihren Glauben gehabt.

Von den anderen lernen

Auch die katholische Kirche habe „einen gewaltigen Lernprozess hinter sich“, sagte Hubert Wolf, Professor für Kirchengeschichte an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Uni Münster. Allerdings: „So lange zum Beispiel nicht geklärt ist, was Papst Pius XII. während der NS-Zeit tatsächlich vom Holocaust wusste, darf sein Seligsprechungsprozess nicht fortgeführt werden.“

Unter Moderation von WDR-Redakteurin Christina-Maria Purkert waren sich die Diskutanten einig, dass Religionen aus den Entwicklung anderen Glaubensrichtungen für sich lernen könnten. Um in ihren Lernprozessen weiterzukommen und „Hass vorzubeugen“, hieß es.

Aufklärung wäre hilfreich

Sharon Fehr betonte die Bedeutung von „Aufklärung, Bildung und Dialog an Schulen“. Kinder, die – auch unabhängig von ihrer Religion – „Erfahrung mit Ausgrenzung haben“, sollten dort offen zu Wort kommen.

Mouhanad Khorchide, Professor für Islamische Religionspädagogik der Uni Münster, erklärte: „Wir brauchen eine Interpretation des Islam, die aufgeklärt ist.“ Konservative und moderne Strömungen konkurrierten im Islam. Im Hinblick auf Judenfeindlichkeit muslimischer Flüchtlinge sagte der Sohn palästinensischer Eltern: „Manche jungen Leute kommen mit einem völlig verzerrten Bild vom Judentum hierher.“ Aufklärung, etwa in der Schule, sei hilfreich.

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