Die Stadt greift durch
Bismarckallee: Halteverbot wird nun kontrolliert

Münster -

Das kürzlich verhängte Halteverbot auf der Bismarckallee zeigt nun Wirkung. Die Stadt erteilt Falschparkern bußgeldfreie Verwarnungen. Und dabei soll es nicht bleiben.

Samstag, 04.01.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 04.01.2020, 20:20 Uhr
Auf der Bismarckallee wird das Halteverbot nun weitgehend geachtet.
Auf der Bismarckallee wird das Halteverbot nun weitgehend geachtet. Foto: kv

Das vor etlichen Wochen angezeigte absolute Halteverbot an der Aaseeseite der Fahrradstraße Bismarckallee (wir berichteten) wird neuerdings weitgehend beachtet. Nachdem das Ordnungsamt dort bereits vor Weihnachten einmal kontrolliert und Falschparker verwarnt hatte, wird die vom Verbot betroffene Straßenseite nur noch sehr vereinzelt von Autos als Parkplatz benutzt.

Die ersten Verwarnungen waren aber noch nicht mit einem Bußgeld verbunden, erklärt Norbert Vechtel vom Ordnungsamt. „Bei Veränderungen weisen wir Autofahrer immer zunächst einmal auf die neuen Regeln hin, damit sie sich daran gewöhnen können.“ An der Bismarckallee sei es über Jahrzehnte hinweg möglich gewesen zu parken. In wenigen Tagen allerdings werde die Stadtverwaltung umschalten und konsequent das Falschparken auch mit Bußgeldern ahnden, kündigt Vechtel an.

Verbote ohne Wirkung

Die Bismarckallee ist zwar schon seit Jahren Fahrradstraße, wird nun aber auch Teil der Veloroute aus den westlichen Vororten Münsters ins Zentrum. Deswegen soll die Fahrbahn in voller Breite dem Verkehr – und zwar bevorzugt dem Radverkehr, zur Verfügung stehen. Autos dürfen weiter auf der Bismarckallee fahren, aber eben nicht mehr parken.

Kommentar

Na also, es geht doch.  Die Stadt hat sich daran erinnert, dass sie selbst an der Bismarckallee ein absolutes Halteverbot mit Blick auf die neue Veloroute eingerichtet hat – und setzt dies nun auch durch, früher als ursprünglich geplant.

Zuvor hatten das Wochen andauernde offensichtliche Schein-Verbot im Netz und als Reaktion auf die Berichterstattung unserer Zeitung viele empörte Stimmen über die Inkonsequenz der Verwaltung beim praktischen Umgang mit der Herausforderung einer Verkehrswende provoziert. Wie man nun sieht, reicht fürs Erste schon die Verwarnung ohne Bußgeld, dass die neue Regel fast 100-prozentig respektiert wird.

Natürlich zürnen jetzt all jene, die es jahrzehntelang gewohnt waren, die Fahrbahn der Bismarckallee als Parkplatz zu benutzen: Spaziergänger, Job-Pendler oder Gäste der Jugendherberge. Aber wer dem Radverkehr für den Weg in die Innenstadt mehr Raum geben will, muss den Platz irgendwo hernehmen. Es ist ein Naturgesetz, dass die Beharrungskräfte des Menschen im Allgemeinen groß sind. Erst wenn Unannehmlichkeiten drohen, werden ernsthaft Veränderungen angestrebt. An der Bismarckallee funktioniert das jetzt – immerhin. (Karin Völker)

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Die Halteverbotsschilder stehen schon seit dem Herbst dort, hatten aber zunächst keine Wirkung. Die Einhaltung der Regeln war nicht kontrolliert worden.

Regeln auf Fahrradstraßen

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  • Was ist denn eine Fahrradstraße? Mit diesem Schild können viele Verkehrsteilnehmer wenig anfangen. 1997 wurden durch die sogenannte Fahrrad-Novelle der Straßenverkehrsordnung die Regeln für Fahrradstraßen festgelegt:

    Foto: dpa
  • Als Fahrradstraßen werden Straßen bezeichnet, die vorrangig für den Radverkehr vorgesehen sind.  Sie sollen Vorteile gegenüber dem Kfz-Verkehr schaffen und so auch zu mehr Sicherheit für Radfahrer führen.

    Foto: Jan Hullmann
  • In Deutschland ist die Nutzung einer solchen Fahrradstraße dem Radverkehr vorbehalten. Radfahrer dürfen hier auch nebeneinander fahren.

    Foto: Michael Grottendieck
  • Soll die Straße auch durch andere Fahrzeuge befahren werden, muss dies durch Zusatzzeichen ausgeschildert sein. So kann zum Beispiel der Autoverkehr für Anlieger oder nur in eine Richtung erlaubt sein.

    Foto: Jan Hullmann
  • Radfahrer haben auf einer Fahrradstraße Vorrang vor Autos und anderen Fahrzeugen, welche diese Straße benutzen. Doch dies bedeutet nicht, dass Fahrradfahrer auch an Kreuzungen Vorfahrt haben, hier gilt – sofern nichts anderes ausgeschildert wurde – „rechts vor links“.

    Foto: Jan Hullmann
  • Andere Kraftfahrer müssen sich auf der Fahrradstraße dem Radverkehr anpassen, sodass ein Behinderung oder Gefährdung der Radfahrer vermieden wird. Das gilt insbesondere auch für Überholvorgänge. Dabei muss ein ausreichender Seitenabstand - laut Rechtsprechung mindestens  1,5 Meter - eingehalten werden.

    Foto: Tobias Denne (Archiv)
  • Auf einer Fahrradstraße muss die Geschwindigkeit von Kraftfahrzeugen  immer angepasst sein. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit auf Fahrradstraßen beträgt darüber hinaus immer 30 km/h. Darauf weist auch dieses Schild am Lindberghweg in Münster hin.

    Foto: Stadt Münster (Archiv)
  • Zu den zwölf bestehenden Fahrradstraßen in Münster sollen noch zehn weitere hinzukommen.

    Foto: Martin Kalitschke, Grafik: Jürgen Christ
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