Prozess vor dem Landgericht
Nach der Messerattacke kam die Panik

Münster -

Am 6. Juli 2019 griff ein 25-Jähriger vor einem Imbiss am Berliner Platz einen 22-Jährigen mit dem Messer an und verletzte ihn schwer. Nun muss er sich vor dem Landgericht wegen versuchten Totschlags verantworten. Angeklagter und Opfer präsentierten am Montag zwei unterschiedliche Versionen vom Tathergang.

Montag, 13.01.2020, 18:00 Uhr aktualisiert: 13.01.2020, 18:06 Uhr
 
  Foto: dpa

Was geschah wirklich am 6. Juli 2019 vor einem Imbiss am Berliner Platz? Immerhin so viel steht fest: Der 25-jährige Marokkaner aus Telgte, der sich derzeit wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht verantworten muss, fügte damals einem 22-jährigen Libanesen einen lebensgefährlichen Messerstich zu – dies hat der Angeklagte bereits zugegeben. Die genauen Umstände des Tathergangs blieben jedoch auch am zweiten Verhandlungstag im Dunkeln.

Der 25-Jährige beteuerte am Montag, sich quasi allein auf weiter Flur gegen mehrere Angreifer verteidigt zu haben. Das Opfer, das eher zufällig in die Schlägerei geraten war, berichtete hingegen vor Gericht, dass der Angeklagte von einer größeren Gruppe unterstützt worden sei. So stand Aussage gegen Aussage: Der Anklagte deutete an, dass er in einer Mischung aus Angst und Notwehr spontan zum Messer griff – und das Opfer, dass der Marokkaner das Messer schon länger in der Hand hielt, bevor er zustach.

Tatwaffe gehört Ehefrau

Das waren nicht die einzigen Ungereimtheiten am zweiten Verhandlungstag. Das Gericht präsentierte eine Sprachnachricht, auf der der Angeklagte sagt: „Ich komme aus Tunesien.“ Der 25-Jährige blieb jedoch dabei, dass er Marokkaner sei. Auch die Vorhaltung des Gerichts, dass ihn Bekannte mit einem anderen Namen angesprochen hätten, wies er zurück: Er heiße so, wie es in der Anklageschrift steht.

Vor seiner Tat soll der Angeklagte dem Opfer gedroht haben: „Ich schwöre, ich werde dich töten.“ Vielleicht, so der 25-Jährige, habe er das tatsächlich gesagt. In seiner Kultur bedeute dieser Satz jedoch nicht, dass man jemanden wirklich töten wolle: „Man will nur jemanden im Dreck sehen, seine Ehre töten.“ Als er klein war, habe auch seine Mutter immer mal wieder gesagt, dass sie ihn töten werde.

Dann wurde die Tatwaffe auf den Tisch gelegt, ein Messer mit zehn Zentimeter langer Klinge. Er habe es für seine Frau gekauft, so der Angeklagte. „Damit sie sich verteidigen kann, bei uns wohnen viele Flüchtlinge.“ Er selbst habe am 6. Juli zum ersten Mal überhaupt ein Messer benutzt. Direkt nach der Tat sei er geflohen – weil ihm plötzlich deren Tragweite bewusst geworden sei. „Es tut mir leid, ich bin froh, dass das Opfer nicht gestorben ist“, ließ der 25-Jährige von seinem Anwalt verlesen.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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