Tausende demonstrieren in Münster
Wieder ein Zeichen gegen die AfD gesetzt

Münster -

Protest gegen die AfD in Münsters „guter Stube”: Tausende Menschen haben am Freitag auf dem Prinzipalmarkt de­monstriert, während die AfD im historischen Rathaus Münster ihren Neujahrsempfang abhielt. Die Polizei war mit mehreren Hundert Beamten im Großeinsatz.

Freitag, 07.02.2020, 22:05 Uhr aktualisiert: 07.02.2020, 22:26 Uhr
Menschen aller Generationen setzten auf dem Prinzipalmarkt ein Zeichen gegen Hass und Hetze.
Menschen aller Generationen setzten auf dem Prinzipalmarkt ein Zeichen gegen Hass und Hetze. Foto: Oliver Werner

Münster hat erneut ein deutliches Zeichen gegen Rechts gesetzt. Menschen alter Altersgruppen demonstrierten am Freitag gegen den AfD-Neujahrsempfang im Rathaus-Festsaal. Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf 4000, Carsten Peters vom Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ auf bis zu 10.000. Die Kundgebungen und bisweilen kreativen Protestaktionen verliefen lautstark, aber weitgehend friedlich.

Protest gegen die AfD in Münster

Großaufgebot der Polizei im Einsatz

Während ab etwa 16.30 Uhr immer mehr Demonstranten in die Innenstadt strömten, schlossen viele Geschäfte rund um den Prinzipalmarkt ihre Pforten. Für die Sicherheit der Teilnehmer sorgte ein Großaufgebot der Polizei. Gegen 19 Uhr mussten die Beamten vorübergehend etwas energischer werden, als einige Demonstranten versuchten, durch die Absperrung zu gelangen. Die Situation beruhigte sich jedoch rasch wieder. 

Wir Münsteraner sind das Gegenteil von dem, was die AfD gerne hätte.

Demo-Teilnehmer Maximilian von Heyden

„Nazis raus, Nazis raus“ und andere Anti-AfD-Parolen wurden immer wieder skandiert – so laut, dass der Protest im Rathaus-Festsaal deutlich zu hören war. Einzelne und Gruppen, Senioren und Studenten, Eltern und Kinder demonstrierten gemeinsam gegen die AfD. „Ich war noch nie im Leben auf einer politischen Demo“, sagte Aegidius Röckrath. „Jetzt wird es Zeit, dass wir aufstehen, um einen Dammbruch zu verhindern.“ Die Diakonie kam mit zahlreichen Mitarbeitern zum Prinzipalmarkt. „Bei uns arbeiten Menschen aus 50 Nationen“, so Stefanie Dues­mann. „Wir wollen zeigen, dass Münster allen Menschen offen steht.“ Teilnehmer Maximilian von Heyden sagte: „Wir Münsteraner sind das Gegenteil von dem, was die AfD gerne hätte.“

Protest gegen den AfD-Neujahrsempfang am 7.2.2020

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  • Protest in Münster: Demonstranten zeigen dem AfD-Landtagsabgeordneten Christian Blex vor dem Rathaus ihre Abneigung. 

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Gäste des AfD-Neujahrsempfangs sind hier nicht willkommen. Das machen die Demonstranten deutlich.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Laut Polizei sind 4000 Teilnehmer zu den Kundgebungen rund um das Rathaus gekommen. Die Veranstalter vermeldeten bis zu 10.000 Demonstranten.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Teilweise versuchten die Demonstranten, den Gästen des Neujahrsempfangs den Zugang zum Rathaus zu versperren.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Etwa 200 Menschen fanden den Weg in den Rathausfestsaal.

    Foto: Dirk Anger
  • Hunderte Polizisten waren im Einsatz.

    Foto: Stefan Biestmann
  • Demonstranten versuchten teils mit Sitzblockaden, die Wege zum Rathaus zu versperren.

    Foto: Matthias Ahlke
  • An der Salzstraße gab es zeitweise kaum ein Durchkommen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Mit vielen selbst gebastelten Plakaten wurde Position gegen die AfD bezogen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • "Biete Nachhilfe für Geschichte"

    Foto: Matthias Ahlke
  • Eine wählbare Alternative ist die Partei für diese Menschen sicherlich nicht.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Etliche Polizei-Bullis standen auf dem Rathausinnenhof.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Auf der Bühne gab es neben mehreren Reden auch Musik von der münsterischen Punkband "Empty Veins".

