Arzt-Deutsch, Deutsch-Arzt
Plattform „Was hab’ ich?“ übersetzt unverständliche Mediziner-Sprache

Münster -

Wenn der Arzt mit lateinischen Fachausdrücken daherkommt, versteht so mancher Patient nur Bahnhof. Doch es gibt Hilfe: Ein Projekt im Internet übersetzt Arztbriefe in Patientendeutsch. Und Leona Domes aus Münster ist seit zwei Jahren im Team.

Samstag, 08.02.2020, 18:00 Uhr aktualisiert: 09.02.2020, 12:35 Uhr
Leona Domes übersetzt für Patienten Arztbriefe.
Leona Domes übersetzt für Patienten Arztbriefe. Foto: Wilfried Gerharz

„Pulmo o.B.“ – wie krank bin ich denn nun? Häufig stehen Patienten alleine vor dieser Frage, wenn sie nach einer Untersuchung den Arztbrief voller lateinischer Fachausdrücke erhalten. Dass in diesem Fall die Lunge des Patienten „ohne Befund“, also völlig gesund ist, klingt eben nur unter Medizinern selbstverständlich. Dieses Problem ist auch der Ärztekammer Westfalen-Lippe bekannt. Immer wieder käme es vor, dass Patienten sich im Zusammenhang mit Behandlungsfehlern auch über unzureichende Aufklärung beschwerten. Schon im Studium würden deshalb werdende Ärzte ausführlich in der Patientenkommunikation geschult.

Da jedoch im Klinikalltag oft die Zeit dazu fehlt, gibt es seit acht Jahren die Website Washabich.de. Die Idee zum Projekt stammt aus Dresden von zwei damaligen Medizinstudenten, Anja und Johannes Bittner, und Ansgar Jonietz, einem IT-Spezialisten. Patienten können dort ihre Entlassbriefe im „virtuellen Wartezimmer“ hochladen. Etwa 100 ehrenamtlich engagierte Medizinstudenten aus ganz Deutschland übersetzen die Befunde ins Patienten-Deutsch und erklären, was hinter den Fachbegriffen steckt. So entstanden bisher bereits fast 43 000 verständliche „Patientenbriefe“, die laut Washabich.de dazu beitragen sollen, dass „Patienten im Arztgespräch die richtigen Fragen stellen und gemeinsam mit ihrem Arzt die richtigen Entscheidungen für ihre Gesundheit treffen können“.

Hilfe aus Münster

Leona Domes aus Münster ist seit zwei Jahren im Team. Sie hat ihr Studium gerade erfolgreich abgeschlossen und freut sich nicht nur über die Gelegenheit, ihr Wissen zu vertiefen und Gelerntes wiederholen zu können, sondern auch über das positive Feedback der Patienten. Ab dem achten Fachsemester dürfen Studenten teilnehmen, wobei sie sich von einer der vier hauptamtlichen ärztlichen Supervisorinnen jederzeit Rat einholen können. Eine von ihnen ist Marie Gottschlich , die zunächst in einer Reha-Klinik arbeitete und sich erinnert, dass Patienten selbst nach längeren Krankenhaus-Aufenthalten oft nur unzureichend über ihre Erkrankungen Bescheid wussten. „Bei ,Was hab’ ich?‘ kann ich in einem tollen Team Medizin für alle verständlich machen und damit nachhaltig etwas bewirken“, freut sich die junge Ärztin.

Es geht immer schneller

Mittlerweile ist auch Leona so geübt, dass sie für die „Übersetzung“ eines Arztbriefes nur wenige Stunden benötigt. Dabei müsse sie allerdings immer wieder darauf hinweisen, dass die Übersetzung nicht als Zweitmeinung zu verstehen sei.

Einige der zufriedenen Patienten geben als Dankeschön für das kostenlose Angebot eine Spende. Auch der Bund und zahlreiche Sponsoren unterstützen die Initiative, und 2019 wurde das Projekt mit dem Berliner Gesundheitspreis ausgezeichnet.

Software hilft

Eine weitere Leistung des Projekts besteht in einer neu entwickelten Software, die es möglich machen soll, ohne Mehraufwand zeitgleich zum klassischen Arztbrief auch einen Patientenbrief automatisch zu erstellen. Sie wird seit 2018 für eine Pilotstudie am Herzzentrum Dresden sehr erfolgreich eingesetzt.

Zudem nahmen bereits über 2100 Mediziner an einer diesbezüglichen Fortbildung teil: „Wir glauben, dass Mediziner, die einmal für das Thema sensibilisiert sind, ihr ganzes Berufsleben lang bessere Patienten-Gespräche führen werden“, erklärt Gottschlich.

www.washabich.de

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7245557?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Viele Tote in Hanau, mutmaßlicher Schütze tot
Mittlerweile ist auch das SEK vor Ort.
Nachrichten-Ticker