Stadtforum zum Thema Mobilität
„Weniger Privilegien für Autofahrer“

Münster -

Wie soll die Mobilität der Zukunft aussehen? Darüber sollte eine Veranstaltung der Stadt Münster informieren. Dabei wurde von zwei Referenten viele Kritik am Auto geäußert, auch am E-Auto.

Freitag, 14.02.2020, 21:00 Uhr aktualisiert: 14.02.2020, 22:22 Uhr
Sie informierten sich (und andere) über „stadtverträgliche Mobilität“ (v.l.): Frank Gäfgen, Robin Denstorff, Merle Groneweg, Markus Lewe, Stefanie Bremer und Weert Canzler.
Sie informierten sich (und andere) über „stadtverträgliche Mobilität“ (v.l.): Frank Gäfgen, Robin Denstorff, Merle Groneweg, Markus Lewe, Stefanie Bremer und Weert Canzler. Foto: Oliver Werner

Die Zahl der Autos in Deutschland (und damit auch in Münster) muss drastisch zurückgefahren werden. E-Autos mögen (vordergründig) eine Alternative zum Verbrennungsmotor sein. Aber wenn die Zahl der Autos auf dem heutigen Niveau bleibt, wird auch die E-Mobilität zu „massiven Umweltschäden führen“.

So in etwa kann man die Botschaft des Stadtforums „Stadtverträgliche Mobilität“ zusammenfassen. Eingeladen zu dieser Veranstaltung am Donnerstagabend in der Sporthalle der Stadtwerke Münster hatten Oberbürgermeister Markus Lewe und Stadtbaurat Robin Denstorff (beide CDU).

Als Referenten konnte die Stadt Dr. Weert Canzler von der Technischen Universität Berlin sowie Merle Groneweg vom Verein Power-Shift, ebenfalls Berlin, gewinnen. Sie sollten Anregungen für die Ausgestaltung der geplanten Verkehrswende in Münster geben.

„Liebe zum Auto ist zu selbstverständlich“

Eben diese Wende wird es nach Auskunft von Weert Canzler nur geben, wenn es gelinge, eine seit den 1950er-Jahren propagierte Selbstverständlichkeit zu überwinden, die da lautet: „Zu einem glücklichen Leben gehört ein Auto.“ Inzwischen sei der Autoverkehr der einzige Bereich in Deutschland, in dem es bislang noch nicht gelungen sei, den CO-Ausstoß gegenüber 1990 zu verringern. Bei 47 Millionen Autos sei es unumgänglich, die Privilegien für Autofahrer abzubauen. Er nannte das Beispiel der Stadt Stockholm, wo ein Anwohnerparkausweis 827 Euro im Jahr koste. In Deutschland seien es rund 30 Euro.

„Batterien verbrauchen zu viele Ressourcen“

Merle Groneweg konzentrierte sich sodann auf das Thema E-Mobilität. Die Klimabilanz, so Gronewegs These, sei nur dann besser, wenn ausschließlich regenerativ erzeugter Strom zum Einsatz komme. Kohlestrom und E-Mobilität seien kon­traproduktiv. Was indes nicht minder schwer wiege, sei der immense Ressourcenverbrauch. 48 Prozent des in Deutschland verarbeiteten Aluminiums zum Beispiel werde von der Automobilindustrie benötigt. Sollte die Automobilproduktion in dem heutigen Umfang auf E-motoren umgestellt werden, seien für die Batterien eine Menge an Lithium, Kobalt oder auch Nickel erforderlich, die die heutige Weltproduktion um ein Vielfaches überschreiten würde. Die sozialen und ökologischen Auswirkungen auf die Herkunftsländer seien dramatisch, erklärte die Referentin weiter.

Da erschien es fast schon wie ein Glücksfall, dass der Geschäftsführer der Stadtwerke, Frank Gäfgen, sein Grußwort noch vor dem Groneweg-Referat halten durfte. Er teilte nämlich mit, dass die Stadtwerke bei ihren Bussen bis 2029 komplett auf Elektromotoren umstellen möchten.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7260741?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Unbekannte sprengen Geldautomat
Die Sprengung des Geldautomaten an der Westfalen Tankstelle hat heftige Folgeschäden hinterlassen: Schaufenster und Tür sind demoliert worden.
Nachrichten-Ticker