Urteil zu Schülerfahrtkosten
Bauernhof als Unterrichtsort: Montessorischule Münster scheitert mit Klage

Münster -

Es ist für die Vermittlung des Lernstoffes nicht zwingend, dass eine Schule regelmäßig einen Unterrichtstag pro Woche auf dem Schulbauernhof verbringt – und dafür die Erstattung der Fahrtkosten in Anspruch nehmen kann. Das ist die Quintessenz eines Urteils des Oberverwaltungsgerichts Münster, das am Mittwoch eine Klage der privaten Montessorischule Münster abgewiesen hat.

Mittwoch, 29.01.2020, 15:31 Uhr aktualisiert: 29.01.2020, 17:44 Uhr
Auf dem Emshof, dem Schulbauernhof zwischen Münster und Telgte, können Kinder viel über die Landwirtschaft und darüber hinaus lernen.
Auf dem Emshof, dem Schulbauernhof zwischen Münster und Telgte, können Kinder viel über die Landwirtschaft und darüber hinaus lernen. Foto: Meike Patalong

Ist Schulunterricht außerhalb der Schule lehrplanmäßiger Unterricht? Diese Frage hatte am Mittwoch das Oberverwaltungsgericht Münster zu beantworten. Die Antwort der Richter lautete: nicht generell.

Die private Montessori-Gesamtschule Münster ist damit mit ihrer Klage auf die Erstattung von Schülerfahrtkosten zum Schulbauernhof Emshof bei Telgte gescheitert.

Siebtklässler verbringen einen Tag pro Woche auf Bauernhof 

Das Konzept der Montessorischule sieht es vor, dass jeweils die siebte Klasse einen ganzen Tag in der Woche auf dem Schulbauernhof verbringt. Dort beschäftigen sich die Jugendlichen mit längerfristigen Projekten. Es geht um Säen, Ackern und Ernten, Tierhaltung, um handwerkliche Arbeiten, um Vermarktung von Produkten, das Verständnis von Natur und Landwirtschaft und erste Berufsorientierung, wie Eva Grindel als Vertreterin der Montessorischule während der mündlichen Verhandlung erläuterte.

Pro Jahr fallen für die wöchentlichen Fahrten zum Emshof Kosten in Höhe von rund 4100 Euro an. Die Bezirksregierung hatte den 2012 gestellten Antrag auf Erstattung abgelehnt, in der Klage ging es konkret um die Summe von 4077 Euro. Das Verwaltungsgericht Münster hatte die Klage der Schule gegen den Bescheid der Bezirksregierung schon in erster Instanz abgelehnt.

Prinzipiell, dies wurde in der Verhandlung vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) deutlich, gehört das Lernen an außerschulischen Lernorten an öffentlichen wie an privaten Schulen durchaus zum offiziellen Lehrplan, sofern es um Vermittlung von Kenntnissen geht, die zwingend nicht in Schulräumen stattfinden können.

Vergleich mit Schwimmunterricht 

Ein Vertreter der Schulaufsichtsbehörde nannte als Beispiel den regelmäßigen Schwimmunterricht, für den die Fahrkosten erstattet würden. Ein anderer Vertreter der Bezirksregierung sah es für die Vermittlung des festgesetzten Lernstoffs nicht als „alternativlos“, dass eine Schule ein ganzes Jahr lang einen Unterrichtstag auf den Bauernhof verlege.

Der Senat des OVG stellte fest, dass beim Unterricht auf dem Schulbauernhof das dort vermittelte Wissen einzelnen Fächern des Lehrplans hätte zugeordnet werden müssen – auch in dem vom Lehrplan zeitlich vorgegebenen Rahmen. Das sei im konkreten Fall aber nicht geschehen.

Bisher hat der Trägerverein der Montessorischule die Fahrtkosten zum Schulbauernhof übernommen. „Wir warten die Begründung des Urteils jetzt erst einmal ab“, sagte Eva Grindel.

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