Dunkles Aushängeschild der Stadt
Die Metal-Band Neaera ist zurück

Münster -

Plattenvertrag, internationale Auftritte – dann war plötzlich alles vorbei. Die Metal Band Neaera aus Münster wollte 2015 nicht mehr. Nun sind die Musiker zurück.

Mittwoch, 15.01.2020, 17:22 Uhr aktualisiert: 15.01.2020, 18:24 Uhr
Metalcore oder Melodic-Death-Metal? Die münsterische Band Neaera hat sich ihren eigenen Sound auch nach ihrer Rückkehr bewahrt.
Metalcore oder Melodic-Death-Metal? Die münsterische Band Neaera hat sich ihren eigenen Sound auch nach ihrer Rückkehr bewahrt. Foto: Benjamin Donath

Die Szenerie ist ein Hinterzimmer der Sputnikhalle. Benjamin Hilleke hat auf einem Sofa Platz genommen. Es wirkt fast so, als wäre er zu Hause. Im Grunde kein Wunder, hat doch hier im Hawerkamp irgendwie alles angefangen. Das Feiern zur Rockmusik. Das erste eigene Video. Der erste große Auftritt. Hilleke war Sänger der münsterischen Metal-Band Neaera – besser: er ist es wieder. Denn nach ihrer Auflösung 2015 hat sich die Formation in einem schleichenden Prozess mittlerweile wiedervereint. Ende Februar erscheint ein neues Album.

Hilleke selbst wohnt erst seit gut einem Monat wieder in Münster. Damals, im Alter von 20 Jahren, so erzählt der heute 37-Jährige, habe er das Gefühl gehabt „raus zu wollen, mehr sehen zu wollen“. Heute sagt Hilleke, sei er froh, wieder in seiner Heimatstadt zu leben: „Münster ist so schön. Nur auf den Wochenmarkt sollte man samstags gegen 12 Uhr nicht unbedingt gehen“, scherzt er lächelnd.

In Metal-Kreisen hat die Nachricht der Neaera-Rückkehr derweil für ordentlich Furore gesorgt. Noch bevor ein neuer Song veröffentlicht wurde, standen bereits zahlreiche Auftritte fest. Darunter auch bei den Festivalgiganten „Wacken“, „Summer Breeze“ und dem „Resurrection Fest“ in Spanien. Hinzu kommen die Impericon-Shows in Leipzig, Oberhausen, München, Zürich und Wien.

So richtig kann Hilleke selber noch nicht fassen, was da mit ihm und seinen Freunden zuletzt passiert ist. 2018 hatte die Band, nicht zuletzt aufgrund zahlreicher Anfragen, noch einmal zwei Konzerte gespielt. „Ich hatte Gänsehaut während der Auftritte“, erinnert sich Hilleke an „den Stein des Anstoßes“. Es folgte im vergangenen Jahr eine exklusive und umjubelte Show beim Vain­stream­ Rockfest. „Das hat so viel Spaß gemacht“, sagt Hilleke, stockt kurz und fährt dann fort: „Wir haben dann gesagt, dass wir noch mal ein Album schreiben“, verrät der Frontmann, der unter anderem Gitarrist Tobias Buck als treibende Kraft beim Songschreiben benennt. Große Probleme ins Musikgeschäft zurückzukehren gab es derweil nicht. Sowohl die ehemalige Plattenfirma Metal Blade, in Deutschland durch Sony Music vertrieben, als auch die Booker von King­star nahmen das Neaera-Comeback mit Freude auf.

Neues Album erscheint am 28. Februar

Mittlerweile ist das neue Album, das unter dem Namen „Neaera“ am 28. Februar erscheinen wird, fertig. Die Release-Show im Triptychon war innerhalb von Stunden ausverkauft. Zur ersten Single „Torch­bearer“ ist bereits ein Video auf Youtube online. „Das haben wir hier in der Sputnikhalle gedreht“, sagt Hilleke, der in der Band auch Hummelke genannt wird – „weil ich immer Hummeln im Hintern habe.“ Die Sputnikhalle passe – nicht zuletzt, weil Neaera eben bereits ihr erstes Video in dem Gebäude gedreht hätten. „Und zum Gelände des Vainstream ist es ja auch nicht weit. Auch das war immer ein spezieller Ort für uns“, sagt Hilleke. Schmunzelnd erzählt er die Geschichte des ersten Auftritts dort, bei dem der Sänger auch seine Familie und darunter auch den mittlerweile verstorbenen Opa Heinz vorstellte. Einige Jahre später habe man dann hinter der Bühne beim Vorbereiten auf eine weitere Show beim Vainstream laute Rufe im Publikum vernommen. Ein verwunderter Blick vor die Bühne zeigte, dass das Publikum Opa Heinz erkannt hatte. „Da war er ziemlich stolz“, sagt Hilleke mit einer Rührung, die man ihm beim ersten Hören seines gutturalen, also in der Kehle entstehenden Gesangs zunächst kaum zutrauen mag. „Schreien“, nennt Hilleke das bescheiden – auch wenn er natürlich weiß, dass es eigentlich viel mehr ist. Früher, so erzählt er, sei seine Stimme nach einigen Auftritten immer heiser gewesen. Nicht zuletzt durch Gesangstraining kann er mittlerweile damit ganz anders umgehen. Auch bei aufeinanderfolgende Auftritten, heiser werde er nicht mehr, im Gegenteil: „Es wird sogar von Show zu Show immer besser.“

Für Nearea heißt es nun nicht nur die musikalischen Fähigkeiten wiederzuvereinen. Es geht auch darum, alles andere mit der Musik noch unter einen Hut zu bringen. Immerhin haben sich alle Bandmitglieder nach der Auflösung in verschiedene Richtungen entwickelt. Gitarrist Tobias Buck hat mit dem „Bucks. vegan frengeln“ ein eigenes Restaurant auf der Wolbecker Straße eröffnet. Stefan Keller (ebenfalls Gitarre) arbeitet als Lehrer, Schlagzeuger Sebastian Heldt ist dem Musikbereich treu geblieben und Bassist Benjamin Donath arbeitet für eine Filmproduktionsfirma. Hilleke selbst ist für ein Social Business tätig. Es sei schon viel, alles nebenher zu tun, aber: „Wir sind eben auch richtig heiß.“

Was nach dem Sommer passiert? „Mal schauen“, sagt Benjamin Hilleke entspannt. Pläne für die Zeit nach den Festivals gebe es noch nicht. „Vielleicht“, schiebt Hilleke grinsend nach, „sind wir für das Publikum ja auch nur die Bierpause.“

Die über 80.000 Klicks, die das Video zu „Torchbearer“ in einem Monat nach der Veröffentlichung verzeichnet, deuten allerdings auf eine ganz andere Entwicklung hin. Unter dem Video haben User ihre Kommentare gelassen. „Ihr wurdet schmerzlich vermisst“, schreibt einer. „Ich weiß nicht, ob ich heulen oder moshen soll“, ein anderer. „Willkommen zurück“, schreiben viele.

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