    Foto: Matthias Ahlke
  • Bereits am Nachmittag wurde der Bereich vor dem Historischen Rathaus von der Polizei abgesperrt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Im Rathaus lud die AfD zum Pressegespräch.

    Foto: Dirk Anger
  • Auch der Parteivorsitzende der Bundes-AfD, Jörg Meuthen, ist ins Rathaus gekommen.

    Foto: Dirk Anger
  • Kreativer Protest gegen den AfD-Neujahrsempfang in Münster

    Foto: Martin Kalitschke
  • Robert von Olberg (SPD) bezog Stellung zum "Tabubruch" von Thüringen: Wer sich von einem Faschisten wie Höcke wählen lasse, tauge nicht zum Antifaschisten und Verteidiger der Demokratie.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Rund um das Rathaus war die Polizei mit vielen Kräften im Einsatz.

    Foto: Stefan Biestmann
  • Hier nahmen später Jörg Urban (Sachsen), NRW-AfD-Chef Rüdiger Lucassen und der AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen Platz.

    Foto: Dirk Anger
  • Das Buffet für die Gäste der AfD im Rathaus

    Foto: Dirk Anger
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Die Polizei zog eine insgesamt positive Bilanz: Neben Rangeleien zwischen Polizisten und Demonstranten seien auch Teilnehmer der AfD-Versammlung beleidigt, bespuckt und bedrängt worden. Insgesamt sei alles friedlich verlaufen. Es sei niemand verletzt worden.

    Foto: Stefan Biestmann
  • Foto: diverse
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  • Foto: Matthias Ahlke
  • Sehen Sie im Folgenden weitere Bilder der Proteste.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: diverse
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Pfiffe für die Antifa

Knapp vier Stunden gab es auf einer Bühne auf dem Prinzipalmarkt Reden und Musik – für ein tolerantes, vielfältiges und demokratisches Münster, gegen Hass, Rassismus, Antisemitismus und rechtes Gedankengut. Es gab viel Beifall – aber auch Pfiffe und Buhrufe, als ein Vertreter der Antifa forderte, dass man beim Kampf gegen Rechts „auch mal zuschlagen“ müsse.

Demonstranten schwenkten Fahnen von CDU, SPD, Grünen, Linkspartei, ÖDP, Gewerkschaften und anderen Organisationen. Unter die Menschen hatte sich auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) gemischt. „Ich bin heute hier, um zu zeigen, dass ich für ein buntes Münster bin.“ Die Vorgänge in Thüringen bezeichnete sie als „absoluten Dammbruch“: „Da müssen sich alle Demokraten klar positionieren.“

Ich bin heute hier, um zu zeigen, dass ich für ein buntes Münster bin.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze

Gegen 18.30 Uhr leerte sich der Prinzipalmarkt spürbar. Um kurz nach 20 Uhr zog Veranstalter Carsten Peters ein positives Fazit – der Protest sei „sehr erfolgreich“ verlaufen, er danke allen Teilnehmern.

Wir haben mit einem Liveticker von dem Neujahrsempfang und den Protesten berichtet.  Hier  können Sie den Verlauf der Ereignisse nachlesen. 

Kommentar: Eine Alltagsaufgabe

Es hätte der mindestens mal dümmlich zu nennenden Thüringer Posse als Katalysator nicht bedurft, um wieder Tausende Menschen in Münster gegen den AfD-Neujahrsempfang im Rathaus zu mobilisieren. Denn die gerade im trüben rechtsextremen Lager fischende AfD setzt auf Geschichtsklitterung, erhebt Intoleranz zum Prinzip und torpediert den Staat.

Dagegen hat die breite Mitte der Stadtgesellschaft erneut ein klares Zeichen für ein weltoffenes und gastfreundliches Münster gesetzt. Vielleicht braucht es eine solche Selbstvergewisserung in unruhigen Zeiten wie diesen mehr denn je.

Eines aber darf trotz der klaren Abstimmung mit den Füßen und an den Wahlurnen in Münster nicht außer Acht geraten: Die Auseinandersetzung mit Rechtspopulisten, das entschiedene Vorgehen gegen Rechtsradikale und Extremisten muss an jedem Tag, jedem Ort und bei kleinstem Anlass geführt werden. Denn erst im Alltag entscheidet sich tatsächlich, wie frei und lebenswert unsere Gesellschaft ist.

- Dirk Anger

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